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Gelegenheitsläufer. Gescheitert.

Was war denn das?

Ein Badenmarathon. Den gibt es hier in den Südstaaten alle Jahre wieder. Und bei einer dermaßen unkomplizierten Anreiserei kann man da ruhig regelmäßig mitspielen. Es ist schließlich eine schöne Strecke. Noch zumindest, das könnte sich glatt ändern. Aber darum geht’s heute nicht.

Heute geht’s um das Drama des Tages, wenn ich es mal in aller Bescheidenheit so nennen darf. Denn es war nicht nur Marathon, sondern ich bin ihn auch mitgelaufen. Das ist per se nicht weiter schlimm. Denn diese charmante Strecke hier vor Ort hat einen ganz besonderen Reiz: Man kann einfach die ersten 20 Kilometer laufen und sich erst dann entscheiden, ob man gleich ins Ziel abbiegt und entspannt Kaltgetränke im sogenannten Runner’s Heaven konsumiert oder man erst noch den Rest der Strecke absolviert.

Das ist sehr schlau geplant. Denn wenn man das mit dem Laufen vorher schon mal gemacht hat, schafft man die 20 Kilometer quasi immer. Die ganze Distanz braucht für gewöhnlich etwas mehr Vorbereitung.

So wird gemeinhin zum Beispiel sehr empfohlen, ein paar längere Läufe in die Vorbereitung zu integrieren. Das lang wird dabei als bitte mehr als 30 Kilometer verstanden. Das leuchtet durchaus ein. Der Körper möchte schließlich konditioniert werden, er soll sich ruhig an diesen länger andauernden Unfug gewöhnen. Den Rest seiner Zeit sitzt er schließlich nur bequem am Schreibtisch herum, meiner zumindest.

Nun, was soll ich sagen? Ich habe in den letzten Wochen genau einen längeren Lauf absolviert. Er war 28 Kilometer lang und ich habe ihn gründlich vergeigt. Das macht aber nichts. Ich bin schließlich auch vorher schon mal Marathon gelaufen. Dumm nur, dass ich den letzten abgesagt und durch eine Kurzstrecke ersetzt habe. Aber wenn man etwas einmal gemacht hat, klappt das auch noch einmal. Mit dem Fahrradfahren ist es ja auch so. Und da Laufen viel einfacher als Radfahren ist, na, kann’s so anders doch nicht sein.

Da ich immerhin vor einer eher sparsamen Vorbereitung durchaus meinen Respekt habe, bin ich heute eher ruhig losgelaufen. Ich habe also nicht die ersten 10 Kilometer lang alle beiseite geschoben, die sowohl vor mir als auch langsamer als mein gefühltes Tempo waren. Nein, das habe ich heute mal anderen überlassen. Entsprechend entspannt lief es an und ich hüpfte nur wenig später locker grinsend auf die besagte 20-Kilometer-Entscheidungsmarke zu. Bei allem Respekt vor dem Reiz netter Kaltgetränke, wäre es doch sehr schade gewesen, einfach schon Feierabend zu machen.

Ich bin somit den ganzen Marathon gelaufen und das war eine der unsinnigsten Entscheidungen, die ich dieses Jahr bisher getroffen habe. Ich möchte da gar nicht zu sehr in Details gehen und ins Jammern verfallen, aber um es prägnant auf den Punkt zu bringen: Die zweite Hälfte der Strecke bestand nicht aus grinsendem Hüpfen, nur sehr wenig aus lockerem Laufen und dafür viel zu oft aus spontan beschlossenen und hemmungslos umgesetzten Gehpausen.

Die linguistisch Experten unter uns erkennen sicher schnell: Gehen und Laufen sind zwei recht unterschiedliche Dinge. Selbst dem Sohn leuchtet das intuitiv ein und er stellt auch ohne, dass ich ihn in die schmutzigen Hintergründe groß eingeweiht hätte, leider genau die richtigen Fragen:

Dabei hätte ich ihm so gern meine ganzen abgetragenen Laufschuhe vermacht. Sie stecken schließlich voll interessanter Erfahrungen.

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Was Läufer so denken

Laufen ist eine feine Sache. Ich habe das hier gelegentlich schon mal erwähnt. Der Charme liegt unter anderem darin, wie einfach dieser Sport doch strukturiert ist. Man muss nicht viel üben. Man kann’s zumindest in den Grundzügen schon ab frühen Lebensjahren. Ein Fuß muss vor den anderen. Dann der andere vor den einen. Das muss man dann nur noch hinreichend häufig wiederholen. Ein recht überschaubares, einfaches Konzept. Ich mag einfache Konzepte. Sie geben Raum, sich den wesentlichen Dingen zu widmen.

Den berühmten Gedanken über Gott und die Welt zum Beispiel. Im The Atlantik gab es passenderweise kürzlich ein nettes Stück darüber, wie diese Gedanken oft so aussehen. Und es ist ernüchternd: Es geht schlicht um das eigene Tempo, das eigene Leiden und die Umgebung, also vor allem das Fehlverhalten der anderen.

Das ist natürlich hochgradig verwunderlich. Oder besser gesagt: Das ist, was die anderen denken; also vollkommen abwegig.

Die einzig wahre Referenz sind die eigenen Erfahrungen. Und die sehen hier so aus, dass ich mich beim Laufen über die Musik auf den Ohren freue; es ist wirklich eine feine Auswahl, ich kann dem laufvorbereitenden DJ meinen vollen Respekt zollen. Manchmal denke ich jedoch auch, wie doof die Musik mal wieder ist, dass sie nun wirklich gar nicht passt, schlimm ist das, ungeheuerlich; wer stellt sowas eigentlich zusammen? Nur gut, dass manchmal auch Podcasts laufen. Beim Laufen denke ich dann: Was für ein fein elaboriertes Gedankengut, guter Podcast, wie interessant der Lauf dadurch doch wird. Das denke ich. Außer, es ist einer dieser schwafelnden Podcasts. Die gehen ja gar nicht. Es labern schlecht vorbereitete Menschen unkoordiniert herum und kommen nicht voran. Zum Laufen passt das ja per Definition nicht. Geht einfach nicht. Da kann man nichts machen. Außer Abschalten natürlich. Abschalten und Gedanken machen. Über den letzten Text zum Beispiel; jenen, den man kurz vor dem Laufen abgeschickt oder online gestellt hat, den man nur noch schlecht oder zu spät ändern kann. Was für unsinnige Gedanken also. Viel lieber denke ich deswegen über den nächsten Text nach, über Figuren und Absurditäten, welche sie veranstalten. Oder kurz: Es sind Gedanken über Sachen, denen man sich nach dem Laufen dringend widmen könnte, wenn man sie nicht spätestens nach dem Duschen überwiegend wieder vergessen hätte. Dramen, allüberall. Nur auf den letzten Kilometern nicht. Insbesondere bei langen und anderweitig anstrengenden Läufen weilen die Gedanken quasi exklusiv bei der Vorfreude auf das, was schon Toni Mahoni vor geraumer Zeit sehr passend vertont hat: Ein schlichtes Radler.

Hach ja. Laufen ist also, wie gesagt, ein schöner Sport. Und am besten ist’s, wenn man nicht zu viel darüber nachdenkt. Auch nicht während des Laufens; oder besser gesagt: Vor allem nicht während des Laufens.

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Gelegenheitsläufer

Die Sache mit dem Laufen, sie ist nicht einfach. Also streng genommen ist sie das natürlich durchaus, schon klar. Wenn wir es auf seine Essenz reduzieren, funktioniert das mit dem Laufen so, dass man am Anfang einen Fuß vor den anderen setzt und anschließend die Füße wechselt und das Spiel noch einmal treibt. Das muss man dann nur ausreichend häufig wiederholen. Um mehr geht’s eigentlich nicht.

Und doch ist es nicht einfach. Denn es gibt so Tage, an denen das mit dem Fußwechsel ganz leidlich klappt. Und es gibt Tage, an denen scheitert man an den einfachsten Sachen, wie dieser hier zum Beispiel. Heute ist so ein letzterer Tag und ich habe das Gefühl, als ob das nicht nur ein temporäres Dilemma ist, sondern sich gerade durch die Saison zieht. Wir hatten es hier ja gerade erst von abgesagten Läufen und verkürzten Ersatzevents. Euphemistisch, wie wir hier so sind, rufen wir passenderweise einfach das Jahr der Entspannung aus. Passt ja.

Um zwischendurch mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben und nicht in der Euphorie gut laufender Kurzstreckenspaziergänge wieder übermütig zu werden, gibt es gelegentlich das, was man einen langen Lauf nennt. Heute war so einer. Passenderweise haben die FKK-Freunde des Lichtbundes einen Probelauf für den Badenmarathon veranstaltet. Und es bestand zwar kein Kleidungszwang, aber wer wollte, durfte sich Laufhöschen und T-Shirt ruhig überwerfen. Ich habe das mal gemacht. Und bin gescheitert.

Nicht an der Kleiderwahl, die ging eigentlich recht fix. Ich habe den Kilt zu Hause gelassen, das ist hier schließlich Training. Dafür habe ich das Shirt vom Helgolandmarathon dabei gehabt. Das war der gute Teil des Tages. Zwei Interessenten konnte ich von den schönen Inselrunden vorschwärmen. Ich glaube, sie probieren das mal aus. Sehr schön.

Weit weniger schön lief das Laufen selbst. Dabei waren die Voraussetzungen gar nicht schlecht. Es gab mehrere Gruppen, nach Tempo sortiert. Ich habe mir extra eine gesucht, die etwas langsamer als mein normales Reisetempo war. Da konnte doch nichts schief gehen, oder?

Dachte ich auch. Und irrte. Die ersten 21 Kilometer war alles noch recht entspannt. Immer schön abwechselnd habe ich einfach die Füße jeweils voreinander gesetzt. Das hat gepasst.

Was nicht mehr passte, waren die letzten sieben Kilometer. Auf denen ging irgendwie gar nichts mehr. Es war wie das Umlegen eines Schalters, der den recht simplen Laufalgorithmus einfach kaputt gemacht hat. Füße? Taten, was sie wollten. Abwechselnd voreinander setzen? Ging nur manchmal. Am Ende schlich ich mit einigem Abstand als letzter meiner ansonsten sehr entspannten Tempogruppe ins Ziel. Am Versorgungsstand wollten sie mich glatt aussortieren. Ich sah wohl etwas demoliert aus, meinten sie. Das wollten sie sich so eigentlich nicht mit ansehen. Das Auge läuft bekanntlich mit.

Ich habe jetzt mal meine Schlüsse gezogen und knallhart meine Kurzbio auf den diversen sozialen Kanälen aktualisisiert. Vorher sah sie so aus:

Profil vorher

Jetzt sieht sie so aus:

Profil nachher

Denn sind wir doch mal ehrlich: Ein Marathonläufer sieht anders aus.

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Küstenlauf

Biber Wir schreiben das Jahr des entspannten Laufens. Veranstaltungen mit größerem logistischen Aufwand passen da nicht rein und werden abgesagt. Dafür dürfen andere Späße spontan auf die Agenda. Ein abendlicher Marsch an der Küste zum Beispiel passt da ganz hervorragend.

Ein ebensolcher nennt sich Marathon-Nacht. Der eigene Entspannungspegel ist froh, dass es nicht wirklich die Nacht durch geht, sondern eher am lockeren Abend stattfindet. Außerdem in Rostock. Und Rostock ist ja immer eine Reise wert, sowohl zum Boote gucken, als auch zum Knutschen bei der Küsschenwache. Warum also nicht auch zum Laufen? Eben. Das passt durchaus. Ich habe es gerade ausprobiert, wenn auch nur für den halben Spaß der besagten Marathon-Nacht.

Startnummer Und ich kann das sehr empfehlen. Den Teil der Strecke, den man weniger läuft, darf man in Rostock nämlich mit dem Boot fahren. Das ist sehr, sehr großartig. Diese Küstenbewohner wissen schon, wie das geht mit dem Entspannen. Man bekommt quasi eine Hafenrundfahrt ohne nervige Ansagen, dafür mit einem Spaziergang auf dem Rückweg. Und dieser Spaziergang führt durch schöne Gegenden. Zusammen mit ein paar Hundert anderen Leuten hat sogar so etwas Dröges wie der Warnowtunnel seinen Reiz. Irgendjemand kann garantiert laut pfeifen. Irgendwo kommt garantiert ein Echo her. Es ist ein Spaß.

Rostocker Seehafen

Wenn man mal nicht in die eine oder andere Richtung durch den Tunnel läuft, darf man im IGA-Park entspannen oder direkt am Seehafen entlang der Warnow die Gegend bewundern.

Trommler am Rand

Zwischendurch gibt es auch in Rostock am Straßenrand die üblichen Scherzkekse mit feinen Motivationssprüchen, Kinder zum Hände-Abklatschen und tatsächlich auch Halbstarke, die den laufenden Kilt kommentieren. Und ich sage absichtlich Halbstarke, denn es war wirklich eine Premiere, von erstaunlich vielen Männern gebeten zu werden, den Rock zu heben und endlich mal die Frage zu klären, ob man nun etwas darunter trägt oder nicht. Ich nehme es mal als Kompliment. Und falls jetzt jemanden interessiert grübelt: Die Damen sind tatsächlich deutlich zurückhaltender. Sie kommentieren eher meinen Laufstil und die Teile der Füße, mit denen ich den Boden berühre. Wir hatten das auch in Kandel schon einmal. Die Blickwinkel, sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Ich sollte nur noch einmal überlegen, was das mit der Werbung auf dem T-Shirt soll. Denn das guckt nun wirklich überhaupt niemand an. Vielleicht lässt sich bei den Kniestrümpfen etwas machen. Wir bleiben am Ball.

Ich werde berichten.

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Sich selbst zuhören

Es gab in letzter Zeit relativ viel Laufcontent hier im Blog. Aber keine Angst. Das wird auch wieder anders. So fit bin ich schließlich gar nicht. Andere können das viel besser.

Andere amüsieren sich zum Beispiel bei einem Triathlon. Sie gehen also nicht nur im Wald spazieren. Sie Baden vorher auch und machen obendrein noch einen Radausflug. Das ist reichlich verrückt. Ich habe einen großen Respekt davor. Das nenne ich mal vielseitige Begabung und Talent, sich gegebenenfalls in einer Form der Sportart verausgaben zu können, selbst wenn es in den anderen nicht klappt.

Hut ab! Auch, wenn es leider nicht immer gut geht. So fand der Frankfurter Triathlon kürzlich bei sommerlichen Rekordtemperaturen statt. Das ist quasi so, als käme zu den drei Disziplinen noch eine vierte hinzu. Eine, die über die volle Distanz geht. Leider war die Gesamtbelastung für einen Teilnehmer letztlich zu groß. Er ist deswegen gestorben.

Recht adäquate und einfühlsame Worte dazu hat Thorsten Firlus-Emmrich gefunden. Er liefert keine pauschale Antwort. Er weiß es nicht einfach besser und hat alles vorher kommen gesehen. Er spricht stattdessen über Grenzen und sagt:

Diese Grenzen liegen bei jedem woanders. Kennen kann sie nur jeder selbst.

Genau so ist es. Man sollte auf seinen Körper hören. Der meldet sich schließlich, wenn etwas nicht passt. Technische Hilfsmittel können dabei helfen, das eigene Gefühl aber nicht ersetzen. Man sieht’s im Wald, wenn man seine Trainingsrunden zieht: Kaum jemand ist ohne passende Uhr unterwegs, Brustgurte schimmern durch Laufshirts, Smartphones sind zu sehen, auch schon mal an jedem Arm eines. Es ist erstaunlich, dass nur wenige einen Bollerwagen voll Überwachungstechnologie mit sich führen.

Das ist alles nicht verkehrt. Es kann helfen, den einen oder anderen Impuls zu bekommen. Es kann helfen, das eine oder andere Signal leichter und früher wahrzunehmen. Das Spielen mit all der Technik macht vielen von uns auch erheblichen Spaß. Aber Hören wir doch trotzdem wieder mehr auf unsere Körper. Die melden sich schon.

Und ich mich demnächst sicher auch wieder mehr mit unterhaltsameren Themen.