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Ein Schreckgespenst für den kleinen Mann

Von der Zeit heißt es, dass sie Wunden heilen kann. Da scheint etwas dran zu sein. Denn mittlerweile habe ich mich tatsächlich etwas ob fehlgeleiteter Warnhinweise beruhigen können. So haben diese Hinweise am aktuellen Gefährt des wundervollen Nachwuchses ursprünglich in mir eine tiefe Wunde der Angst hervor gerufen. Es war eine Angst vor der möglicherweise lebensbedrohenden Gefahr für den kleinen Mann. Durch einen Kinderwagen.

In der Zwischenzeit haben wir die eine oder andere Probefahrt absolviert. Sehr erfolgreich. Waren es erst noch ganz kurze und zaghafte Versuche, trauen wir uns jetzt schon bis nach draußen – in die freie Wildbahn. Ganz zur Zufriedenheit von Vater und Sohn.

Bisher zumindest. Denn heute hat mich die Kinder-Gadget-Dealerin meines Vertrauens darauf hingewiesen, dass das flotte Gefährt, in dem der charmante kleine Mann unterwegs ist, als Schreckgespenst betitelt ist.

Wie bringe ich das nur dem Nachwuchs bei?

Am besten sitze ich es erst einmal aus und hoffe auf die Zeit. Denn vielleicht kann sie nicht nur Wunden heilen sondern auch Schreckgespenster verjagen.

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Das Baby

Der gemeine Mann von heute, ob nun modern oder nicht, ist doch meist recht einfach gestrickt. Als wir hier beispielsweise das letzte Mal ein Buch über kleine Leute mit großen Eltern zum Thema hatten, gab’s auch gleich zum Einstieg einen kleinen Fall von väterlicher Larmoyanz: es drehe sich ja doch alles nur um die Kindsmütter.

Was sind wir doch arm dran.

Nur gut, dass es auch noch andere Männer gibt. Am besten welche, die einen verstehen. Und am allerbesten welche wie Louis und Joe Borgenicht. Die beiden sind nicht nur selbst Vater und Sohn, sondern haben auch noch ein Buch auf den Markt gebracht. Das kommt daher mit einem einfachen Titel – Das Baby – und kaschiert dabei etwas hochkomplexes: eine Bedienungsanleitung zum Nachwuchs.

Das BabyDie gibt es ja bekanntermaßen nicht gleich zur Geburt dazu. Was sicherlich nur zu einem verschwindend geringen Teil am fehlenden Handschuhfach liegt. Vielmehr dürfte die ganz offensichtliche Sinnlosigkeit eines Unterfangens Schuld sein, das tatsächlich versucht, die Funktionsweise eines so hochkomplexen Gebildes wie des eigenen Nachwuchses in ein Buch zu quetschen, welches auch von uns Testosterondenkern verstanden wird, die wir doch statt zu lesen viel lieber schrauben oder zum Bohren in den Keller gehen.

Genau das haben die beiden Herren aber gemacht. Und zwar höchst unterhaltsam. Den ganzen Weg vom ersten Kapitel über Vorbereitung und Installation, über die Programmierung des Schlafmodus bis hin zu Sicherheitshinweisen und Notfallversorgung.

Schön zum Blättern. Schön zum Gucken. Schön zum Staunen. Und irgendwie sogar schön zum Lesen.

Bitte ein Exemplar für jeden von uns. Denn Bücher mit dem Untertitel Inbetriebnahme, Wartung und Instanthaltung passen auch für uns eher einfach gestrickte Konsumenten der gebundenen Papiersammlungen.

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Noten sind nur Schall und Rauch

Im Deutschlandfunk gab es kürzlich eine Sendung zum Thema Chat oder Buch. Darin ging es darum, ob das (böse) Chatten das (gute) Lesen in seiner Existenz bedrohen würde. Oder ob eben beide miteinander leben können.

In der Sendung kamen auch ein paar Schüler zu Wort. Einer von ihnen meinte:

Im Lesen habe ich dieses Jahr eine zwei. Lesen kann ich also sehr gut.

– ein Schüler im DLF

Seine Note in Mathematik, der auch als Zählerei bekannten Wissenschaft, hat er leider nicht verraten. Dafür aber auf eine sehr unschuldig charmante Weise einen interessanten und durchaus wesentlichen Diskurs eröffnet.

Denn wenn ein gut zum sehr gut mutiert, was wird dann aus dem, was bisher eine Bestleistung war? Das unfassbar Irreale? Wird es gar abgeschafft? Oder nur abgegeben? Wenn dem so ist, dann: an wen? Und gilt der veränderte Maßstab auch in weiteren Fällen? Wird ein befriedigend gleich zum ungenügend?

Die Noten selbst sind streng genommen nur Schall und Rauch. Ausdruck eines externalisierten Wertemaßstabes. Was wirklich zählt, ist die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu betrachten und sich ihrem Diskurs zu stellen.

Wie es scheint, ist der gemeine Schüler von heute dem vollauf gewachsen. Um unsere Zukunft mache ich mir da keine Sorgen.

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Wie die Natur und die Evolution ihre Balance verloren haben

Die Natur macht komische Sachen. Oder besser gesagt: Die Natur denkt sich komische Sachen aus. Denn sie ist ja eine sehr kreative. Das muss man ihr lassen.

So hat sie all das geschaffen, was wir gemeinhin Leben nennen. Und verkörpert es auch gleich selbst. Luft. Wasser. Erde. Gern auch Feuer. Alles Natur. Pflanzen hat sie sich ausgedacht. Tiere auch. Auch uns Menschen. Und bei allem hat sie sich offenbar große Mühe gegeben, um insgesamt mit einer sowohl kreativen als auch ausgeglichenen Mischung der Vielfalten aufzutreten.

Da gibt es große Pflanzen, kleine Pflanzen, fleischfressende Pflanzen, Seerosen und Kakteen.

Dann gibt es große Tiere, kleine Tiere, brütende Tiere, Säugetiere.

Und uns Menschen? Gibt es natürlich auch in groß und klein. Aber vor allem hat die Natur sich einen Spaß gegönnt und uns zu dem gemacht, worauf wir stolz sind und woran wir leiden: aufrecht gehende Traglinge.

Der Mensch ist ein Tragling.

Fünf Worte, die eine ganze Evolutionsgeschichte beschreiben. An deren Ende stehen wir heute da und tragen den Nachwuchs auf dem Arm. Wenn er einen von dort anlacht, dann ist der moderne Mann von heute dankbar. Dankbar gegenüber der Natur, der Evolution, allem, was dieses Lachen und sein bewusstes Erleben ermöglicht.

Diese Freude und Dankbarkeit dauert genau so lange, bis der Nachwuchs einschläft. Einen Augenblick später fängt der moderne Mann von heute an, sich Gedanken über die Feinheiten der Gestaltungsfreiheit von Natur und Evolution zu machen. Gedanken, die darum kreisen, dass der kleine Mann auf einem Arm sitzt während der andere Arm mehr oder weniger intensiv genutzt herumhängt. Stützen, Streicheln, Mund abtupfen – das darf er machen. Sonst besser nichts oder das schlafende Kind wacht auf. Ohne Lachen.

Früher, als auch die alten Zeiten noch besser waren, früher durfte der Herr Papa auf dem freien Arm das erlegte Mammut für das Abendessen deponieren. Frauen durften dort das Beerenkörbchen anhängen. Aber heute? Mammuts ausgestorben. Beeren gibt’s vorsortiert und abgepackt auf dem Markt.

Was es nicht mehr gibt, ist eine natürlich gegebene Beschäftigung für den freien Arm, welche für eine wohlige Balance sorgt. Was aber bleibt ohne Balance? Einseitig belastete Traglinge mit Rückenleiden. Eine ausgeglichener Harmonie scheint ganz weit weg. Der aufrechte Gang bald auch.

Ich sag‘ ja: Die Natur macht komische Sachen.

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Das Ferkelbuch

Der Nachwuchs ist schon jetzt sehr stark mit einem eigenen Willen und einer eigenen Meinung gesegnet. Dabei soll es natürlich bleiben, nicht zuletzt ist so der moderne Mann von heute zugleich der Herr Papa des Sohnes, der nicht nur heute schon das moderne Kind von morgen ist.

Aber wie dem auch sei, der moderne Mann von heute ist natürlich froh über jede Form der Unterstützung für eine möglichst umfassende humanistische Bildung des Nachwuchses. Und er ist dankbar, dass es diese Unterstützung gibt. Meistens zumindest.

Ferkelbuch bei Amazon Sehr beliebt in Bildungsfragen sind Bücher. Ein solches macht gerade die Runde und wird sehr hitzig debattiert: Das Ferkelbuch. Oder genauer: Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel. In diesem Buch – ein Büchlein eher – geht es um den Sinn, Zweck und Wert, den ein paar der großen Religionen vermitteln mögen. Oder eben nicht vermitteln mögen. Folgt man dem Buch, können sie es nicht.

In der hitzigen Debatte geht es nun darum, ob das Buch diese Meinung so vertreten darf wie es das tut: mit recht provokantem Text und dazu passenden Bildern. Die gemeine Presse ist sich uneins. Das zuständige Ministerium ist dagegen und bestrebt, das Buch dem im Zweifel zuständigen Index anzuvertrauen. Der politisch nicht ganz neutrale Verlag ist damit offenbar nicht ganz einverstanden. Als ideologisch bisher unbelastete Instanz führt Amazon das Buch derzeit auf recht exponierter Stelle der entsprechenden Verkaufsrangliste.

Der Meinungen zum Thema gibt es somit verschiedene. Das Ferkelbuch gibt eine, noch dazu recht einseitige. In der es umgebenden Debatte gibt es viele weitere. Dazu kommt die meine. Und am Ende bildet sich der kleine Mann seine. Hoffentlich eigene.