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Untertage-Marathon. Oder: Mit dem Laufen geht’s bergab.

Sondershausen Bahnhof

Es hält ein Zug in Sondershausen. Warum hier nicht ruhig mal aussteigen? Es ist schließlich ein idyllisches Kleinstädtchen, mitten in Thüringen, hat ein Schloss und vor allem auch: ein Bergwerk.

Sondershausen Schachtturm

Warum das so interessant ist? In genau diesem Bergwerk findet ein Untertage-Marathon statt. Oder besser gesagt: fand statt. Denn gerade jetzt am Wochenende gab es den Spaß zum letzten Mal.

Mancher mag beim Wort Marathon nur müde gähnen und diesen Tweetklassiker aus dem Hut ziehen:

Aber das bedeutet natürlich nur, dass wir hier ein klein wenig aneinander vorbei reden. Denn zum einen hat ein Herr Thorsten Firlus das Statement als lustig aber dennoch falsch kommentiert. Was durchaus passt. Und zum anderen ist der Spaß in Sondershausen ein ganz besonderer. So geht es hinter der folgenden Tür für 700 Meter bergab, was übrigens sogar den Smartphone-Empfang lahm legt. Man macht wirklich etwas mit.

Sondershausen Fahrstuhltür

Und dort unten geht es dann für 12 Runden immer schön den gleichen Parcours entlang. Allerdings ist dieser nicht ganz eben, sondern sieht im Profil in etwa so aus:

Sondershausen Streckenprofil
(Quelle: www.vehre.com)

Man kann es auch mit diesen drei Punkten zusammenfassen:

  • 1.020 Höhenmeter
  • stellenweise 30 Grad Celisius Lufttemperatur
  • anständig trockene Luft, wir reden schließlich von einem Salzbergwerk.

Oder anders: Es ist anstrengend. Und zwar deutlich anstrengender als der gewöhnliche Flachlandmarathon oben im Freien. Und in seiner ehrlichen Konsequenz ist dieser Lauf auch anstrengender als der Rundkurs auf Helgoland, wobei auch der schon seine Tücken hat, man kann es ja nachlesen.

Blick in den Schacht

Auf Dailymile meinte jemand während des aktuellen Trainings nur: “verrückte sache.” Bei der FAZ sind sie erwartungsgemäß etwas konsequenter mit ihrer Meinung und nennen die Aktion schlicht Irrsinn im Bergwerk. Sie argumentieren unter anderem damit, dass so mancher dort unten an seine Leistungsgrenzen stößt. Da ist auch durchaus etwas dran. Ich habe es selbst erlebt.

Aber, und das meine ich durchaus ernst: Die Leute dort unten waren fit. Ich habe keinen gesehen, der die Aktion auf die leichte Schulter nahm; keinen, der untrainiert wirkte; dafür viele, die kerngesund und solide vorbereitet waren. “25 Stunden pro Woche trainiere er”, sagte einer der Platzierten im Anschluss. Die Hälfte davon auf dem Rad, aber Schwimmen und Laufen sind auch dabei. Von solchen Leuten sollte jede Krankenkasse träumen, stattdessen profitiert von dessen Bonussystemen eher, wer die 25 Stunden pro Woche vor dem Fernseher verbringt und sich ein paarmal im Jahr zum Arzt schleppt.

Dabei waren die Läufer hier sogar so vernünftig, sich nach der Aktion zu duschen, in der Waschkaue als angemessenem Ambiente, versteht sich:

Umkleide des Bergwerks

In einem liegt auch die FAZ jedoch durchaus richtig: so ganz alltäglich ist dieser Lauf nicht, ein wenig verrückt darf man gern sein, um das mitzumachen. Mancher bringt es in nicht einmal 140 Zeichen auf den Punkt:

Und es ist schön, auf andere zu treffen, die ähnlich motiviert sind. Die ehrenwerte Frau Schmitt hat es einmal sehr schön formuliert:

Aber nichts lieben diese Bekloppten so sehr, wie die Gesellschaft von anderen Bekloppten. Vermutlich, um sich zu versichern, dass sie bestenfalls mittelbekloppt sind, denn es gibt IMMER einen, der noch behämmerter ist.

Das ist in der Tat beruhigend.

Am Ende des Laufes habe ich die gar nicht behämmerten sondern überhaus charmanten Leute vom Begleitpersonal nur noch gefragt, ob das hier wirklich das Ziel sei.

“Ja, hast es geschafft. Glückwunsch!”, haben sie gesagt.

Eine gute Antwort. Und man kann ja nicht immer nur Bestzeit laufen, nicht wahr?

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Terminerinnerung: Lesung am Samstag

Kleine Erinnerung für die Leser aus den Südstaaten: Jetzt am Samstag gibt es eine Lesung mit Señor-Beteiligung.

Lesung am 5. Juli 2014

Wir sehen uns dort, ja?

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Terminsache

Lesung am 5. Juli 2014

Für alle, die gern rechtzeitig planen: am 5. Juli 2014 wird es eine Lesung hier mitten in den Südstaaten geben. Mit dabei sind:

Es moderiert Eveline von Pfeil vom Künstlernetzwerk-SW.

Sie merken sich das schon mal vor, ja? Es wird bestimmt ein großer Spaß.

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Leserei

Wer denkt, der Tag mit Kindern endet, wenn diese im Bett sind, täuscht sich natürlich gründlich. Denn auch, wenn das gesamte Abendprogramm bereits abgespult ist, wenn die Mäuler gestopft, die Zähne geputzt, die Schlafsachen angezogen und die Gutenachtgeschichten gelesen sind, ist noch nicht Schluss. Nein, ganz kurz vor dem letzten Küsschen, kurz bevor man das Licht ausschalten und den Raum verlassen darf, fragt beispielsweise der Sohn noch in ganz unschuldigem Ton: “Papa, musst Du heute Abend eigentlich noch Arbeiten?”

Damit ist man durchaus locker für den Rest des Abends lahmgelegt. Denn natürlich ist es so, dass man selbst total wichtig ist. Selbstverständlich ist unsereins den ganzen Tag dabei, die Welt zu retten. Und wann hat man dabei schon Feierabend? Niemals, versteht sich. Das ist schließlich ein Fulltime-Job. Und Fulltime heißt eben rund-um-die-Uhr. So ist das nun mal. Und selbst, wenn man mit etwas Abstand betrachtet feststellt, dass man möglicherweise doch ein ganz kleines bisschen weniger wichtig ist und es streng genommen vor allem dem Weltfrieden total egal ist, was man den ganzen Tag so macht, dann kann es trotzdem sein, dass man gelegentlich am Abend noch einmal am Schreibtisch sitzt und etwas schafft. Belangloses halt, aber vielleicht hat man das auch schon mal dem Nachwuchs erzählt. Wer weiß? Manches rutscht einfach so heraus. Ich werde mir wohl besser mehr Mühe geben und auf meine abendliche Wortwahl achten.

Quasi als Training habe ich mir dann heute eine Lesung gegönnt. Also nicht so ganz allein und nur für mich, sondern eine öffentliche. Eine Lesung, bei der Autoren aus ihren Werken vorlesen. Das inspiriert und sensibilisiert für den Feinschliff der eigenen Wortwahl. Wenn das Ganze auch noch in einer kleinen, überschaubaren Lokalität stattfindet, ist’s sicher auch gemütlich. Da geht man nicht einfach anonym bei einer Massenveranstaltung unter. Da kommt man noch direkt mit den Autoren ins Gespräch. Wenn diese Autoren denn auch kommen würden. Was offenbar nicht so ganz selbstverständlich ist. Die Kulturszene hier in den Südstaaten ist immer für eine Überraschung gut und sei es nur jene, dass von zwei geplanten Vorleseautoren tatsächlich kein einziger zum Termin erscheint.

Das ist erstaunlich. Das öffnet einem aber auch die Augen. Zum Beispiel für die Erkenntnis, dass die Zukunft keineswegs dem Selfpublishing gehört, sondern Verlage sehr, sehr nützlich sind. Sie organisieren nämlich nicht nur Lesungen, sondern die Verlagsinhaber lesen im Zweifelsfall auch einfach für einen vor. Das klingt verlockend, zumindest aus Autorenperspektive. Man stelle sich jetzt mal vor, dass sich das Drama mit dem Schreiben auch noch irgendwie lösen und delegieren lässt und prompt eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten.

Als schnöder Zuhörer sehe ich mich jetzt aber erst einmal darin bestätigt, auch weiterhin einen Bogen um Texte rund ums Mittelalter zu machen. Das passt so gut in meine bisherigen Lesegewohnheiten, dass ich es keineswegs darauf schieben möchte, dass nicht die Autorin selbst aus der Geheimsache Luther vorgelesen hat, sondern eben ihre Verlegerin. Daran liegt meine Aversion jedoch ganz bestimmt nicht. Es ist vielmehr so: Das Mittelalter und ich, wir sind einfach nicht per Du. Das kann man ganz schlicht mal akzeptieren.

Dafür weiß ich jetzt: Der Western lebt! Wer hätte das gedacht? Noch gestern hätte ich Wetten darauf abgeschlossen, dass die Geschichten von Indianern, Saloons und wilden Schießereien längst alle erzählt sind. Aber: weit gefehlt. Señor Florian Arleth bringt demnächst eine Kriminovelle auf den Markt. Jetzt und hier, im Jahr 2014. Es ist faszinierend. Vor allem auch, da es um einen tanzenden Indianer geht, der erst von seinem größten Freund angeschossen wird und dann Mühe hat, das Pony, auf dem er sonst reitet, die Berge hochzutragen, die es selbst nicht mehr schafft. Das Komische an der Geschichte ist, dass sie ansonsten wohl durchaus ernst gemeint ist. Man darf gespannt sein. Ich warte mal ab.

Beim Zusammensuchen der Links bestätigt sich hier übrigens das, was vorher nur ein Gefühl war: Den einzig verlässlichen Permalink zur Veranstaltung gibt es tatsächlich nur bei Facebook und nicht bei den gastgebenden Verlagen. Das ist wirklich indie. Bei den Verlagen ganz am Ende der Popularitätsskala wird tatsächlich noch für jedes Wort geschwitzt. Da kann man die Buchstaben nicht einfach billig in den Marketingtechnologien des Netzes verschwenden. Da werden die Wörter noch sorgfältig zwischen Buchdeckel gewoben. Darum geht’s schließlich. Ich verstehe das. Auch wenn ich davon manchmal gern viel leichter etwas mitbekommen würde – schön bequem von der Couch aus, versteht sich.

Dem Sohn habe ich auf seine Frage, ob ich heute Abend noch arbeiten muss übrigens mit einem entschlossenen “Nicht so direkt.” geantwortet. “Dann schlaf gut.”, sagte er. Wenn der wüsste.

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Mordslesung

Bücher sind etwas Feines. Oder besser gesagt: Geschichten sind etwas Feines. Denn wer schon mal meine Kommentare zum Thema ertragen genießen durfte, weiß, dass ich bezüglich der rosigen Zukunft des gemeinen Verlagswesens eher zurückhaltend bin. Aber um diese großen Themen geht’s heute gar nicht. Heute geht’s um die kleinen Veranstaltungen.

Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich ein paar der Veranstaltungslebenszeichen am literarischen Himmel der Südstaaten entdeckt. Es war bei beim Bücherbuffet. Und im Dunstkreis dieser Veranstaltung mäanderte ein Verlag herum, ein kleiner. Er nennt sich auch so: Der kleine Buchverlag. Wie es sich für einen solchen Laden gehört, veranstaltet er Lesungen. So behaupten es zumindest die Kollegen von mairisch. Und die müssen es wissen, bei ihren ganzen feinen Büchern. Der kleine Laden hier vor Ort hat ordentlich organisiert und zwei Schauspieler zum Lesen geholt. Eine gute Tat. Man sollte bloß nicht immer die Autoren lesen lassen. Das ist nämlich ein weiteres faszinierendes Element in dem ganzen Zirkus: erstaunlich viele Autoren können erstaunlich schlecht vorlesen. Selbst ihre eigenen Texte. Vielleicht auch: vor allem ihre eigenen Texte.

Hier haben wir also zwei Schauspieler: Farida Shehada und Georgios Tzitzikos. Jetzt, wo ich beide durch die Suchmaschinen schicke, fällt mir auf, dass ich damit tatsächlich gar nicht gerechnet habe: Dass es heute noch Medienschaffende gibt, welche keinen eigenen Webauftritt mitbringen. Man staunt immer wieder; zum Beispiel darüber, wie verdorben man von der eigenen Filterblase bereits ist. Aber möglicherweise sind Schauspieler auch genug mit ihrem Dasein auf den Bühnen der Welt beschäftigt. Da bleibt keine Luft für die Banalitäten des Onlinedaseins. Wir akzeptieren das mal. Und hören zu. Sie lesen nämlich nicht etwa Auszüge aus einem Roman. Sie lesen Kurzgeschichten. Krimikurzgeschichten, jeweils in sich abgeschlossen. Meistens in etwa 20 Minuten schön erzählt. Es sind tatsächlich kleine Singles, die in Summe zum Album werden. Konkret sind es hier zwei Alben, aus denen das Programm des Abends zusammengestellt ist. Aber das macht nichts. Das fließt trotzdem. Ich weiß gar nicht, ob das regulär als richtig tolle Literatur durchgeht. Aber das ist vollkommen egal. Die Geschichten des Abends sind knackig, auf den Punkt gebracht, spannend, lustig, schlicht: gut erzählt. Ich mag diese Form von Kunst. Ich mag Singles.

Die quasi obligatorische Paralleldiskussion zur Veranstaltung auf einem der üblichen Social Media-Kanäle offenbart übrigens hilfreiche Randinformationen. So erfahre ich ausgerechnet von einem Fotografen etwas über das epische Präteritum, welches sich durch den Abend schleicht, es ist ganz unheimlich. Vor allem, wenn man es ahnungslos zuhörend ertragen muss. Manchmal hat man es wirklich nicht leicht, so als Unwissender unter lauter Experten. Vorsicht bei der Wahl des Studienfachs, sage ich mal. Immerhin die letzte Geschichte des Abends wird im Präsens erzählt. Und sie wirkt. Wie beruhigend.

Gerne wieder.