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Frankfurt Marathon. Oder: Geht doch.

Jetzt gebe ich es doch mal ganz ehrlich zu: Mit Frankfurt habe ich eher so eine ambivalente Beziehung. Man kann es auch gern direkter ausdrücken: Diese Stadt ist mir schlicht egal. Ich habe nichts gegen sie, von mir aus kann sie da ruhig sein, aber sie versprüht auch wenig Charme. Unbedingt besuchen muss man sie eigentlich nicht.

Außer natürlich, es ergeben sich passende Gelegenheiten. Heute war so eine. Und so kam daher, dass ich mich beim letzten lokalen Marathon ein wenig (sehr) über mich selbst geärgert habe. Es ging dabei um dieses alberne Spiel, in welcher Zeit man seine 42 Kilometer so gelaufen ist.

Ich sage albernes Spiel, denn es ist genau das. Von ein paar Spitzenathlethen mal abgesehen, ist es gemeinhin nämlich recht gleichgültig, was für Zeiten man so läuft. So rein rational, versteht sich. Aber wo bliebe der Spaß, wenn wir uns alle nur rational verhalten würden? Eben. Also gucken wir auf Zeiten.

Und da wird’s interessant. Denn auch wenn die Zeiten eigentlich halt vollkommen egal sind, werden sie insbesondere dann relevant, wenn es sich um die eigenen handelt. Mit den Zeiten der anderen ist es etwas anderes. Ich empfehle da eine gewisse Ambiguität: Man kann sie auf der einen Seite natürlich zur Kenntnis nehmen und sich mit den anderen über ihre Ergebnisse freuen (oder auch mal ärgern), muss sie auf der anderen Seite aber deswegen noch lange nicht als Maßstab für sich selbst heranziehen. Als dieser eignet sich die eigene Laufhistorie viel besser. Doch, doch, ist wirklich so.

Da wir ansonsten an dieser Stelle immer nicht so richtig viel über die Laufzeiten verraten, gehe ich hier, jetzt und heute mal gnadenlos ins Detail. So gab es beim Elbdeich-Marathon im Frühjahr mit vier Stunden und 26 Sekunden eine neue persönliche Bestzeit. Darüber freut man sich entsprechend und denkt nur leise vor sich hin, dass die halbe Minute dann ja irgendwie sicher auch noch drin gewesen wäre.

Beim oben schon erwähnten Baden-Marathon war es dann halt so, dass ich aufgrund ganz persönlicher Verpeiltheit satte vier Stunden und 40 Sekunden gebraucht habe. So geht das natürlich nicht, das kann man so nicht auf sich selbst sitzen lassen. Das gilt übrigens ganz unabhängig davon, dass viele andere ihre Runden locker in weniger als vier Stunden absolvieren. Siehe oben: Das ist schön für die anderen und wir freuen uns gern mit ihnen, für die eigene Lauferei hat das aber schlicht keine Relevanz.

Zweimal kurz hintereinadner an der vollen Stunde vorbei zu laufen hat jedoch keinen Stil. Dieser Unfug gehört behoben. Direkt nach dem Baden-Desaster habe ich mich also umgeguckt, was dieses Jahr noch so angeboten wird und mich etwas bockig zum Frankfurt-Marathon angemeldet.

Der lief dann heute. Bei angenehm frischen Temperaturen, Nieselregen gab’s auch. Alles prima, könnte man meinen. Aber ich gebe schon wieder etwas ganz ehrlich zu: So zerstört wie nach diesem Lauf habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Dafür hat jedoch immerhin die Sache mit den vier Stunden geklappt. Frankfurt hat jetzt glatt einen Bonuspunkt in der Gunst des Hauses verdient. Der Stadt ist das bestimmt total egal. Ich find’s gut.

Und wer sich jetzt fragt, warum man sich so etwas gönnt (andere sagen: antut), obwohl man doch anschließend recht breit und fertig in der Ecke sitzt, um dort nur noch wenig kohärente Laute von sich zu geben, dem sei mit einem der Motivationssprüche vom Straßenrand geholfen:

Wenn es einfach wäre, hieße es Fußball.

Wie poetisch.

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BadenMarathon absolviert, trotzdem nicht begeistert

Wetter gut.
Essen gut.
Läufer gut.
Ergebnis nicht so gut.

Man hat’s mit der Lauferei wirklich nicht leicht. Das macht zwar Spaß, aber am Ende ist man trotzdem erschöpft. Andere Hobbies sind da rücksichtsvoller. Aber so sei es. Spiel, Spaß und Entspannung ist ja dabei. Passt schon.

Heute gab’s dann wieder die jährliche Inkarnation des lokalen Baden Marathons, hier in den Südstaaten. Unsereins war natürlich dabei. Wenn’s schon eine lokale Eventszene gibt, kann man die auch ruhig unterstützen. Wie man am Bild oben sieht, lief es auch. Bis zum Ende. Immerhin.

Wie kann man trotzdem nicht begeistert sein? Gute Frage.

Es war nämlich wirklich so, dass alles ganz gut gepasst hat. Prima Laufwetter. Prima Vorbereitung, zumindest in dem Sinne, dass hier derzeit keinerlei Verletzungen oder ähnliche Unannehmlichkeiten zucken. Die allgemeine Entspannungslauferei vollzieht sich momentan auch recht geschmeidig.

Da bot es sich nun wahrlich an, mal auf die ansonsten eher vollkommen egalen und albernen Zeiten zu gucken. Freizeitmarathonläufer möchten ja irgendwie gern unter vier Stunden brauchen, um ins Ziel zu kommen. Das ist natürlich eine reichlich willkürliche Zahl, es könnten ja auch 222 Minuten sein, was aber halt auch ambitionierter ist. Ich nehme mir so einen Unfug normalerweise nicht vor. Wozu auch?

Aber heute hatte ich den Luxus, dass mit Marco ein weiterer lokaler Freund des Laufens zumindest in der ersten Hälfte mit dabei war. Und er hat es irgendwie geschafft, mir einen soliden Vorsprung auf dieses Vier-Stunden-Tempo abzuringen. Vielen Dank nochmal dafür. Und wenn man so einen Vorsprung nun mal hat, kann man ja auch was draus machen. Läuft ja derzeit alles gut, siehe oben.

Praktischerweise gibt’s bei der Veranstaltung hier auch sogenannte Zielläufer. Diese laufen nicht nur bis zum Ziel, sondern das auch noch in einer vorbestimmten Zeit, in drei Stunden und 59 Minuten zum Beispiel. Alles, was ich in der zweiten Hälfte zu tun hatte, war somit, diese Läufer nicht an mir vorbeiziehen zu lassen.

Gedacht, getan, vor ihnen ins Ziel. Und insgesamt mit vier Stunden und 40 Sekunden die Ziellinie überschritten.

Das ist – wie gesagt – natürlich vollkommen gleichgültig. Aber ich bin trotzdem nicht begeistert. Echtjetztmal.

Und die Moral von der Geschicht? Läufer handeln nicht immer rational und sind prompt nicht erpicht.

Update:
Die Zeitläufer, sie haben nichts falsch gemacht.
Das war ich als Läufer, ich hab’s nicht durchdacht.
Wenn unterschiedlich die Zeiten, zu denen wir starten,
Sollte man am Ziel lieber nicht einfach faul auf sie warten.

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Aussortierte Laufschuhe: On Cloudflow

Okay, ich gebe es ja zu: So ganz nagelneu sehen die Schuhe da oben nicht mehr aus. Aber das ist auch Absicht so. Denn während man gemeinhin bei Meinungsäußerungen zu Laufschuhen die Exemplare gern in ihrer jungfräulichen Frische erlebt, ist das hier natürlich anders. Wir zeigen sie, wenn sie ihren Dienst erfüllt und den Geist aufgegeben haben. Und aus diesem Blickwinkel haben sie sich doch recht tapfer gehalten, oder?

Durchaus, auf den ersten Blick zumindest.

Aussortiert werden sie deswegen:

On Cloudflow mit gerissenem Obermaterial.

Das Obermaterial reißt also. An mehreren Stellen. Da sind wir hier gnadenlos, wenn das passiert, fliegen Laufschuhe aus der Trainingsrotation heraus. (Es herrscht kein Mangel an Alternativen im Regal, aber das ist eine andere Geschichte, eine leidige.)

Da diese »Cloudflow« das erste Paar von On-Running hier im Haus sind, stellt sich natürlich eine Frage: Wie haben sich diese Clouds unten an den Sohlen geschlagen? Dabei handelt es sich um Hohlräume, welche an der Sohle der Schuhe zu finden sind, genau dort, wo normalerweise eine mehr oder weniger glatte Sohle zu finden ist. Im Bild oben sind sie ganz gut zu erahnen. So sehen sie bei genauerer Betrachtung am Lebensende des Exemplars hier aus:

Die ausgelaufenen Clouds der Cloudflow.

Die Sohlen mit ihren Luftblasen sind also abgelaufen, aber für ein Lebensende halten sie sich durchaus noch recht respektabel und stilvoll. So liefen sie sich auch, welch‘ Konstanz.

Die Moral von der Geschicht? 1.150 Kilometer haben sie gehalten, ich bin durchaus erpicht.

So eine vierstelle Kilometerzahl ist bei einem Paar Laufschuhe eine sehr solide Sache. Das passt. Es war – wie gesagt – mein erstes Paar von On und ich sag’s mal so: Hat Spaß gemacht; gerne wieder.

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Eine halbe Marathon-Nacht

Wo gibt es einen Ausflug mit dem Boot von der Hafenrundfahrt samt daran anschließenden Halbmarathon? Bei der Rostocker Marathon-Nacht, ganz genau. Wir hatten das hier ja schon zweimal.

Dieses Mal hätte unsereins auch endlich mal die ganze Strecke laufen können. Aber dafür muss man dann die Bootsfahrt opfern und irgendwelche Ärzte haben hier vor kurzem auch für die erste Krankschreibung seit Jahrhunderten gesorgt. Da gab’s halt eine Trainingspause. Und die Sache mit dem komplett unvorbereiteten Marathon hatten wir ja letztes Jahr gerade erst. Muss man ja nicht immer so machen.

Also Kilt gewickelt, ab auf’s Boot, die Sonne über dem Warnowtunnel bestaunen und dann ab durch den Tunnel auf die Strecke. Dort lief’s dann ganz gut. Es kam jetzt keine Bestzeit heraus, aber doch ein annehmbar passabel flottes Tempo, geschmeidig gleichmäßig über die ganze Zeit. So soll das sein. So kann es bleiben. Gerne wieder.

Das ist schon hübsch hier oben an der Küste.

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Ein Knastmarathon

Was man beim ersten Versuch vergeigt, könnte beim zweiten ja besser klappen, oder? Nun, einen Versuch war das jetzt wert, das DNF beim Knastmarathon im letzten Jahr war schließlich nicht nur unschön, sondern hat auch so einen Schalter im Kopf umgelegt und zack, lief es für eine ganze Weile generell nicht mehr so toll. Das ist ja kein Zustand, echt jetzt mal. Also gab’s heute einen neuen Anlauf. Und prompt führte der auch bis zur Ziellinie. Geht doch.

Ich kann das ürigens sehr empfehlen, dieses Laufen im Darmstädter Knast. Was für eine tolle Veranstaltung. Die Location ist recht einzigartig, was wohl ein wenig auf der Hand liegt.

Portrait des KnastläufersDrinnen, hinter der Fünfmetermauer und dem ganzen Stacheldraht, gibt’s einen ordentlich organisierten Marathon. Da findet sich wirklich nichts, was bei so einer Veranstaltung sinnvollerweise dazugehört und dass es hier nicht gibt.

Die Verpflegung ist vor, während und nach dem Lauf aufgebaut und in ausreichenden Massen verfügbar. Selbst Kaffee und Tee werden gereicht. An der Strecke gibt’s unter anderem Cola. Und ich werde nicht müde zu betonen, wie großartig Cola als Streckenverpflegung ist. Das klingt so simpel und profan, ist jedoch sehr, sehr toll. Liebe Marathonorganisatoren: Besorgt Cola und schenkt sie mit aus. Die Welt wird automatisch zu einer besseren.

Neben Bananen und Orangenscheiben wurden außerdem Schokoriegel serviert. Die rangieren zumindest in meiner Gunst ja direkt hinter der Cola. Auch so ein einfaches Ding: Legt Schokoriegel hin, bitte. Ohne die Bananen wegzulassen, versteht sich.

Für die Zeit nach dem Lauf hat auch jemand an den Käsekuchen gedacht. Andere Kuchensorten standen auch herum. Von denen weiß ich aber nichts weiter. Der Käsekuchen war auf jeden Fall super.

Dass die Versorgung nicht nur wohlsortiert, sondern auch häufig verfügbar war, gehört ein wenig zu den hausgemachten Features. Man läuft auf dem Knastgelände schließlich 24 Mal auf einem Rundkurs. Da braucht’s halt nicht viel, bis man ganz automatisch an der Versorgungsstation vorbei kommt. (Das ist jetzt nicht ganz so dekadent wie beim Hallenmarathon, aber da wollen wir mal nicht so sein.)

Im Knast gibt’s natürlich auch keine Dixi-Klos. Stattdessen sind einfach ein paar der Toiletten in den ganz normalen Knastbaracken für die Laufenden freigegeben. Auch das klingt wieder recht banal. Wer aber schon mal Kontakt mit der sonst üblichen Dixi-Sammlung hatte, wird das wertschätzen können.

Anfeuernde am Streckenrand gibt’s übrigens auch. Neben den Organisierenden sind das vor allem für jeweils eine Stunde zwei verschiedene Gruppen von Knastbewohnern, die ihren Ausgang während des Marathons haben. Die einen bewegen sich hinter einem respektablen Zaun, die anderen stehen quasi direkt an der Strecke. Die Sprüche von dort haben nicht immer ein gepflegtes Aphorismen-Potenzial, aber das gehört sich an dem Ort auch so. Autenthisch gewinnt. Und eins verrate ich gern: Auch das Händeabklatschen beim Vorbeilaufen hat eine andere Qualität, als eben dieses bei den Kleinkindern, auf deren Händchen man sonst so an der Strecke trifft.

Weniger toll ist übrigens die Strecke, wie sie meine GPS-Uhr interpretiert:

Die Strecke, wie die GPS-Uhr sie sieht

Abgesehen davon, dass sie zwischendurch mal kurz das Gelände verlassen hat (ohne mich, ich schwöre!), hat sie sich auch zweimal eine Pause beim Aufzeichnen gegönnt. Laut Uhr war dieser Marathon somit nur 32 Kilometer lang. Sitten sind das. Liebes Gadget, so bleiben wir keine Freunde.

Liebe Organisatoren von kleinen, feinen Laufveranstaltungen: Bei Euch sieht das anders aus. Euch mag ich sehr. Auch im Knast. Vielleicht sogar besonders im Knast.