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Wort zum Sonntag: Wokeness

Am Anfang hieß unser neuer Spielplatz, auf dem wir uns alle in den Armen lagen noch Social Media. Wir übten uns in bis zu 140 Zeichen langen Tweets der Kunst der Aphorismen, wir reduzierten Elaborate auf ihre Kernaussagen herunter und hatten trotzdem noch Platz für Emojis, wir spielten auf kulturhistorische Erlebnisse an und kritisierten dabei Neuerscheinungen im Plattenregal, ohne diese auch nur beim Namen nennen zu müssen.

Und dann kam die Moral.

Seitdem sind wir woke und spielen das hier:

Die geballte anonyme Mehrheit, angeführt von Influencern und der Twitterati-Klasse, hat das erste und letzte Wort und verschiebt laufend den Rahmen dessen, was in ihre binäre Weltsicht passt. […] In diesem verhärteten Umfeld, das keine Zwischentöne und keine Ironie kennt, regiert die Willkür.

(Simon M. Ingold in der NZZ)

Wie wundervoll elegant auf den Punkt gebracht.

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Wort zum Sonntag: Minecraft

Na, das geht ja gut los. Direkt nach dem Auftakt kommen wir hier mit einem Wort um die Ecke, das nun wahrlich keiner Erklärung bedarf: Minecraft.

Aber natürlich geht’s nicht darum, dass es sich hier um ein Computerspiel handelt. Es geht eher darum, was das Spiel macht, was es ermöglicht und warum es für die Prä-Teenager unter unseren Kindern so faszinierend ist.

Die New York Times hat dazu ein paar charmante Worte. Und sie fasst auf der einen Seite wunderbar zusammen, was das Spiel mit alten Traditionen des Bauens zu tun hat, warum es gerade für uns Europäer so spannend ist und wirft auch die These auf, dass hier die nächste Generation der digital Vordenkenden trainiert wird. Das, was die guten alten Rechner von Commodore mit ihrer Basic-Programmierung für unsere Generation waren, das könnte Minecraft für die Kinder von heute sein. Und ich muss zugeben: Der (visuelle) Charme und der Reiz dessen, was da früher entstand und was heute geschaffen wird, sind tatsächlich vergleichbar.

Auf der anderen Seite lesen wir jedoch auch, dass Möglichkeiten des Zerstörens und Zurückbauens mit dabei sind. Es wird allerdings nicht herumgeballert. Es geht nicht darum, andere möglichst clever zu vernichten. Es geht darum, sie einzuladen, die selbst geschaffenen Welten zu entdecken, auszukundschaften und die meist erstaunlich kreativen Konstruktionen auf sich wirken zu lassen. Einerseits. Und es geht darum, beim Kollaborieren die Kurve zu kriegen, als jungmännliche Spieler beispielsweise mitspielende Jungdamen elegant willkommen zu heißen und einzubeziehen anstatt primitiv herumzustänkern, wie es eben auch passiert. Das reale Leben lässt grüßen.

Tja, hat dieses Spiel am Ende des Tages einen produktiven Nutzenund eine ordentlich praktische Relevanz? Auf den ersten Blick natürlich nicht. Auf den zweiten aber eben doch. Der fällt uns erziehungsberechtigten alten Säcken nur manchmal halt nicht leicht.

Das sollten wir jedoch nicht dem Spiel anlasten. Schon gar nicht an einem Sonntag.

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Wort zum Sonntag: Ambiguität

Die hier allseits beliebte (lies: mehr oder weniger ignorierte) Rubrik der Sonntagslinks wandeln wir jetzt ein wenig um. Denn mal ganz ehrlich: So viel lese ich gar nicht, dass ich hier dauerhaft mehrere Links pro Woche kommentieren könnte. Dafür bin ich viel zu langsam. Man kommt ja bekanntermaßen zu nichts. Das Gefühl kennen wir sicher alle.

Stattdessen gibt es nur einen Link. Zu einem Wort, Begriff oder Thema. Und das auch nur, wenn mir in der jeweiligen Woche gerade danach ist. Denn diese ganzen Wörter, die muss man ja auch erst mal verarbeiten können.

Den Anfang macht: Ambiguitiät.

Der Deutschlandfunk hat dazu einen feinen Beitrag, in dem er uns einen entspannten Umgang mit all den komplexen Themen des Alltags nahelegt. Und das klappt zum Beispiel durch das Zulassen von Ambiguität (lies: Mehrdeutigkeit) beim Haben einer Meinung.

Etwas vereinfacht heißt das zum Beispiel: Nicht immer nur entweder-oder, sondern mehr sowohl-als-auch.

Smartphones und Tablets in der Schule? Ja und nein.

Fleisch essen oder darauf verzichten? Es kommt drauf an.

Flüchtenden in ihrer Heimat helfen oder hier bei uns? Sowohl als auch.

Jazz oder Klassik? Warum nicht auch mal was Elektronisches probieren.

Die Möglichkeiten wachsen förmlich ins Unendliche. Toll ist das. Ambiguität FÜR DEN GEWINN!