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Masochisten im OP

Die Zeitungen von heute sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Da taucht selbst im Feuilleton auf einmal Fußball auf, da herrscht im Politikteil das ganze Jahr nur Sommerloch und Boulevard gibt’s keineswegs nur dort, wo es auch gut erkennbar drauf steht.

Wenn aber der Herr Papa in der Zeitung statt „Maschinisten im OP“ liest: „Masochisten im OP“, dann ist das wohl kaum der Zeitung anzulasten. Sorgen braucht der kleine Mann sich deswegen aber keine zu machen. Ein paar Seiten weiter vorn im Blatt stand nämlich in großen und gut erkennbaren Buchstaben: „Krieg und Lieder“ über einer Ausstellungsbeschreibung. Mit dem passenden Verleser hat’s natürlich trotzdem geklappt.

Nur gut, dass auch der moderne Mann von heute nicht jeden Tag mit Vorlesen dran ist.

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Redeschwall

Ein gewisser Herr Strassemeyer ist ein toller Typ bei der IBM. Als solcher kam er kürzlich in einer Internetradiosendung zu Wort und meinte unter anderem:

Ich gehöre zu jenen, die viel reden müssen, damit sie hören, was sie denken.

Diese Logik scheint der kleine Mann auf jeden Fall zu teilen. Obwohl ich beim besten Willen weder sagen kann, wann er dem Señor Strassemeyer über den Weg gelaufen ist, noch wie es mit seinen Zukunftsplänen in dreibuchstabigen Großkonzernen aussieht.

Derlei väterliche Fragen und mit ihnen einher gehendes Stirngerunzel sind dem Nachwuchs natürlich vollkommen gleichgültig. Statt dessen ist er sehr bemüht, seine Theorien zu einer wirklich umfassenden Weltanschauung zu vermitteln. Widerspruch wird dabei wenig geduldet. Denn selbstverständlich hat er all seine jugendliche Energie darin investiert, das Für und Wider seiner Argumente klar abzuwägen und entweder eine gesunde Balance in seine Meinung zu einem bestimmten Thema einfließen zu lassen oder aber einen vordergründig extrem anmutenden Standpunkt auf eine derart solide Argumentationsstruktur zu bauen, dass mögliche Kritikpunkte oder sonstige Einwände von nur laienhaft mit dem Thema vertrauten Eltern zerbröseln wie eine Strandburg nach einwöchiger Sonneneinstrahlung ohne Wassernachschub.

Als moderner Mann von heute höre ich dem Sohn natürlich begeistert zu, falle ihm nicht ins Wort, lasse ihn also ausreden und nicke sogar ab und an zustimmend, ja ermuntere ihn sogar, mit seinen Ausführungen doch bitte noch weiter fortzufahren, wenn er einmal eine Pause zum Luftholen einlegt.

Aber ganz unabhängig davon, wie verstehend meine Mine nach außen auch wirken mag: Im Stillen schmiede ich meine eigenen Pläne und überlege, wie ich den kleinen Mann davon überzeugt bekomme, dass die Sprache, die er spricht, zur interfamiliären Kommunikation nur bedingt taugt und wie er dazu zu bringen sein könnte, das zu lernen, was wir gemeinhin Muttersprache nennen, auch wenn es gern mit dem Wort Papa im ersten Eröffnungssatz eingeleitet werden kann.

Ich hoffe nur, er merkt das nicht. Ansonsten würde er mir bestimmt ganz klar die Meinung sagen!

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Verklärt

Früher, also ganz früher, da sollen ja selbst die alten Zeiten noch besser gewesen sein. So sagt es zumindest ein schlaues Sprichwort.

Und der moderne Mann von heute wird sich natürlich hüten, entweder etwas gegen die alten Zeiten oder die neuen Sprichworte zu sagen. Aber immerhin erkennt der feige Mann von heute, dass selbst an den Sprüchen, die so jung nun eigentlich auch wieder nicht sind, durchaus etwas dran ist. Und hier ist die Moral sogar recht schlicht: etwas nostalgische Verklärtheit hilft, die Welt nicht nur geordneter sondern auch ein Stück weit angenehmer und einfach charmanter zu sehen.

Das bestätigt sich auch im öffentlichen Leben mit dem kleinen Mann immer wieder auf das Neue.

Schon beim ersten öffentlichen Auftritt hat der Nachwuchs den Herrn Papa dadurch irritiert, dass wildfremde Frauen plötzlich mitten in ihrer Bewegung inne hielten, sich nach dem Vorbeiziehen gar wieder umdrehten und entweder schlicht freundlich lächelten oder sich gar zu einem schmachtenden Seufzer hinreißen ließen. Die Sehnsüchte an entweder noch kommende oder schon längst vergangene Zeiten standen quasi plastisch im Raum. Dass keine dieser Reaktionen jedoch ihm galt, hat der moderne Mann von heute mittlerweile zum Glück recht erfolgreich verarbeitet und kann ganz entspannt darauf zurück blicken.

Mit einer ähnlichen Lässigkeit steckt er auch Kommentare weg, die ihm freundlich und ungefragt nahe legen, die Zeit mit dem kleinen Mann gefälligst zu genießen, so lange er noch klein und niedlich ist.

Als ob irgendjemand ernsthaft glaubt, dass aus so einem kleinen Charmeur einmal jemand nur schwerlich ertragbares werden könnte, dachte der moderne Mann von heute bei sich.

Bis dem kleinen Mann und ihm vor kurzem im öffentlichen Nahverkehrsmittel ein Gespann aus Mutter und Tochter begegnete, von dem der jüngere Teil gerade in dem Alter war, welches kurz vor dem Auszug aus dem elterlichen Reich kommt. Mit einer kontrolliert anmutenden Mischung aus spätjugendlicher Begeisterungsfähigkeit und früherwachsener Abgeklärtheit hat sie einen Blick in den Kinderwagen geworfen und konnte ein latent freundliches Zucken der Mundwinkel nicht vollständig verhindern.

Ihre Mutter meinte nur recht trocken: „Tja, in dem Alter warst Du auch noch süß.“

Danach sind beide ausgestiegen.

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Rituale sind Rituale

Damit der Nachwuchs sich in seinem Leben ganz großartig entwickeln kann, sind seine Erziehungsberechtigten dabei, die eine oder andere Konstante im Alltag mit unter zu bringen. Das schafft Routine, somit Vertrauen und bestimmt ein famoses Fundament der puren Glückseligkeit in der Evolutionsgeschichte des kleinen Mannes.

Ein solcher Pol des Vertrauten ist das allabendliche Schlafengehen. Die Dame des Hauses ist in Sachen ordentlicher zu-Bett-geh-Rituale natürlich die zuständige QM-Beauftragte in der Familie und überwacht das Einhalten eines ordentlichen abendtäglichen Rhythmus‘. Alberne Spielereien sind zu dieser Zeit des Tages unangebracht. Ungehörige Belustigungen der Männer der Familie ebenso. Und selbstverständlich ist zu viel Aktionismus dem Gestalten der erwünschten Nachtruhe eher ab- als zuträglich.

Der moderne Mann von heute knirscht also mit den Zähnen und widmet seine ganze Energie eben nicht der Unterhaltung des Sohnes sondern dem fast schon beiläufig anmutenden Einlullen des kleinen Mannes damit dieser für süße Träume in die Nacht entdriftet.

Das klappt für gewöhnlich sogar ganz gut.

Ganz anders sieht es selbstverständlich aus, wenn die bezaubernde Dame des Hauses sich des Abends einmal ihren wohlverdienten Ausgang gönnt. An Tagen wie diesen sind die Herren unter sich. Alle Möglichkeiten stehen ihnen offen, um die traute Zeit zu zweit zu gestalten als gäbe es keinen nächsten Tag.

Da wird gespielt, gelacht, gesungen, sich gegenseitig die Taschen vollgehauen. Da werden Situps sogar am Abend gemacht, diese allerdings nur vom kleinen, nicht vom großen Mann.

Wie deprimierend ist es in solchen Momenten der scheinbaren Ekstase, wenn der kleine Mann nach nur zehn Minuten grandioser Unterhaltung spontan den Kopf zur Seite dreht und auf der Stelle tief und fest schläft? Sehr. Also wirklich. Was soll aus so einem tiefenentspannten Kind nur später einmal werden?

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Herren unter sich

Wenn der moderne Mann von heute unterwegs ist, hat er die Augen meist weit offen und hält Ausschau. Das gilt natürlich insbesondere dann, wenn er im großen Wagen den kleinen Mann durch die Gegend schiebt.

Es ist wohl ein Instinkt, eingebaut von Mutter Natur. Und zwar ein Instinkt, welcher dafür sorgt, dass auch der moderne Mann von heute seinen Nachwuchs vor den alten wie den modernen Gefahren beschützt. Also ist das Auge wachsam und der Papa hält seinen Radar stets bereit. Schließlich geht es darum, den Stammbaum zu pflegen und die eigene Sippe zu vermehren.

Was könnte da gefährlicher sein als andere Herren der Zunft? Jene, die auf ihre Art zwar die gleichen Interessen haben und vertreten, die aber letzendlich doch den höchst eigenen diametral entgegen stehen? Ein Teil der Gefahr besteht darin, dass sie sich gut tarnt und nicht auf den ersten Blick offenbar wird.

Als einzelne Vertreter ihrer Art scheinen auch die anderen Herren Papas nämlich hochgradig umgänglich. Vertraut gar. Grüßen freundlichst in der Fußgängerzone während die Blicke über und in den Wagen des Gegenüber wandern. Plaudern nett im Nachtreffen des Geburtsvorbereitungskurses. Bieten im Kreis der Kollegen schlaue Tipps von einem Herrn Papa für den anderen an.

Aber in der anonymen Masse, da entfalten sie ihr wahres Potenzial. Da bin ich mir sehr sicher. Und habe mich zum Väterkongress sicherheitshalber erst mal nicht angemeldet.