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Ostsee? Aber immer.

Wer kennt sie nicht, diese Phrasen im Büro, kurz vor irgendwelchen Feiertagen.

Einer fragt zum Beispiel garantiert: »Und, fahrt Ihr irgendwo hin?«

Man antwortet natürlich souverän: »Klar, an die Ostsee.«

Je nach aktueller Saison ist auch der weitere Gesprächsverlauf vorhersehbar. Zu Ostern ist meist irgendwas dabei mit »Ach, das geht?« oder »Baden kann man da doch aber gar nicht?!« und »Da seid Ihr aber komplett allein, was?«

Tja, was soll ich sagen, außer: ja, nein und: leider nicht so ganz.

Dabei ist es wirklich idyllisch »dort oben«.

Ostsee

Wobei eben tatsächlich eher wenige baden, die Rettungsschwimmer entspannen somit ebenfalls noch.

Ostsee DLRG

Auch die restliche Sommerausstattung ist noch auf Reserve geparkt.

Strandkörbe an der Ostsee

Aber die Strände sind lang, Spaziergänge somit durchaus auch mal länger.

Ostsee-Strand

Und wenn es gar zu anstrengend wird, macht man halt eine Pause.

Pause an der Ostsee

Irgendwann muss man schließlich auch seine Strandschätze begutachten. Nicht immer sind es Bernsteine – dafür passt die Jahreszeit tatsächlich nicht, die gibt es eher im Spätherbst – aber interessant ist es trotzdem.

Deckel an der Ostsee

Und wenn gar nichts anderes geht, dann macht man eben eine Hafenrundfahrt. Das Schiff dafür wird schon kommen. Immer mit der Ruhe.

Schiff kommt

Man sollte sich bei all dem Stress nur nicht davon stören lassen, dass andere arbeiten müssen. Interessant anzusehen ist immerhin auch das.

Ostsee-Taucher

Zu Ostern an die Ostsee? Gerne wieder. Ich werde es auch im Büro ausrichten.

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Wer braucht schon Schnee zum Skifahren?

»Etwa neun Jahre.«

»Zwanzig Jahre bestimmt schon.«

»Locker dreißig Jahre.«

Diese Zahlenspielereien, die man mit fortschreitendem Alter so erlebt, werden auch immer surrealer. Im hier vorliegenden Fall geht es darum, wie lange es her ist, dass man zum letzten Mal auf Skiern gestanden hat. Denn wir haben die Gunst der Stunde genutzt und den Charme der Südstaaten gelebt. Nach nur wenig Fahrzeit kommt man von hier aus bis hoch auf die Berge des Schwarzwaldes. Das ist allgemein recht unspektakulär. Aber manchmal passt es dann doch. und auch, wenn man es hier unten gar nicht glauben mag, liegt oben tatsächlich Schnee.

Dabei ist die Sache mit dem liegenden Schnee natürlich immer auch eine Frage, deren Antwort im Auge des Betrachters liegt. Der Skikursanbieter lobt die eher spärliche weiße Pracht zum Beispiel in den höchsten Tönen. Heute kommt uns bestimmt kein Schönwettertourist in die Quere. Wie großartig das denn wohl sei.

Das ist es tatsächlich. Wir sind unter uns. Dabei haben die Kinder ihren Hang ganz für sich allein. Und für uns Große setzt sich sogar ein Lift in Gang. Es ist faszinierend. Nach wirklich nur knappen neun Jahren dauert es gerade mal die ersten beiden Stunden, bis der Schwung wieder stimmt, bis die Strecke unter den Füßen nur so dahingleitet. Technisch sind wir dabei vollkommen sauber, versteht sich. Hier wird nicht einfach blind gerade den Abhang hinunter gerast. Wir spielen schließlich Such den Schnee! Immer mal wieder gibt es grüne Inseln auf der Strecke. Der Slalom ist fest einprogrammiert. Es ist ein großer Spaß. Für die ganze Familie.

Jetzt sind hier im Haus alle K.O. Vollkommen breit. Es geht nichts mehr. Morgen geht’s dann lieber wieder auf die Laufstrecke. Bekannte Sachen machen. Vertraute Übungen abspulen. Die lange Runde der Woche steht schließlich an.

Falls ich mich überhaupt noch bewegen kann.

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Bloß nicht anschwärzen lassen

Lernen im Alltag – was könnte es schöneres geben? Damit meine ich jetzt nicht das explizite Studieren in einem geordneten Kurs, wobei auch das nicht verkehrt ist. Nein, ich meine vielmehr das Lernen durch die bewusste Wahrnehmung der eigenen Umgebung. Denn wenn man nur aufmerksam genug durch die Gegend mäandert, stößt man auf so dermaßen viele anregende Inspirationen, dass einem ganz schwindelig werden kann. Es ist total verrückt. Und es klappt sogar bei den langweiligsten Alltagsbeschäftigungen. Dem Zuckeln über die Autobahnen hier in den Südstaaten zum Beispiel. Da sieht man Sachen, man kann sie kaum glauben.

So hängen an den Autobahnbrücken zum Beispiel nicht nur die diversen Spielarten von Blitzern herum, sondern auch große Plakate mit Belehrungstexten zum ordnungsgemäßen Fahrverhalten. Das ist per se gar keine schlechte Idee. Man hat beim Fahren schließlich eh nicht so viel zu tun, da kann man ruhig sein verkehrsrechtliches Allgemeinwissen ein wenig auffrischen. Sinnvollerweise sind die Texte jeweils prägnant auf den Punkt gebracht und stammen außerdem von diversen A-, B-, C- oder D-Klasse Promis. So lernt man beispielsweise von der lokalen Boxerin Regina Halmich:

„Ich fahre defensiv – damit komme ich über die volle Distanz.“

Das ist griffig. Das ist verständlich. Das kann man sogar den Kindern erklären. Da lässt sich obendrein noch eine Lektion über Metaphern einstreuen, über sprachliches Geschick, über den eigentlichen Sinn, über vornehme Zurückhaltung, die greift und sinnvoll ist, obwohl man eigentlich viel dicker auftragen könnte. Genau das eben nicht zu tun, ist die Kunst. Das ist Eleganz. Das hat Klasse. Und es ist alles reduziert auf ein Plakat an einer Autobahnbrücke.

Großartig.

Stünde an der nächsten nicht das hier:

„Wir fahren regelkonform, damit uns keiner anschwärzen kann.“

– Eure Mütter

Da wird es mit den sinnvollen Erklärungen schon schwieriger. Mit gutem Willen könnte ich jetzt den Passagieren auf der Rückbank etwas davon erzählen, dass Eure Mütter ein Komiker-Trio formen, man den Spruch also sicher rhetorisch gedreht verstehen sollte, dann würde es ganz komisch werden. Oder so.

Tatsächlich macht mir dieser Spruch jedoch viel eher klar, dass hier im Haus sämtliche Erziehungsmaßnahmen ins Leere gegriffen haben und alle Bestrebungen zur sinnvollen Entwicklung der Kinder schief gelaufen sind, wenn diese jemals einen Spruch wie den obigen abgeben. Denn entweder haben sie es dann selbst zum engstirnigen Fremdmeinungsbestimmer geschafft oder sie sind schlicht zu servilen Hörigen geworden, denen jedwede Fähigkeit zum Selbstdenken abhanden gekommen ist. Gerade prickelnd sind beide Vorstellungen nicht.

Aber immerhin habe ich durch den Spruch etwas gelernt. Für mich. So ganz nebenbei. Das ist ja auch viel wert. Rede ich mir jetzt ein.

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Exklusive Privat-Bahn

Es gibt Tage, an denen ist man einfach passend vorbereitet und kann vorbeikommende Gelegenheiten adäquat nutzen. Vielleicht hat man keine Kamera dabei, um das entsprechende Ereignis für die Nachwelt festzuhalten. Vielleicht hat auch gerade niemand ein Smartphone in der Tasche. Es gibt Tage, es gibt Momente, es gibt Gelegenheiten, bei denen kommt so etwas tatsächlich vor. Irre, ich weiß.

Vielleicht passiert das, was man da erlebt, aber trotzdem. Zum Beispiel, weil wie zufällig Leute vorbei kommen und einen dabei beobachten. Denn man stelle sich mal vor, dem wäre nicht so. Es ist wie mit dem Baum, der im Wald umfällt: Macht er das wirklich, selbst, wenn ihn niemand dabei beobachtet? Wer weiß. Genau.

Hier kommen aber Leute vorbei. Spaziergänger ziehen nicht einfach ignorant vorüber, wie sie es sonst tun. Sie halten an, gucken zu, nicken kurz anerkennend. Einige beglückwünschen uns zur Gelegenheit und Idee. Andere ziehen nur stumm den Hut und wandern weiter.

Und wenn das so passiert, dann sind wir nicht einfach nur am Strand. Sondern dann ist dieser auch zugefroren. Dann ist das Wasser, welches angewellt kommt, spiegelglatt und man kann Schlittschuhe darauf laufen. Als wahre Gelegenheitsprofis haben wir rein zufällig sogar die Ausrüstung dabei. Vorbereitung ist alles, selbst wenn sie sich nur rein zufällig ergibt.

Keine Kamera. Keine Bilder. Aber Spaß hat’s gemacht. Alle glücklich. Was will man mehr?

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Aufs Eis gegangen

Wenn jemand erstmal Kinder hat, so kann er was erleben.

– alte Weisheit

So ging doch der Spruch, oder? Nun, selbst wenn nicht, dann ist dieser Versuch sicher nah dran. Denn machen wir uns mal nichts vor: Es stimmt ganz sicher, was da oben steht. Manchmal sogar viel mehr, als man das meist zugeben möchte.

So würde ich in meinem Leben zum Beispiel niemals Schlittschuh-Laufen. Was soll dieser Unfug auch? Ich habe wundervoll breite Füße, bin sehr froh über diese und stehe auch recht sicher auf ihnen. Sich bei dieser Ausgangslage auf schmale Kuven zu stellen und der Gefahr des peinlichen Umkippens hinzugeben: Es spricht nichts dafür. Gar nichts, überhaupt nichts, nada, niente. Außer den Kindern, versteht sich. Sie finden Schlittschuhe und das ganze Drumherum total super. Sie warten schon seit Wochen sehnsüchtig darauf, dass die lokale Eiszeit hier vor dem Südstaaten-Schloss eröffnet und wir dort gemeinsam adäquat abhängen können.

Das lief bisher immer so ab, dass die Familie auf dem Eis unterwegs war und ich lässig daneben stand und sinnfrei mittelmäßigen Glühwein in mich hineingeschüttet habe. Gegen mittelmäßigen Glühwein gibt es natürlich wenig zu sagen. Aber auf Dauer ist das trotzdem kein haltbarer Zustand. Soviel vertrage ich von dem Zeug nämlich gar nicht.

Also habe ich mich jetzt doch überzeugen und von der Tochter mit auf’s Eis ziehen lassen. Tja, was soll ich sagen? Hut ab vor allen, die sich einem solchen Schicksal nicht nur freiwillig, sondern auch noch mit einer scheinbar selbstverständlichen Eleganz hingeben. Es ist erstaunlich, wie verbreitet das schauspielerische Talent in unserer Gesellschaft doch ist. Denn mit natürlich nachvollziehbaren Bewegungsabläufen hat diese Zeremonie selbstverständlich gar nichts zu tun. Man steht tatsächlich auf wackelig dünnen Kuven auf glattem Eis, ganz ohne Halt unter den Füßen. Es ist immerhin eine erwartungsgemäße Angelegenheit. Das beruhigt mich doch sehr, vor allem in diesen Momenten der Kontemplation, in denen ich auf dem Eis stehe, in vollkommener Eleganz, wenn auch leider komplett bewegungsfrei. Ohne Halt kein Antrieb. Ich wackele mit den Füßen und es passiert: nichts, von einer latenten Destabilisierung meiner bisher noch aufrechten Haltung einmal abgesehen. Also warte ich auf Wind, denn Wind verleiht Antrieb. Weht Wind, bewege ich mich. Nicht zwingend vorwärts, aber nach etwas Übung habe ich das mit dem Umdrehen schon fast raus. Das passt also.

Irgendwann hänge ich trotzdem über der Reeling. Und komme nicht wieder von ihr weg. Denn der Wind dreht nicht so, wie es in diesem Moment eigentlich angemessen wäre. Ich stoße mich dezent mit einer Hand ab, um selbständige Bewegung vorzutäuschen. Es klappt nur bedingt, aber ich gucke immerhin ganz zuversichtlich. Immer schön die Contenance wahren, sage ich mir und mache gute Mine zum bösen Spiel. Was sollen schließlich die Kinder denken? Sie möchten ja nicht den Respekt vor mir verlieren. Der Sohn gleitet auch prompt elegant heran und fragt ganz freudig, ob ich auch gerade hingefallen sei, ich würde so betroffen gucken.

Es ist eine interessante Erfahrung. Und ich habe gehört, dass der Glühwein in diesem Jahr viel besser als sonst sein soll. Das werde ich mal verifizieren.