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Noch eine halbe Rostocker Marathonnacht

Dreimaster auf der Warnow

Wo bekommt man schöne Boote zu sehen? An der Küste, ganz klar. Ein passender Anlass findet sich eigentlich auch immer. Oft muss man auch gar nicht lange suchen. Die Rostocker Marathonnacht ist zum Beispiel ein solcher. Das gilt vor allem für die Läufer der halben Distanz, die hier ausnahmsweise mal im Vorteil sind. Den Teil der Strecke, den sie nicht laufen, fahren sie nämlich per Hafenrundfahrt. Das passt, ist stilvoll und gut für die Aussicht.

Wie die Lokalpresse ganz korrekt schreibt, klappt es sogar mit dem Wetter ganz hervorragend. Das ist ja auch nicht immer ganz selbstverständlich. Da muss man schon mal dankbar sein. Das sind wir hier, keine Frage. Und haben uns natürlich auch adäquat vorbereitet. Und sei es nur durch den morgendlichen Marsch zum örtlichen Backwarenlieferanten für das alltägliche Frühstück.

Runalyze: Brötchen holen als Lauftraining

Das hat mit den gemeinen Trainingsplänen natürlich nicht viel gemeinsam. Man staunt aber doch, was so an Laufkilometern zusammen kommt, wenn man täglich selbst los muss, um das Essen zu jagen. Da gewinnt man doch gleich wieder solide an Respekt vor den guten alten Zeiten, in denen wir alle noch nackig mit der Keule durch den Busch gelaufen sind. Schlimm muss das gewesen sein. Heute tragen wir Kilt beim Sport. Das ist doch um Klassen zivilisierter.

Zum Lauf selbst gibt es gar nicht so irre viel zu sagen. Das verlief alles recht unprätentiös. Das ist etwas Gutes. Strecke gut, Wetter gut, Stimmung gut, Lauf gut. Was will man mehr? Das passt schon so. Dabei dachte ich mir kurz, dass die Trommler aus dem letzten Jahr im Rahmenprogramm fehlen. Ich habe sie glatt erst einmal vermisst. Aber sie waren dabei, haben sich nur hinter dem Start an der Strecke versteckt. Hinterhältige Sache. Aber so freut sich der gemeine Läufer eine Runde extra. Das ist ja auch viel wert.

Ebenfalls toll ist es natürlich, dass sowohl auf das Wasser als auch die Boote Verlass ist. Auf beides kann man nämlich nicht nur im Vorprogramm des saisonalen Laufevents gucken. Das klappt auch sonst super. Gerade rücken zum Beispiel die diversen Schönheiten zur Hanse Sail auf dem Wasser an. Die Regeneration läuft somit unter dem Motto: Masten zählen.

Auch schön.

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Neue Wege wagen. Oder: Zu Besuch bei einem Männerturnverein.

Ein recht charmantes Feature des örtlichen Marathons sind die von lokalen Vereinen organisierten Vorbereitungsläufe. So gibt es nicht erst beim eigentlichen Lauf im September die totale Ernüchterung, sondern man kann schon vorab feststellen, dass man eigentlich gar nicht fit genug ist, um überhaupt anzutreten. Das ist sehr großartig. Man hat dadurch schließlich deutlich mehr Gelegenheiten, larmoyant auf der Couch abzuhängen und am Sinn des Lebens zu zweifeln. Die Läufer unter uns wissen sicher, wie essentiell das in diesem Sport tatsächlich ist.

Diese Vorbereitungsläufe werden alljährlich nach einem recht eingängigen Muster abgespult: Es gibt vier Stück, organisiert werden sie immer von den gleichen Menschen und den Auftakt macht ein Verein direkt auf meiner üblichen Alltagslaufstrecke im Wald hier gleich nebenan. Das kann man somit ruhig mal ausprobieren. Da ist gar keine falsche Bescheidenheit angebracht. Es ist nur so, dass ich mich in den letzten Jahren nie so recht getraut habe. Der auftaktgebende Organisator ist nämlich der Männerturnverein.

Was es alles gibt. Männerturnverein. Da bekommt man Angst. Allein das Wort treibt einen gleich wieder aus dem Wald heraus. Das immerhin ganz schnell, was trainingstechnisch nicht unbedingt nachteilig ist. Aber so ist es ja nicht gedacht. Also: was soll’s? Versuch macht kluch. Und neben der falschen Bescheidenheit kann man auch ruhig die albernen Vorurteile ablegen. Und einfach mal machen. Es ging somit vor kurzem hin zum Verein, um mit den anderen gestandenen Männern ein paar lockere Runden durch den Wald zu traben.

Los ging es morgens um neun. Und der erste dieser anderen Männer saß erst einmal auf einer Bank und gähnte sportlich vor sich hin. Wach ist anders. Aber wer weiß, wass hier am Abend zuvor schon alles los war. Feiern können die Herren sicher auch. Da habe ich volles Verständnis. Zumal der zweite Mann glatt ein Bekannter war. Da haben wir beide aber überrascht geguckt. Ansonsten kennen wir uns von gemeinsamen Aktivitäten in der Schule des Nachwuchses. Jetzt standen wir uns in Laufshorts gegenüber. Verrückt, wie das Leben manchmal so spielt.

Der Rest der Anwesenden schien ganz normal zu sein. Läufer halt. Und auch auf der Strecke lief alles recht überraschungsarm ab. Unsereins war mal wieder deutlich weniger fit, als es eigentlich angebracht wäre. Andere erzählten fortwährend von großen Abenteuern auf den Laufstrecken dieser Welt. Wieder andere schienen froh, nicht ganz allein zu sein und so im Wald nicht vollkommen verloren zu gehen.

Alles in allem war das somit ein gelungener Tagesauftakt, eine brauchbare Trainingsrunde und die Bestätigung, dass auch Vereine mit skurrilen Namen eigentlich ganz okay sein können. Zumal auch Frauen anwesend waren. Es schien noch nicht einmal irgendjemand sonderlich überrascht deswegen zu sein.

In welch toleranten Zeiten wir doch leben.

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Turmberg-Workout. Oder: Man lasse sich lieber nicht von Frauen trainieren.

Sachen machen: Es ist wieder Saison dafür. Also, die ist natürlich immer, klar. Aber wenn es um sportliche Sachen geht, passt es jetzt gerade besonders gut. Wir haben schließlich Frühling. Da frieren wir uns eher wenig ab. Da schwitzen wir uns nur selten in Grund und Boden. Besser wird’s nicht.

Und Bewegen kann man sich zum Glück auf die vielfältigsten Arten. Es muss ja nicht gleich Marathon sein. Immer nur stumpfsinnig geradeaus zu laufen: Das kann’s schließlich nicht sein. Da geht doch sicher noch mehr. Ein Rundum-Workout-Programm zum Beispiel. Das wäre doch eine nette Abwechslung. Einigermaßen fit fühlt unsereins sich auch. So schlimm kann so etwas somit gar nicht sein.

Passenderweise organisiert ein örtlicher Bewegungsveranstalter ein sonntägliches Bewegungsprogramm. Eine Gruppentherapie, quasi. Oben auf dem Turmberg, dem obligatorischen Hügel der Stadt. Das ist natürlich sehr großartig. Das kann man ruhig mal ausprobieren. Probieren passt hier gut ins Weltbild. Also ab, hoch auf den Hügel. Und sei es erstmal noch ohne Zeitmessung, wie wir sie bei den Sonntagslinks gerade angekündigt haben. Oben wird dann ein wenig gedehnt, gestreckt, geliegestützt, gedippt, geplenkt, gehüpft, gesprungen, gedrungen. Als Läufer nennt man so etwas Stabi-Training. Das gehört einfach mal dazu.

Bis sich herausstellt, dass in der Gruppe eine Frau den Ton angibt. Wer so eine Ehre schon mal hatte, ahnt, was das heißt. Hier werden sofort Erinnerungen wach. An die Guten Alten Zeiten(TM), in welchen unsereiner noch Jiu Jitsu trainierte. Das war zu seiner Zeit ein großer Spaß. Bis zu dem Tag, an dem der Trainer nicht konnte. Und stattdessen seine Frau die Regie übernahm; eine kleine, zierliche, leicht zu unterschätzende Dame. Schon nach dem von ihr geführten Erwärmungsprogramm lagen wir starken Jungs alle erschöpft auf den Matten, unfähig noch weitere koordinierte Bewegungen, geschweige denn ein ganzes Training zu absolvieren. So fühlte ich mich auch jetzt. Hier, heute. Oder besser gesagt: Am Sonntag, auf dem Turmberg, nach dem Workout, geführt von Señora Drill-Instruktorin.

Wie ich die Laufstrecke zurück bis zum heimatlichen Sofa geschafft habe, weiß ich nicht mehr. Der Muskelkater wird in den nächsten Tagen womöglich langsam abklingen, ich zum Ende der Woche gegebenenfalls wieder zu geschmeidigen Bewegungen in der Lage sein. Ich nehme es zumindest an. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Als nächste Sache, die ich mache, suche ich mir vielleicht lieber etwas aus, was sich am Schreibtisch sitzend erledigen lässt.

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Freiburg-Marathon. Oder: therapeutisches Laufen

In der kleinen wöchentlichen Linksammlung dieses Blogs – gemeinhin Sonntagslinks genannt – gab’s vor kurzem einen dezenten Hinweis auf den Freiburg-Marathon. Da Reden und Verlinken nur das eine sind, Laufen aber etwas anderes, habe ich angemeldet und war gestern mit dabei.

Das war gut so. Denn nach einer kompletten Marathonpause im letzten Jahr tat so eine längere Laufeinheit mal wieder ganz gut. Die Pause gab’s aus Gründen, wie es so schön heißt. Genau genommen war es irgendwas mit Knie. Es war selbst verschuldet: zu viel, zu hart, zu wenig clever trainiert. Zack, tat’s weh. Sehr sogar. Zusammen mit der Osteopathin meines Vertrauens habe ich mich zwischenzeitlich ein wenig darum gekümmert, dieses gemacht, jenes getan, anderes eher eine Weile sein gelassen und siehe da:

Über Zeiten reden wir hier ja eher nicht so. Ganz Findige können diese gern auf der Webseite des Laufveranstalters nachschlagen. Aber ich verrate mal soviel: Es lohnt sich nicht. Sie waren schon besser. Sie werden auch wieder besser. Wichtig war dieses Mal nur: Das Knie hat mitgespielt. Gezuckt hat höchstens eine Blase am kleinen Zeh, die ich mir kürzlich auf einer Tour mit nassen Füßen zugelegt habe. Aber irgendwas ist ja immer.

Was übrigens den Freiburg-Marathon angeht: Nachdem der bisherige Veranstalter wegen sinkender Teilnehmerzahlen aussteigt, stand die Veranstaltung wohl ein wenig auf der Kippe. Es scheint jedoch weiter zu gehen. Das ist sehr löblich, auch wenn dieser Partystimmungs- und Event-Charakter, zu dem es immer mehr tendiert, nun, nicht jedermanns Sache ist. Aber ein gesundes Maß an Ignoranz kann einem in solchen Momenten sehr helfen. Und es lohnt sich ja auch. Diese Stadt hier in den Südstaaten, sie ist schließlich recht sehenswert. Auch entlang der Strecke.

Und ich gucke jetzt mal, was dieses Jahr vielleicht noch so bringen könnte.

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Der Nachwuchs als Personal Trainer

Die Sache mit dem Laufen ist eine recht feine. Dadurch kommt man sogar als überzeugter Schreibtischtäter gelegentlich an die frische Luft, es sorgt für etwas mentalen Ausgleich, es gibt ein paar Momente der Ruhe zum Hören der diversen Podcasts und so ganz nebenbei hält es wohl auch noch fit. Wobei ich mir beim letzten Punkt nicht ganz sicher bin, man hört die Geschichten mit den Verletzungen ja immer und überall.

Ein Problem hat der ganze Spaß jedoch: Er kostet Zeit. Wer Laufen geht, ist unterwegs. Während dieser Zeit kann man wenig andere Sachen machen. Von den paar Ausnahmen da oben mal abgesehen ist die Zeit somit verloren. Das ist durchaus frustrierend, es gibt keinen Grund, das schön zu reden. All die schönen Stunden, die man da im Wald abhängt, sind Stunden, die man zum Beispiel nicht mit der Familie hat. Dieses gemeinsame Herumhängen und in der Nase bohren klappt halt nur, wenn man sich gemeinsam und gleichzeitig die Zeit nimmt, genau das zu tun. Läuft gerade einer in der Gegend herum, ist das eher kontraproduktiv.

Außer, es kommt noch jemand mit. Das passiert hier nicht fortwährend, aber es kommt gelegentlich doch vor. Zu oft wäre es wohl nicht gut. Der Reiz würde sich abnutzen. Auf Dauer möchten auch die Kinder lieber nicht damit konfrontiert sein, dass ihr großer Held und Vorbild müde schnaufend die Wege entlang hechelt.

Kürzlich hat der Sohn sich jedoch mal wieder durchgerungen. Es war zur regulären Sonntagsrunde. Seine Kumpel waren alle anderweitig unterwegs, die Spielalternativen somit doch arg eingeschränkt. Da ließ er sich glatt überzeugen, mich mal wieder zu begleiten. Auf so einer Sonntagsrunde ist das ja auch nicht weiter schlimm. Die läuft schließlich eher entspannt ab. Auch wenn die Distanz vielleicht ein wenig länger ist, so gibt’s im Tempo doch eher einen lockeren Trab. Das ist schaffbar. Da kann er entspannt mit seinem Rad nebenher dahingleiten.

Also sind wir gemeinsam los. Und was soll ich sagen? Nicht viel. Zumindest nicht auf der Strecke. Ganz im Gegensatz zu meiner Begleitung. Ich glaube, es waren keine zehn Meter am Stück, auf denen er nicht ununterbrochen erzählt hat. Wie nebenbei und fast unbemerkt hat er dabei aus dem besagten Trab eine sportliche Tempolaufrunde gemacht.

Wie es sich gehört, habe ich mich ordentlich und angemessen dafür bedankt. Also: nachher, als ich wieder ausreichend Luft bekommen habe. Dass mir diese unterwegs ein wenig knapp wurde, habe ich ihm gesagt. Und wie ich mich freute, dass er es so respektabel lässig aufgenommen hat.

Sein irritierter Blick war fast schon Antwort genug. Er habe sich schon gewundert, warum ich unterwegs so wenig gesagt hätte, meinte er dann. Und ergänzte: »Du hättest doch etwas sagen können. Dann wäre ich auch langsamer gelaufen.«

Tja, hätte ich mal. Können.

Bis zum nächsten Mal trainiere ich wohl lieber heimlich etwas intensiver. Schlimm, dieser Druck.