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Die Waffe des großen Bruders

Für alle, die als Einzelkind groß geworden sind oder die mit nur einem Kind im Haushalt leben, verrate ich gern: als Geschwister entwickeln Kinder vollkommen neue und ungeahnte Fähigkeiten. Man kennt das vor allem von den jeweils Jüngeren. Sie haben schließlich ein Positionierungsproblem. Das ältere Kind ist schon seit längerem da. Es hat einen gewissen zeitlichen Vorsprung, wenn es darum geht, Reviere zu besetzen und das Standardverhalten zu bestimmen. Als Zweitgeborenes hat man es da schwerer. Einfach alles nachmachen bringt gar nichts. Man muss seine eigenen Nischen finden, besetzen und ausfüllen. Die Eltern wundern sich dann gern: Während das erste Kind so schön ruhig war, ist das zweite grundsätzlich total aufgedreht. Eins verhält sich eher konservativ regelkonform? Dann mimt das andere den Punk. Musische Kreativität auf der einen Seite? Sportliche Eleganz auf der anderen.

Wenn man das erstmal erkennt und akzeptiert, bringt es Abwechslung ins Haus. Wenn man entspannt genug auf die Dinge schaut, bringt es auch fortwährend neue Aspekte in das Leben als Familie. Wer meint, sich nach dem ersten Kind auszukennen und zu wissen, wie der Hase läuft, täuscht sich gewaltig. Ein Hoch somit auf das zweite Kind! Routine ist für Anfänger. Nur die Abwechslung hält uns jung und frisch.

Interessant wird es jedoch, wenn nicht das jüngere Kind die neuen Moden ins Haus bringt, sondern auf einmal das Ältere anfängt, neue Betätigungsfelder aufzutun. Hier im Haus ist es beispielsweise so, dass der ältere Bruder eher der ruhigere Typ ist, die jüngere Schwester hingegen eine etwas lebendigere Natur zur Schau stellt. Nachdem der Sohn somit ein paar Jahre seine Ruhe hatte und vollkommen ausgeglichen seinen ruhigen Trott ausleben konnte, klappt das jetzt nicht mehr. Auf einmal poltert die junge Dame dazwischen und macht Krach. Das geht so natürlich nicht. Hier ist sein Revier. Das gilt es zu verteidigen.

Man könnte meinen: jetzt wird’s wild. Jetzt wird aufgerüstet und aus einem vormals friedfertigen Kuschelbären wird eine rasende Wildsau. Aber das wäre zu einfach. Das wäre berechenbar. Und für den Sohn würde es heißen, im Geschwisterkampf die Wahl der Waffen der kleinen Lady zu überlassen. Schön dumm, denkt er sich. Da mache ich nicht mit, sagt er sich. Und greift zu ganz hinterhältigen Tricks, denen seine Gegenspielerin garantiert nicht gewachsen ist: Küssen!

Küssen konnte er schon immer gut. Und Küssen kann seine Schwester nicht ausstehen. Geht’s um ein Küsschen hier oder ein Küsschen dort, ist der Sohn immer zur Stelle, die Tochter nimmt Reißaus. Wenn sie etwas macht, was ihm nicht passt, kommt er erstmal an und gibt ihr einen Kuß. Wer das für eine gewaltfreie Strategie zur Konfliktlösung hält, hat noch nie erlebt, wie laut die Tochter bei solchen Gelegenheiten NEIN! schreien und wie schnell sie davon laufen kann.

Passenderweise waren wir vor kurzem mal wieder für ein paar Tage an der See. Zum Boote gucken. Das hat sich hier im Haus schon als Ritual etabliert: regelmäßig ab an die Küste. Regelmäßig auf’s Wasser starren und die vorbeiziehenden Boote zählen. Der Sohn lässt dabei gern sein geballtes Boots-Know-how heraus hängen und klärt alle anderen darüber auf, was genau die einzelnen Boote jeweils auszeichnet. Größe, Form, Farbe, Geschwindigkeit, Verwendungszweck: da gibt es viel zu wissen, da gibt es viel zu erzählen. Und da gibt es klare Favoriten: die Küsschenwache natürlich. Der Sohn erkennt sie schnell und sicher. Schon aus weiter Ferne ist im klar, was da gerade heranschwimmt. Und während er bei jedem dieser Boote losläuft, um alle Familienmitglieder zum Verteilen von Küsschen aufzutreiben, läuft die Tochter ebenfalls: vor dem Bruder davon.

Aus vollkommen neutraler Perspektive betrachtet finde ich, dass sich die Tochter ruhig mal den großen Bruder als Vorbild nehmen könnte. Den Küssenden die Welt! Also wirklich.

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Die Lieblingsbücher des Sohnes

Es sprach der Sohn: Papa, ich habe jetzt meine Lieblingsbücher raus gesucht. Aber es sind gar keine fünf. Es sind acht Bücher!

Wir stellen somit fest: Zählen kann er. Da ist es kein Wunder, dass seine Liste mit dem ersten Buch ganz oben anfängt. Aber der Reihe nach. Hier sind die Bücher:

Die Lieblingsbücher des Sohnes

Auf die Frage, warum genau das hier seine Lieblingsbücher sind und was an ihnen so toll ist, guckt er mich nur fragend an, schüttelt mit dem Kopf und sagt: Na, weil das meine Lieblingsbücher sind. Die Bilder sind so schön. Und der Text ist auch schön. Da hilft auch kein Nachhaken oder Fragen bei einzelnen der Bücher. Die Antwort lautet: Für dieses Buch kann ich Dir das Gleiche sagen, was ich gerade gesagt habe. Papa, Du musst nur zuhören.

Damit ist wohl alles klar. Werfen wir trotzdem einen Blick auf die Sammlung:

Mein allererstes Buch der Zahlen: Das findet bekanntermaßen auch die Tochter toll. Immerhin liest der Sohn es anders. Er blättert nicht einfach nur Seiten getrennt nach oberem und unterem Teil durch. Er sieht auch zu, dass er dabei die Zahl (oben) mit der passenden Anzahl von Obststücken (unten) adäquat zusammen bringt.

Ich habe einen Freund, der ist Pilot: Ein Pixi-Buch. Davon haben die Kinder natürlich einen ganzen Koffer voll. Und es sind wirklich nie alle davon gleichzeitig interessant. Es gibt immer eine Auswahl der ganz Besonderen. Derzeit sogar einen Favoriten. Pilot also.

Die schönsten Geschichten zum Vorlesen: Es ist tatsächlich ein Vorlesebuch. Viel Text, überschaubare Ausstattung mit Bildern. Und es sind schöne Sachen dabei. Und es sind eher durchwachsene Sachen dabei. Große Namen garantieren dabei übrigens gar nichts. Aber ein Staubmonster, welches über Nacht die Kellerregale blitzblank futtert: Davon träumen wir doch alle, oder? Der Sohn hat kürzlich vorgeschlagen, dass wir das Buch jetzt einmal von vorn nach hinten linear durchlesen. Abend für Abend. Nur gut, dass es ein Lesebändchen von Haus aus mitbringt. Denn die selbstgebastelten Lesezeichen des Sohnes sind gern mal größer als die Bücher selbst. Wer da noch weiß, bei welcher Seite er tatsächlich aufgehört hat, verdient meinen Respekt.

Schlaf gut, kleiner Stups!: Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung, wann wir das zum letzten Mal gelesen haben. Immerhin heißt ein Plüschhase des Sohnes Stups. Den mag er wirklich sehr. Vielleicht erklärt das ja die Auswahl.

Mein erstes großes Buch vom kleinen Raben Socke: Das gab’s zum IndieBookDay. Dem Sohn ist das Konzept von Indie vs. Mainstream noch angenehm egal. Da wollen wir also mal nicht so sein. Das passt schon. Außerdem: Die Moral in den Geschichten ist wirklich meist charmant. Und das, obwohl sie manchmal mit dem Holzhammer daher kommt.

Ritter Rost: Musical für Kinder: Wenn der Sohn auf einmal um die Ecke kommt und auf alle möglichen Kommentare nur mit einem Papperlapapp! antwortet, gibt’s dafür meist eine ganz einfache Erklärung. Und wenn man es nicht einfach damit abtun möchte, dass er wohl mal wieder irgendeine Phase hat, dann wirft man am besten einen Blick darauf, was ganz oben auf dem Bücherwagen liegt: dieses Ritterbuch. Und so schön, wie Ritter Rost darin Papperlapapp! sagt, so schön kann der Sohn es auch. Was nicht immer einfach ist.

Die Häschenschule: Ein wundervoll gezeichnetes Buch. Allerdings auch ein Buch der alten Schule. Hier werden die ollen Rollenbilder noch ehrlich gelebt. Ob es dabei nun um Lehrer als Autoritätsperson geht oder darum, was sich für starke Jungs beziehungsweise schwache Mädchen ziemt: Zimperlich sind die Worte hier nicht. Da hilft manchmal durchaus etwas Kreativität beim Vorlesen.

Alle fahren mit: Was für eine skurrile Geschichte. In diesem Buch haben die Seiten kleine Löcher. Diese helfen dabei, die Charaktere von der einen Seite auf der nächsten wieder durchscheinen zu lassen. Da raubt das Schwein auf der einen Seite noch die Bank aus und sitzt auf der nächsten schon im Polizeiauto. Da stürzt der Tiger mit dem Skateboard und landet später im Rettungswagen. Da warten andere Tiere auf den Bus und sitzen auf einmal in selbigem Drin. Obendrauf gibt’s ein paar schöne Reime. Das macht mehr Spaß, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Ein Resümee?

Danke an Percana, welche diese kleine Serie eröffnet hat. Und ich stelle fest, dass ich gar nicht so genau weiß, wie das alles zusammenpasst: Man hört und liest heutzutage wirklich ständig etwas davon, dass kaum noch jemand ein Buch anrührt. Gleichzeitig kann man in vielen Kinderzimmern kaum noch treten, weil wirklich jeder Quadratzentimeter des Fußbodens mit Büchern vollgekramt ist. Das gilt übrigens auch in Haushalten mit iPad in der Gadgetkiste. Da läuft also irgendetwas anderes schief. Vielleicht ja später, wenn die Kinder in der Schule sind? Ich bin schon mal gespannt.

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Sohn 2.0

Geburtstagstorte

Wenn der Sohn morgens wach wird, die Eltern nicht lange herum grummeln sondern gleich freudig mit aufstehen, wenn der Frühstückstisch schon vor dem Eindecken voll mit bunt verpackten Sachen ist, wenn man trotzdem erst Zähne putzen soll, bevor man diese aufreißen darf, wenn es offenbar den Kuchen schon zum Frühstück gibt, wenn der Familienrat spontan beschließt, dass man heute gar nicht auf Arbeit, also in die Kita, geht, dann regt sich ein Verdacht.

Wenn wenig später noch jemand einen neuen Staubsauger vorbei bringt, nachdem zufällig der alte am Wochenende schlapp gemacht hat, wenn also der kleine Mann mit lautem Getöse durch die Wohnung fegen kann, dann steht es fest: Das Paradies ist da und der Sohn hat Geburtstag.

Gerne wieder. Hauptsache, es muss beim nächsten Mal kein Kärcher sein.

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Kuzure-Yoko-Shiho-Gatame. Oder: Vom Ernst des Lebens.

Der kleine Mann wird mal ganz groß. Und auf dem Weg dahin bereitet er sich auf das Spektakel des bestimmt sehr ernsthaften Lebens vor.

Und trainiert.

Und zwar so, wie sich das gehört. Und zu den Zeiten, zu denen sich das gehört. Und somit gleich früh morgens. Und das Programm dazu sieht in etwa so aus:

  • Eröffnung des Spiels mit dem Gegner durch eine klare Ansage, welche in Fachkreisen gern Kiai genannt wird.
  • Ausnutzen der noch vorhandenen Rest-Lethargie aller weiteren am Geschehen beteiligten Personen für eine lockere Aufwärmrunde mit einigen geschätzten hundert Situps.
  • Kurzer Reaktionstest beim Gegenüber durch gezielte Boxstöße, platziert auf den seitlichen Bauchmuskeln.
  • Im Falle des Aufweck-Erfolgs: Einschüchtern des Mitstreiters im Bett sowohl durch weitere onomatopoetische Feinsinnigkeiten als auch Erhöhung der Boxfrequenz.
  • Spielpartner vollends aufgewacht? Gut. Das ist die Gelegenheit für den kleinen Mann, eine kleine Entspannungsrunde auf Papas Arm einzulegen und sich zum Wickeln tragen zu lassen.
  • Entspannte Lage auf dem Wickeltisch mit davor stehendem Wickeln benutzen, um zum vollbrachten Box-Armtraining auch die Beine in Schwung zu halten. Für das Training der Zielsicherheit bei der Tret-Choreographie hilft es dabei enorm, einen leicht nachgebenden Bauch in Fußreichweite vorzufinden.

Die Basis für einen erfolgreichen Tag ist damit gelegt. Und wie solide diese ist, zeigt sich an der Einzigartigkeit der Aktivitäten über den Tag.

Klappt es beispielsweise nach mehreren Tagen eisernen Probierens, Scheiterns, sich-gut-zureden-Lassens, Technik-Ausbauens, weiteren Übens und schrittweisen Verbesserns schließlich mit der ersten eigenen Rolle über die heimische Spielwiese, so hat sich das Frühsporttraining für den Tag auf jeden Fall gelohnt.

Mich an die eigenen alten frühen Tage erinnernd, muss ich sagen, dass das Ergebnis durchaus eine saubere Bodentechnik ergibt. Und zwar sowohl haltend als auch befreiend.

Da kann das Leben mit seinem angeblichen Ernst ruhig kommen. Der kleine Mann ist bestens vorbereitet und sieht dem jetzt recht gelassen entgegen.

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Motivation für die Musikschule

Falls der Nachwuchs einmal auf die Idee kommt, andere flotte Nachwüchsler(innen) kennenlernen zu wollen und dafür zur Musikschule zu gehen, sollte ich wirklich zusehen, ihm das nicht auszureden. Denn es könnte letztlich etwas in dieser Art heraus kommen:


(Video bei YouTube, gefunden via Radio-G)

Bei dem Geschick klappt’s dann auch ganz bestimmt mit dem jeweils anderen charmanten Gegenüber.