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sprachentwicklung unterwegs

Küsschenwache

Wir sitzen hier. Wir gucken Boote. Wir genießen die Ruhe. Wir werden wach gerüttelt vom Sohn, der wieder eines seiner absoluten Lieblingsboote entdeckt hat, plötzlich aufspringt und laut Küsschenwache! brüllt.

Etwas weniger laut, aber mit nicht weniger Nachdruck, läuft er anschließend einmal reihum und verpasst jedem möglichst feuchte Schmatzer. Die bitte sofort an alle anderen weiter zu geben sind. Küsschen hier, Küsschen da. Küsschen dort. Es ist ein wahrer Exzess.

Und jetzt muss ich dringend heraus bekommen, wo man Einblick in den Dienstplan dieses Bootes bekommen kann. Damit ich mich in aller Ruhe auf diese Liebesattacken vorbereiten kann. Man wird schließlich nicht jünger. Auch nicht im Urlaub.

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sohn sprachentwicklung

Feine Sitten

Kommunikation ist heutzutage alles, heißt es. Willst Du erfolgreich sein im Leben, lerne gut zu reden. Heißt es zwar nicht, aber da ist sicherlich trotzdem etwas dran. Und da man das am besten von der Pike auf lernt, werden die Kinder des Hauses hier entsprechend erzogen. Es werden also nicht onomatopoetisch wertvoll gutturale Laute in den Äther geblasen, wenn man mit jemandem spricht. Natürlich nicht. Statt dessen wird möglichst in ganzen Sätzen gesprochen und anständig Bitte und Danke gesagt. Das gilt zumindest für den Sohn. Bei der Tochter reicht es noch, wenn sie charmant lächelt. Dann bekommt sie auch, was sie möchte.

Das Ganze setzt sich natürlich in der Kita fort. Bildung ist schließlich eine umfassende Angelegenheit. Wenn der Sohn also nach dem ersten ausgedehnten Frühstück morgens in die Kita kommt, setzt er sich gleich wieder an den Tisch und pflegt seine Tischsitten in Gemeinschaft Gleichaltriger. Gibst Du mir bitte mal das Müsli? – heißt es da. Hier, Du kannst gern die Milch haben. – folgt darauf. Ich guck’s mir kurz mit an. Freue mich, so ein eloquentes Kind zu haben und lasse ihn den Rest des Tages in Ruhe den Bildungsbürger gegenüber seinen Kumpels ausleben.

Und ich wundere mich natürlich überhaupt nicht, wenn am Ende des Tages sein Vorrat an Feinheiten aufgebraucht ist und er beim Abendessen nur noch eines heraus bringt: Ey, Papa, gib mal die Wurst da rüber!


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dialoge sprachentwicklung

Una Botella

Sohn: Papa, was ist das?

Ich: ¡Es una botella de vino!

Sohn: Warum?

Als moderner Mann von heute respektiere ich es natürlich, wenn der Sohn auf einen gepflegten Umgangston bei Tisch besteht.


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sprachentwicklung

Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Der Sohn und ich, wir unterhalten uns.

Sohn: Du, Papa, da stehen Schuhe.
ich: Das stimmt, mein Sohn. Es sind die Schuhe von der Nachbarin.
Sohn: Warum?

Sohn: Papa?
ich: Ja, mein Sohn?!
Sohn: Mama soll auch noch etwas essen!
ich: Nun, ich glaube, die Mama ist schon fertig und hat ausreichend gegessen.
Sohn: Warum?

ich: Sohn, möchtest Du lieber Treppe laufen oder Fahrstuhl fahren?
Sohn: Treppe!
ich: OK, dann laufen wir.
Sohn: Warum?

Sohn: Bagger!
ich: Ja, das ist wirklich ein wunderschöner Bagger.
Sohn: Bagger soll fahren!
ich: Der Bagger hat für heute schon Feierabend.
Sohn: Warum?

ich: Sohn, wollen wir beide die Schuhe putzen?
Sohn: Ja, Schuhe putzen.
ich: Fein, bringst Du dann bitte Deine Schuhe auch mit?
Sohn: Warum?

Irgendwie habe ich damit erst im nächsten Jahr gerechnet. Aber die Zeiten ändern sich. Im nächsten Jahr bin ich dann wohl schon damit beschäftigt, ihm die Idee auszureden, spontan ausziehen zu wollen.

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dame des hauses sprachentwicklung

Retrospektive. Oder: Mama und Papa sind wie Ying und Yang

Zum Jahresausklang heißt es: Revue passieren lassen. Was hat das letzte Jahr gebracht? Was gab es neues? Was könnte es für die Zukunft bedeuten?

Schauen wir uns zum Beispiel die sprachliche Entwicklung des Sohnes an. Damit ging’s erheblich voran im gerade vergehenden Jahr. Von onomatopoetischen Grundlagen ging es hin zu ausführlichen Erörterungen sinntragender Lebensphilosophien. Manchmal zumindest.

Zwischendurch schien es dabei, als ob der Sohn bei seinem Lerneifer recht eigensinnige Prioritäten setzt. Vieles schien beispielsweise wichtiger als »Papa« zu sein. Letztendlich war das natürlich nichts anderes als sprachliche Effizienz, ganz klar. Natürlich kennt er nicht nur die Dame des Hauses beim Namen sondern auch den großen Mann in der Familie. Dass es ihm dabei nicht nur um das Nachplappern irgendwelcher vorgegebenen Wörter geht, sondern darum, deren Sinn wirklich zu verstehen, merkt man leicht bei genauerem Zuhören.

Zum Beispiel, wenn der Sohn fragt, warum es in seinem Piratenbuch nur einen Papagei, aber keinen Mamagei gibt. Zum Papa gehört die Mama, da kommt der Gei nicht drum herum.

Aber gilt das auch umgekehrt, Herr Sohn?

Na klar: schon beim Frühstück fragt er zusätzlich zur Mamalade nach der Papalade. Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig. Da kann nicht nur ein Elternteil im Glas sitzen.

Und passend zum Sitzen fällt dem Sohn gleich wieder etwas auf und ein neues Wort ein. Das Stück Keramik an der Wand im Bad heißt: Papalette. Ich frage besser nicht, wie er darauf kommt, räume aber erst einmal meine Zeitungen an einen anderen Ort der Wohnung.

Und ich stelle fest: Ein Wort fehlt hier. Immerhin steht jetzt erst einmal ein ganz frisches Jahr vor der Tür. Ich bin mir sicher, der Sohn wird es nutzen und sich etwas passendes einfallen lassen.