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Tortenheber

Ein kleiner Dialog zwischen der Dame des Hauses und dem kleinen Mann am Kaffeetisch:

Er: Messer!
Sie: Nein, mein Sohn, das ist ein Tortenheber.
Er: Messer?
Sie: Tortenheber.
Er: Tortenheber?
Sie: Tortenheber. Das ist so etwas wie ein Ponton für den Tisch, mit dem man Kuchen transportieren kann.
Er: Ah. Tortenheber.

So ein Urlaub am Wasser ist nicht nur erholsam, sondern auch in Bildungsfragen sehr zu empfehlen.

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Zusammengesetzte Substantive

Dass der Sohn ein Sprachtalent ist, haben wir schon vor geraumer Zeit festgestellt. Das war in den Anfängen seiner verbalen Kommunikationsphase, in denen er durch sprachliche Effizienz bestach. Was liegt näher als sich in der weiteren Entwicklung wieder auf die eigenen Wurzeln zu besinnen? Eben. Und so schnappt sich der Sohn den Bagger von damals und erweitert ihn zur Baggerschaufel von heute. Und während es damals hauptsächlich darum ging, seinem Wunsch Nachdruck zu verleihen, alle Geräte, die sich mit Bagger benennen lassen, sofort seiner Obhut anzuvertrauen, so ist er heute etwas bodenständiger geworden. Das bringt das Alter wohl so mit sich. Heute sind es nicht mehr die fernen und schwer erreichbaren Dinge, auf die er sich konzentriert. Heute ist es der Esstisch vor ihm. Und die Baggerschaufel ist nichts anderes als seine kleine Gabel, mit der er das Essen vom eigenen Teller und denen aller anderen am Tisch in seinen Mund befördert.

Ganz ähnlich sieht es mit dem Getränk zum Essen aus. Milch steht hoch im Kurs. Und obwohl der Sohn gerade als Stadtkind heran wächst, ist ihm vollkommen klar, dass Milch nicht aus dem Tetra Pak kommt, sondern aus der Kuh. Dieses Verständnis für die großen Zusammenhänge des Lebens beeindruckt nicht nur uns engeren Familienkreis. Selbst in der Kita waren sie vor kurzem sprachlos, als er stolz und wortreich sein Wissen über die Milchkuh dargelegt hat. Ich hoffe noch immer sehr, dass er es wirklich zu einem schönen Rind im Bilderbuch und nicht etwa einer der angestellten Damen des Hauses gesagt hat.

Nicht, dass ihm sein nächstes zusammengesetztes Substantiv drohen müsste: Hubschraubereinsatz. Ja, Hubschraubereinsatz. Es ist schließlich von Vorteil, die wirklich wichtigen Sachen als erstes zu erlernen. Dem entsprechend arbeitet der Sohn momentan mit Hochdruck an: Handtaschenräuber. Wenn das klappt, schafft er es endlich, eines seiner derzeitig beliebten Gute-Nacht-Lieder lautstark selbst zu singen: den besagten Hubschraubereinsatz von Foyer des Arts. Ob und wie er dann allerdings in den Schlaf findet, warten wir mal ab. Aber wenn ich so darüber nachdenke, klingt Tiefschlaf gar nicht mal so schwer.

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Wortgewaltig

Die Effizienz des Sohnes bei der Auswahl seines aktiven Wortschatzes kennen wir ja. Aber bei fünf Wörtern kann es nicht bleiben, so sorgfältig sie auch ausgewählt sind. Das sieht sogar der Sohn ein. Und arbeitet sehr umsichtig an seiner weiteren Wortfindung.

Mit Auto und Bagger sieht er sowohl den Fuhrpark als auch seine hauptsächliche Freizeitgestaltung durch satte zwei Worte abgedeckt. Ja und Ba sind kurz und eloquent genug, um schnell an Essen und Trinken zu kommen. Aber Mama als einzige Möglichkeit, die für ihn wichtigen Personen zu benennen ist etwas sehr dürftig. Wenigstens die Hauptdarsteller sollen jeweils einen Namen bekommen, denkt sich der Sohn.

Und prompt gibt es seit heute ein neues Wort: Anna.

Schon klar. Sie ist jung. Sie ist blond. Sie arbeitet in der Kita. Ich versteh‘ ihn ja.

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Sprachliche Effizienz

Schon in jungen Jahren ist es wichtig, mit den eigenen verfügbaren Ressourcen möglichst sparsam umzugehen. Der natürliche Verschleiß kommt sicher noch früh genug. Da muss man nicht auch noch extra nachhelfen. Das sieht der Sohn ganz genauso. Und beschränkt vorläufig sein aktives Vokabular auf exakt fünf Wörter.

Mama sagt er natürlich. Vor allem zu mir. Gelegentlich auch zur Dame des Hauses; nicht ganz so häufig zu wildfremden Leuten, immerhin meist Frauen. Der Zweck des Rufs nach Mama ist für gewöhnlich der gleiche: Befriedigung der Grundbedürfnisse, also Essen und Trinken. Das vom Boten gebrachte Essen greift er sich einfach. Nach dem Trinken fragt er vornehm mit Wort Nummer zwei: Ba. Das ist kompakt genug, um es auch im Zustand der totalen Trockenheit noch herausbringen zu können. Also mitten in der Nacht. Es ist gleichzeitig ausdrucksstark genug, um durch unterschiedlichste Intonationen das Bedürfnis des Sohnes nach unterschiedlichsten Getränken vermitteln zu können. Milch, Wasser, diverse Teesorten: Dank Ba alles kein Problem. Kommt sofort.

Das klappt leider nicht immer mit Wort Nummer drei: Auto. Dafür gibt’s ein eigenes Wort beim Sohn, um sowohl seinem feinsinnigen Gespür als auch seiner Leidenschaft Ausdruck verleihen zu können. Gespür deswegen, weil er Autos schon dann erahnt, wenn andere noch ihren Schlüssel suchen, bevor sie sich auf den Weg zur Garage machen. Leidenschaft deswegen, weil die Autos vom Sohn nicht nur erahnt, angekündigt und besichtigt werden, sondern weil er sie sich greift, anhält und inspiziert. Ab nach hinten in den Kindersitz? Lächerlich. Auf den Vordersitzen spielt die Musik. Da findet man den Sohn. Von dort steuert er das Warnblinklicht ebenso souverän wie die Soundanlage. Dort sieht man ihn auch die Stirn runzeln wegen seiner Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit von Designern, die Autos entwerfen, bei denen es nicht machbar zu sein scheint, vom Fahrersitz aus gleichzeitig einen Blick nach vorn aus dem Gefährt zu werfen, am Lenkrad zu drehen und die Fußpedale zu bedienen. Ganz klare Fehlkonstruktion. Gut, dass wir die Wagen zu Wort Nummer vier haben: Bagger. Kindersitze auf der Rückbank? Gibt’s gar nicht erst! Sicht nach vorn ist entweder kein Problem oder Dank Größe nicht wichtig. Und gesteuert wird mittels Handbedienungshebeln, die sich dem sicheren Griff des Nachwuchses nicht entziehen können. Eine Schlussfolgerung lieght nahe: Bagger sind einfach die besseren Autos.

Dazu sagt der Sohn nur eins, nämlich Wort Nummer fünf: Ja. Hocheffizient. Und der Sohn ist schon jetzt zu keiner Zeit um eine klar verständliche Antwort verlegen.

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Glasklares Hochdeutsch

Sprache ist gut. Korrekte Sprache ist noch viel besser. Da trifft es sich gut, dass die Ahnen der Familie aus einer Gegend kommen, die selbstverständlich die Wiege des reinen Hochdeutsch ist. Aus Ehrfurcht vor diesem Erbe bin ich als moderner Mann von heute natürlich sehr bestrebt, diese reine sprachliche Eleganz direkt an den Sohn weiter zu geben.

Er weiß das auch sehr zu schätzen. Und bringt derzeit jeden Wunsch, jedes Gefühl, jeden Imperativ, jeden dezenten Hinweis auf spannende Geschehnisse in einem einzigen, glasklaren, schnörkellosen und dialektfreien Wort auf den Punkt: Da!

Als stolzer Herr Papa bin ich fast schon sprachlos und antworte selbst in Gegenwart des Sohnes auf eine sicherlich sehr sinnige Frage der Dame des Hauses mit einem lapidaren:

Seidd wann had’n dat wat damit dsu dun?

Nur gut, dass wir beim Abendessen waren. Da entgeht dem Sohn schon mal der eine oder andere sprachliche Faux-Pas, weil er damit beschäftigt ist, sich ganz in Ruhe seinem Mahl zu widmen.

Nur gut. Ansonsten würde ich mir um das nächste Wort des Sohnes ernste Sorgen machen.