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moderner mann

Ein wahres Team

Der kleine Mann und sein Papa sind ein eingespieltes Team. Der Kleine lacht den Großen an. Der Große trägt den Kleinen durch die Gegend. Der Kleine krabbelt auf den Großen zu. Der Große dreht den Kleinen um, weil auch die andere Richtung spannend sein könnte. Der Kleine lässt sich vom Großen durch den Schlosspark schieben. Der Große darf die glänzenden Augen vollkommen fremder Frauen bestaunen, welche unterwegs dem Charme des Kleinen erliegen. Der Kleine lässt sich seit einiger Zeit sogar manchmal vom Großen ernähren. Der Große lässt sich dafür gern vom Kleinen vollspucken, wofür der Kleine den Großen hingegen auch wieder leidenschaftlich anstrahlt.

Ein wahres Team eben.

Aber wenn der kleine Mann des nachts wach wird, zur Beruhigung auf dem Arm des Großen sitzt; und wenn der Kleine auf die verlockende Frage der Gemahlin des Großen nach Na, Hunger? mit einem lüsternen Schmatzen antwortet, dann fühlt sich der Große als moderner Mann von heute doch ein wenig verraten. Beikost hin oder her. Die gibt’s nächtens nämlich nicht.

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spielen

Lahme Enten sind woanders

Für all jene, welche sich von ihrer Knutschente auch mal trennen können, gab’s in Karlsruhe heute ein Entenrennen. Dabei werden ein paar tausend quietschgelbe Kußmundträger recht gleichzeitig im Fluss ausgesetzt und das mehrfache Bangen geht los:

  1. Find‘ ich meine Ente wieder?
  2. Kommt sie bis ins Ziel?
  3. Möglichst als eine der ersten?
  4. Kann sie nachher noch genauso gut küssen wie vorher?

Zu viel Aufregung für den kleinen Mann. Und für den Herrn Papa sowieso. Denn wie bitte soll man bei dem Anblick dieser vielen gelben Damen, die nackt aus dem Wasser lächeln, verhindern, dass der Sohn sofort hinterher springt und spontan seine von ihm hoffnungslos überschätzten Schwimmkünste vorführt? Unmöglich. Eben.

Aber eine respektable Spielidee ist es trotzdem.

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autodidakt hardware

Die erste große Liebe. Oder: der Traum von der verwunschenen Ente

Der kleine Mann ist ein sensorisch hungriges Wesen. Was es mit den Sinnen zu erfassen gibt, das möchte er haben. Dabei ist er ein ganz besonders großer Freund haptischer Erlebnisse. Da wird der zielsichere Griff in Papas Nase mit einem fast noch größeren freudigen Lachen begleitet als der wohl platzierte Tritt in den Bauch des alten Herren beim morgendlichen Windelnwechseln.

Quietscheente mit Kußschnabel Aber zu wahrer Höchstform läuft der kleine Mann mit seiner Begeisterungsfähigkeit für orale Sensationen auf. Das fängt mit dem Verschlingen von Büchern an. Und es hört beim Knutschen mit Enten auf. Und zwar dem Knutschen mit Quietscheentchen. Als kleiner Autodidakt hat der Sohn offenbar ganz schnell gelernt, dass der Unterschied zwischen einem Buch und einer Quietscheente in der wohligen Formung der Lippen letzterer liegt.

Diese Lippen soll man küssen. – meint er und zeigt, wie es geht, sobald eine seiner kleinen gelben Damen auch nur grob in seine Nähe gelangt. Da werden die Augen groß, die Arme lang, die Ente geschnappt und es wird geliebkost, dass sich der Herr Papa Sorgen um eine Neudefinition des Begriffs jugendfrei macht.

Mal sehen, ob bei den Damen, die sich später vielleicht zum Küssen anmelden auch eine verwunschene kleine Ente dabei ist. Den kleinen Mann würd‘ es freuen. Denn Küssen können die Enten, dass es ein wahrhaft sensorisches Fest ist. Davon ist er überzeugt.

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reflexion

Einmal kurz nachgedacht

Das Wochenende erlaubt Zeit für Reflexionen. Es bietet hervorragende Gelegenheiten, um ganz in Ruhe und im Kreis der Lieben die Gedanken baumeln zu lassen und das Glück zu genießen, zu dem man gekommen ist.

Gerade eben war genau ein solcher Moment. Die Bestandsaufnahme sah so aus, dass sich der Herr Papa des kleinen Mannes hinter dem Grill befand, das Bier in der einen Hand, die Grillzange in der anderen – ständig bereit, dass frisch erlegte sorgfältig ausgewählte Fleischesgut vor der totalen Verkohlung zu retten. Außer dem Grill glühte noch die südländische Sonne. Das T-Shirt hat der Mann hinter dem Grill selbiger schon geopfert. Die kurze Hose zum Glück nicht, die Badelatschen vom Sportausstatter mit den drei Streifen leider nicht. Nur eher beiläufig kam übrigens der Gedanke auf, dass die rein räumliche Ausprägung der Körpermittelwölbung (also der fette Bauch) bedeuten könnten, dass das Austragen möglicher Geschwister des kleinen Mannes durch den alten Herrn im Haus erfolgt.

Irgend etwas ist irgendwie aus dem Ruder gelaufen. Nur gut, dass der Sohn schon geschlafen hat. Tief und fest. Die Sache mit dem Respekt wäre ansonsten hinfällig. Und zwar nicht nur, weil das Fleischesgut keineswegs sanft gegart sondern schlicht solide durchgebrannt war.

Wird Zeit, mal darüber nachzudenken. So ganz in Ruhe. Nur gut also, dass nach dem Wochenende auch wieder vor dem Wochenende ist.

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gesundheit

Der kleine Diplomat

Seitdem der kleine Mann die Bühne betreten hat, ist die Familie zu einem komplexen soziologischen Gebilde heran gewachsen. Bei drei Personen haben wir mindestens ebenso viele Meinungen zu den verschiedensten Fragen des Alltags.

Ist eine Tafel Zartbitterschokolade mit Chili schon ein vollwertiges Frühstück? Steht nur Schmarrn in der Zeitung, der obendrein auch noch ganz furchtbar geschrieben ist? Ist es sinnvoller, großartigen Sonnenschutz am Kinderwagen anzubringen oder sollte man ihn manchmal schlicht umdrehen, um dem Sohn die grelle Sonne von den Augen fern zu halten?

Aus einigen Fragen hält der kleine Mann sich elegant heraus. Andere beantwortet er durch das Schaffen von Fakten, was wir als sorgsame Eltern für gewöhnlich sogar bemerken, bevor die gesamte Zeitung zerfetzt und sorgfältig in kleine Stücke mit je einem Buchstaben zerlegt wurde, welche durch geschicktes Neuarrangieren möglicherweise zu spannenderen und unterhaltsameren Geschichten führen könnten.

Und bei einigen Fragen zeigt der Nachwuchs schon jetzt ganz großes Geschick im Vermitteln zwischen augenscheinlich gegensätzlichen Meinungen. So haben wir einige Tage damit verbracht, vage zu spekulieren exakt zu analysieren, wo die ersten Zähne auftauchen werden. „Oben rechts“ war die klare Meinung der bezaubernden Frau des Hauses. „Oben links“ meine eigene – sachlich natürlich viel fundiertere – Ansicht.

Der kleine Mann sagt: unten mittig. Und zeigt das auch ganz strahlend vor lauter Freude über sein Vermittlungsgeschick.

Ich sehe einem weiteren harmonischen Familienglück entgegen.