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Glasklares Hochdeutsch

Sprache ist gut. Korrekte Sprache ist noch viel besser. Da trifft es sich gut, dass die Ahnen der Familie aus einer Gegend kommen, die selbstverständlich die Wiege des reinen Hochdeutsch ist. Aus Ehrfurcht vor diesem Erbe bin ich als moderner Mann von heute natürlich sehr bestrebt, diese reine sprachliche Eleganz direkt an den Sohn weiter zu geben.

Er weiß das auch sehr zu schätzen. Und bringt derzeit jeden Wunsch, jedes Gefühl, jeden Imperativ, jeden dezenten Hinweis auf spannende Geschehnisse in einem einzigen, glasklaren, schnörkellosen und dialektfreien Wort auf den Punkt: Da!

Als stolzer Herr Papa bin ich fast schon sprachlos und antworte selbst in Gegenwart des Sohnes auf eine sicherlich sehr sinnige Frage der Dame des Hauses mit einem lapidaren:

Seidd wann had’n dat wat damit dsu dun?

Nur gut, dass wir beim Abendessen waren. Da entgeht dem Sohn schon mal der eine oder andere sprachliche Faux-Pas, weil er damit beschäftigt ist, sich ganz in Ruhe seinem Mahl zu widmen.

Nur gut. Ansonsten würde ich mir um das nächste Wort des Sohnes ernste Sorgen machen.

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autodidakt moderner mann

Applaus, Applaus, Applaus

Der Sohn mag Applaus. Großartiges zu tun ist schließlich nur eine Sache. Ein adäquates Maß an Anerkennung eine andere. Da er offenbar der Meinung ist, dass sein Umfeld ihn nicht ausreichend würdigt, spendet er sich gelegentlich seinen Applaus einfach selbst.

Er spielt mit seiner neuen Sortierbox? Kommt dabei auf die Idee, diese einfach umzudrehen, den großen Entnahmeschacht zu öffnen und alles einzuwerfen? Frenetischer Applaus!

Er füttert beim Essen erfolgreich den Papa mit Banane statt immer nur selbst alles eingetrichtert zu bekommen: Applaus.

Er bekommt erfolgreich die Windel gewechselt und ramponiert während dessen einen Lippenstift: tosender Applaus.

Er läuft mehr oder weniger eigenständig auf einen großen Spiegel zu, um den bezaubernden kleinen Mann darin herzlich zu umarmen und stößt sich dabei gnadenlos den eigenen Kopf: torkelnder Applaus.

Damit der Sohn jetzt nicht ernsthaft denkt, ich würde ihn ignorieren und seine grandiosen Taten nicht standesgemäß honorieren, sitze ich jetzt hier und klatsche; ich werde die ganze Nacht hindurch klatschen; ich werde am Morgen während des Zähneputzens klatschen; ich werde während des Frühstücks klatschen und ich werde auch den gesamten Tag hindurch klatschen. Es ist schließlich Sonntag, also Feiertag. Irgendwann werden die Hände wund sein vom Klatschen. Aber der moderne Mann von heute muss eben seine Opfer bringen, wenn es um den bescheidenen Respekt vor den großen Taten des kleinen Mannes geht.

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Saubere Sache

Selbst ausprobieren macht schlau, denkt sich der kleine Mann und scheut nur selten davor zurück, diverseste Sachen einmal probeweise anzugehen. Der moderne Mann von heute fördert diesen Explorationsgeist natürlich wo er nur kann und ermutigt den Sohn somit nicht nur, adäquat Laufen zu lernen, sondern auch die eine oder andere handwerkliche Fähigkeit zu erwerben. Das ist natürlich purer Eigennutz. Denn wenn schon der Herr Papa mit vielen linken Händen gesegnet ist, so kann es nur nützlich sein, wenn der andere Mann im Haus kräftig mit anpacken kann.

Waschmaschinenbefüller Da das mit dem Laufen noch nicht vollständig perfektioniert ist, bleiben Tätigkeiten wie den Müll runter zu bringen oder Getränkekisten aus dem Keller herauf zu tragen wohl bis auf weiteres noch der älteren Generation, also mir, überlassen. Aber eher stationär zu erledigende Aufgaben kann bereits problemlos der Sohn erledigen. Das Reparieren der Waschmaschine zum Beispiel.

Wenn sie denn kaputt wäre. Was sie nicht ist.

Aber der Sohn ist niemand, der schnell aufgibt. Denn eine Waschmaschine, die noch gestern vollkommen intakt war, könnte doch heute bereits gravierende Macken aufweisen. Da hilft nur ein regelmäßiger Funktionstest. Sicher ist sicher, sagt der Sohn. Und er muss es wissen.

Dumm nur, dass er den kausalen Zusammenhang zwischen schmutziger Wäsche, der Waschmaschine und sauberer Wäsche noch nicht sehr verinnerlicht hat. Die Wäsche wäscht er nämlich nicht. Stattdessen wirft er all das in die Maschine, was er in ihrem Umkreis zu greifen bekommt: Bauklötze, Deoroller, den Rasierapparat, (saubere) Windeln, Hausschuhe, Quietscheenten. Nicht alles davon holt er zum Feierabend auch wieder aus der Maschine heraus. Da kann es schon mal passieren, dass Überbleibsel bei der nächsten Wäsche mitgereinigt werden. Normalerweise schadet das wenig.

Aber einen noch gut gefüllten Deoroller mitzuwaschen, das kann ich nicht empfehlen.

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Märchenprobe

Das Leben mit einem kleinen Mann im Haus stellt einen manchmal vor ganz besondere Herausforderungen.

So schleicht er sich nachts zum Beispiel gern ins Bett der Eltern, wenn es ihm in seinem eigenen offenbar zu langweilig wird. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Schließlich wärmt er schön und so ein grundsolide gleichmäßiges Schnarchen Atmen lullt den Herrn Papa gut in den Schlaf und durch die Nacht.

Schwierig ist nur, das er meist nicht allein kommt. Sondern er hat für gewöhnlich ein ganzes Arsenal von nächtlicher Entspannungsmonition dabei. Wenn der Sohn erst mal schläft, hält er sich allerdings für locker genug, um die diversen Gadgets nicht mehr zu brauchen. Also verteilt er sie gleichmäßig um sich herum und schlummert davon.

Am Morgen wache ich auf und stelle fest, die ganze Nacht auf einem Nuckel geschlafen zu haben, mit einer Spieluhr im Kreuz und einer Wärmflasche im Gesicht.

Wie die Prinzessin auf der Erbse fühle ich mich trotzdem noch nicht. Aber wenn es demnächst dazu kommt, das Märchen zu erzählen, fühle ich mich gut gerüstet.

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moderner mann

Der kleine Unterschied

Wenn der Sohn beim ins Bett bringen auf dem Arm des Herrn Papa tief einschläft;

Wenn der Sohn dabei schön süße Träume zu träumen scheint;

Wen der Sohn im Traum die Hände unter das Hemd vom Herrn Papa steckt, um an der Brust zu grabschen;

Wenn der Sohn dann plötzlich wach wird, enttäuscht guckt und seufzend wieder weiter schläft;

Dann hat der Sohn den kleinen Unterschied zwischen den beiden Eltern offenbar klar erkannt.

Doch auch als moderner Mann von heute plane ich vorerst trotzdem nicht, mir reizendere Sachen für das tägliche Einschlafritual anzuziehen.