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Einmal kurz nachgedacht

Das Wochenende erlaubt Zeit für Reflexionen. Es bietet hervorragende Gelegenheiten, um ganz in Ruhe und im Kreis der Lieben die Gedanken baumeln zu lassen und das Glück zu genießen, zu dem man gekommen ist.

Gerade eben war genau ein solcher Moment. Die Bestandsaufnahme sah so aus, dass sich der Herr Papa des kleinen Mannes hinter dem Grill befand, das Bier in der einen Hand, die Grillzange in der anderen – ständig bereit, dass frisch erlegte sorgfältig ausgewählte Fleischesgut vor der totalen Verkohlung zu retten. Außer dem Grill glühte noch die südländische Sonne. Das T-Shirt hat der Mann hinter dem Grill selbiger schon geopfert. Die kurze Hose zum Glück nicht, die Badelatschen vom Sportausstatter mit den drei Streifen leider nicht. Nur eher beiläufig kam übrigens der Gedanke auf, dass die rein räumliche Ausprägung der Körpermittelwölbung (also der fette Bauch) bedeuten könnten, dass das Austragen möglicher Geschwister des kleinen Mannes durch den alten Herrn im Haus erfolgt.

Irgend etwas ist irgendwie aus dem Ruder gelaufen. Nur gut, dass der Sohn schon geschlafen hat. Tief und fest. Die Sache mit dem Respekt wäre ansonsten hinfällig. Und zwar nicht nur, weil das Fleischesgut keineswegs sanft gegart sondern schlicht solide durchgebrannt war.

Wird Zeit, mal darüber nachzudenken. So ganz in Ruhe. Nur gut also, dass nach dem Wochenende auch wieder vor dem Wochenende ist.

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gesundheit

Der kleine Diplomat

Seitdem der kleine Mann die Bühne betreten hat, ist die Familie zu einem komplexen soziologischen Gebilde heran gewachsen. Bei drei Personen haben wir mindestens ebenso viele Meinungen zu den verschiedensten Fragen des Alltags.

Ist eine Tafel Zartbitterschokolade mit Chili schon ein vollwertiges Frühstück? Steht nur Schmarrn in der Zeitung, der obendrein auch noch ganz furchtbar geschrieben ist? Ist es sinnvoller, großartigen Sonnenschutz am Kinderwagen anzubringen oder sollte man ihn manchmal schlicht umdrehen, um dem Sohn die grelle Sonne von den Augen fern zu halten?

Aus einigen Fragen hält der kleine Mann sich elegant heraus. Andere beantwortet er durch das Schaffen von Fakten, was wir als sorgsame Eltern für gewöhnlich sogar bemerken, bevor die gesamte Zeitung zerfetzt und sorgfältig in kleine Stücke mit je einem Buchstaben zerlegt wurde, welche durch geschicktes Neuarrangieren möglicherweise zu spannenderen und unterhaltsameren Geschichten führen könnten.

Und bei einigen Fragen zeigt der Nachwuchs schon jetzt ganz großes Geschick im Vermitteln zwischen augenscheinlich gegensätzlichen Meinungen. So haben wir einige Tage damit verbracht, vage zu spekulieren exakt zu analysieren, wo die ersten Zähne auftauchen werden. „Oben rechts“ war die klare Meinung der bezaubernden Frau des Hauses. „Oben links“ meine eigene – sachlich natürlich viel fundiertere – Ansicht.

Der kleine Mann sagt: unten mittig. Und zeigt das auch ganz strahlend vor lauter Freude über sein Vermittlungsgeschick.

Ich sehe einem weiteren harmonischen Familienglück entgegen.

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Masochisten im OP

Die Zeitungen von heute sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Da taucht selbst im Feuilleton auf einmal Fußball auf, da herrscht im Politikteil das ganze Jahr nur Sommerloch und Boulevard gibt’s keineswegs nur dort, wo es auch gut erkennbar drauf steht.

Wenn aber der Herr Papa in der Zeitung statt „Maschinisten im OP“ liest: „Masochisten im OP“, dann ist das wohl kaum der Zeitung anzulasten. Sorgen braucht der kleine Mann sich deswegen aber keine zu machen. Ein paar Seiten weiter vorn im Blatt stand nämlich in großen und gut erkennbaren Buchstaben: „Krieg und Lieder“ über einer Ausstellungsbeschreibung. Mit dem passenden Verleser hat’s natürlich trotzdem geklappt.

Nur gut, dass auch der moderne Mann von heute nicht jeden Tag mit Vorlesen dran ist.

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bücher lesen

Bücher verschlingen

Der kleine Mann ist ein Freund des Wortes. Des gesprochenen Wortes natürlich. Aber auch des gedruckten. Ob das nun daran liegt, dass er schon früh vorgelesen bekommen hat, darüber lässt sich jetzt nur spekulieren. Ich bin schlicht mal froh, die Chance genutzt zu haben, bevor die entsprechenden Verlage alle dicht machen.

Mein Stoff-Pop-Up Tiere bei Amazon Mitlerweile ist der Sohn nicht nur größer sondern auch anspruchsvoller geworden. Das einfache Vorlesen reicht nicht mehr. Jetzt möchte er selbst Hand und Mund mit anlegen. Also greift er zielsicher zum Buch. Und da es mit dem Lesen selbst noch nicht so recht klappt, beißt er eben herein. Bevorzugt in gehaltvolle Ware. Die Bücher, die gemeinhin für seine Altersstufe als offiziell sinnvoll erhältlich und sogar mit einer ISBN versehen sind, bestehen aus Stoff, haben farbige Seiten, bunte Bilder und eingenähte Stofftiere, welche sich gut besingen lassen. Das alles ist nicht schlecht. Aber Zeitungen oder Bücher mit Text schmecken offenbar besser.

Der kleine Mann ist halt ein Freund des Wortes.

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Gefahrenbewältigung

Das Leben des kleinen Mannes steckt voller Gefahren. Das ist schon jetzt so und im Laufe der Zeit kommen eher mehr dazu als dass alte Gefahren verschwinden.

Dabei geht es noch gar nicht mal ausschließlich um die ganz großen Dinge und Ereignisse, die so passieren. Ein kleines Gewitter reicht schon vollkommen aus. Vor allem, wenn es mitten in der Nacht kommt. Wie wir es gerade erst hatten.

Und wir hatten es richtig. Mitten in der Nacht. Mit solidem Regen. Hellen Blitzen. Lautem Donnern. Wirklich lautem Donnern. Wirklich ausreichend lautem Donner, der so nah dran klang, als klopfte er direkt an der Haustür an. Der Herr Papa des kleinen Mannes konnte bei dem Donner nicht anders, als mit einer Reaktion aufzuwarten, die gefühlt dem spontanen Herzstillstand recht nahe kam. Das hat locker fünf Jahre Lebenserwartung gekostet.

Und der Herr Sohn? Hat alles natürlich verschlafen. Was nicht nur in Anbetracht seines zarten Alters eine beachtlich souveräne Bewältigungstaktik für die großen Gefahren des Alltags ist. Da kann zumindest der Herr Papa schon eine Menge vom eigenen Nachwuchs lernen.

Wenn übrigens das nächste Mal jemand fragt, ob der kleine Mann des Hauses bereits durchschläft, dann gucke ich vielleicht deshalb so verstört drein und drücke mich vor einer Antwort, weil ich es selbst bin, der sich von jeder Störung wach halten lässt als hätte er sie noch nie zuvor erlebt.

Der kleine Mann gibt derweil den Herrn von Welt. Lässig. Locker. Welterfahren.