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Andere laufen heute einen Trail-Marathon

Auf einem der Social-Media-Kanäle habe ich kürzlich glatt eine Überraschung erlebt. Das passiert ja doch eher selten. Gemeinhin ist das Geschehen dort relativ erwart- und vorhersehbar. Aber dann kam Robin und bemerkte so ganz en passant, dass er sich gerade auf einen Marathon vorbereite. Da guckt man ja doch zweimal hin und blinzelt kurz. Es stimmt jedoch tatsächlich: Der Trail-Marathon in Heidelberg findet heute statt.

Wer hätt’s gedacht. Unsereiner hat diese Saison bezüglich Laufevents bereits abgeschrieben. Davon geht die Welt auch nicht unter. Ist’s halt so. Laufen kann man schließlich auch ohne Veranstaltung. So zumindest die Theorie. Praktisch stelle ich fest, dass die letzte Zeit doch eher entspannt und passiv verlief.

Das kann man zum Beispiel an obigem Pulsverlauf auf einer kleinen Sonnenscheinrunde erkennen, die es heute doch mal gab. Bei der Distanz und dem Tempo (nicht im Bild) sollte diese quasi vollständig im grünen Pulsbereich verlaufen. Dem war recht offensichtlich nicht so. Ausnahmen bilden lediglich kleine Zwischenstopps an Ampeln bzw. Stationen eines lokalen Klangpfads, auf den das Trainerkind uns führte.

Wünschen wir Herrn Robin und den anderen Laufys in Heidelberg heute eine bessere Kondition. Zumal es nicht einfach nur ein einfacher Marathon ist, sondern einer, bei dem es kräftig bergauf und -ab geht. Man werfe zur Inspiration ruhig mal einen Blick auf die Bilder des Archivs. Hut ab!

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Aussortierte Laufschuhe: Brooks Neuro 2

Es gibt ein großes Dilemma, wenn man sportlich viele Laufschuhe im Regal hat, aber nur weniger sportliche Umfänge mit diesen absolviert: Man braucht halt immer eine Weile, bis mal wieder ein Paar durchgelaufen ist und Platz machen darf. Irgendwann ist’s dann aber doch soweit. Hier und heute ist es ein Paar Brooks Neuro 2, welches in den Ruhestand geht.

Brooks Neuro 2 mit gerissenem Obermaterial.

Wie schon bei den guten alten Cloudflows macht auch hier wieder das Obermaterial schwach. Wieder vor allem beim linken Schuh. Man könnte jetzt mal in Ruhe darüber nachdenken, was das so über den kreativen Laufstil des Hauses aussagt. Aber das machen wir jetzt nicht. Wollen ja nicht abschweifen.

Brooks Neuro 2 mit gerissener Schlaufe

Spannend ist allerdings, dass sich hier weiteres Material müde wird und aufgibt: Die Schlaufen für die Schnürsenkel. Reißen einfach. Frechheit. Wo soll man da mit den Senkeln hin? In die Hand nehmen ist ja auch nur mäßig toll.

Also alles Schrott?

Na, nicht ganz. Die Sohle spielt zum Beispiel recht solide mit. Zumindest auf den ersten Blick wirkt sie doch fast wie neu. Ein zweites Mal muss man ja nicht so genau hingucken. Aber da reißt nichts, da bricht nichts. Feine Sache.

Brook Neuro 2 von unten.

Entsprechend lange haben sie mitgespielt. Das ist nicht eh klar. Brooks geben hier im Haus gemeinhin schnell mal auf. Mehr als sechs- bis siebenhundert Kilometer sind da oft nicht drin. Dieses Exemplar bringt es auf 1.030 Kilometer, schaffen also die mileneale Schallmauer. Das ist ja auch irgendwie wichtig, man geizt halt so vor sich hin. Wer will schon alle paar Wochen neue Schuhe kaufen? Eben.

Oder kurz: Brooks? Rehabilitiert. Kann man laufen. Ruhestand verdient.

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Leichtfüßige Eleganz

Die letzten Wochen (Monate!) haben ganz beiläufig recht faszinierende Nebenwirkungen gezeigt. So wurden manche der gemeinhin recht einsamen Laufrunden des Hauses vom ebenfalls hier wohnenenden Trainerpersonal begleitet. Ich erwähnte das anlässlich des Ostermarathons bereits.

Zwischenzeitlich hat das ein wenig nachgelassen. Irgendwann kannten die Kinder alle üblichen Runden der Gegend. Da nutzt sich der Reiz der Begleitung eines schnaufenden Erziehungsberechtigten ein wenig ab. Das ist durchaus verständlich.

So manches Mal bietet sich dann aber doch wieder eine Gelegenheit. Und zack, radelt die junge Trainerin neben mir her. Oder besser gesagt: vor mir davon. Sie lässt das Rad einfach laufen. Man muss da nicht unnötig herumbremsen. Stimmt schon.

Ich trabe hinterher. Nach Jahren des Trainings bin ich zwar nicht wirklich schneller geworden, aber doch eleganter. Strecke für Strecke, Runde für Runde, Lauf für Lauf verbessert sich die Technik schließlich. Das kann man gar nicht vermeiden. Das passiert einfach so. Leichtfüßig gleite ich also dahin, schön im gleichmäßigen Takt, konstant und elegant der Trainerin hinterher.

»Was meinst du, woran erkenne ich eigentlich, ob du gerade weiter weg oder dichter dran bist?«, fragt sie plötzlich.

Nun, gute Frage. Atmen muss ich natürlich. Die Sonne ist schließlich spontan aufgetaucht, da wird einem schon mal warm. Das ist im Detail vielleicht wenig elegant, kann doch aber mal passieren. Dass sie es so deutlich hören kann, überrascht jedoch. Aber so sei es. Damit kann ich leben. An der nächsten Ampel einfach dreimal tief durchatmen und alles passt wieder.

»Ist ganz einfach. Mal kann ich dein Trampeln ganz laut dicht hinter mir hören und sonst höre ich es etwas leiser von viel weiter weg. Aber immer ganz deutlich.«

Allein zu Laufen hat doch klare Vorteile.

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Ein Wings for Life World Run

World Run, puh. Das klingt viel.

Aber immer gemach. Denn wir wissen ja wie das ist: Selten sind die Sachen so dramatisch, wie sie erst einmal erscheinen mögen. So ist es auch beim Wings for Life World Run. Der Name verrät es schon: Es geht um einen Lauf. Dabei ist hier alles ein klein wenig anders als sonst. Es gibt nämlich zum Beispiel keine Ziellinie. Sondern es gibt ein Catchup-Car, also ein Auto, welches nach den gestarteten Läufern irgendwann langsam losfährt, schrittweise schneller wird und dabei der Reihe nach die Laufenden einholt. Sobald man eingeholt wird, ist man aus dem Rennen. Was zählt ist die Distanz, die man bis dahin zurückgelegt hat.

Und in diesem Jahr findet das alles natürlich virtuell statt. In diesem Jahr treffen sich die Scharen von Läufern nicht in den Großstädten dieser Welt, um vor den Autos davon zu laufen. In diesem Jahr haben stattdessen alle eine App dabei, in welcher das Auto einfach virtuell dabei ist und man angesagt bekommt, wenn die Sache für einen gelaufen ist.

Das ist doch eine schöne Idee. Da sind wir hier natürlich gern dabei. Zumal die Startgebühr auch noch einem guten Zweck zukommt. Verbuchen wir es unter: in der Krise Gutes tun. Und: Spaß dabei haben.

Dieser Spaß dauerte hier übrigens etwas über achtzehn Kilometer. Dazu kommen noch ein paar Meter zum Einlaufen und für den Weg zurück nach Hause. In Anbetracht der blütenden Frühlingssaison ist das gar nicht so verkehrt. Das hat sich doch gelohnt. Für den guten Zweck, für den eigenen Spaß, für das Gefühl von Gemeinschaft selbst beim Alleinelaufen. Nach der halben Strecke kommt einem da schon mal ein anderer Läufer entgegen, »Wings for Life?«, ruft er laut, beide heben wir die Hände zum Gruß. Und weiter geht die Reise. Weitere Läufer kreuzen den Weg, alle jeweils für sich, Abstand und so, passt. Am Ende zieht noch eine flott vorbei, gibt alles, verfällt nur 100 Meter weiter plötzlich in einen lockeren Gang und fängt an, fleißig Selfies zu machen. Auch er wohl ein Mitstreiter.

Das war eine gelungene Sache.

Die Erinnerung an die Veranstaltung kam übrigens von Andrea Löw auf Twitter. Nachdem der Hinweis auf den Ostermarathon von Oliver auf Mastodon spendiert wurde, stelle ich fest: Die Timelines dieser Welt sind eine feine Sache. Da passiert viel Gutes. Lassen wir uns mal nichts anderes einreden.

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Ostermarathon 2020

Besondere Zeiten erfordern besondere Läufe. Das ist ein altes Naturgesetz. Und das gilt natürlich auch zu Zeiten, in denen der Coronavirus so einiges aus den gewohnt routinierten Bahnen wirft. Denn all die gewohnten Laufveranstaltungen finden momentan nicht statt. Da neben dem Herbst das Frühjahr zu den saisonalen Schwerpunkten für diese gehört, sind so einige Termine und Möglichkeiten zum gemeinsamen Beineschwingen Corona-bedingt schlicht nicht verfügbar.

Daran geht die Welt nicht zugrunde. Soviel ist den meisten von uns klar. Hoffentlich. Und doch ist es dem allgemeinen Wohlbefinden durchaus zuträglich, wenn wir nicht kollektiv vom Zustand des ausgeglichenen Rhythmus aus Schreibtischsitzen und Laufen-bis-zur-Belastungsgrenze übergehen in eine Kombination aus phlegmatisch-auf-der-Couch-abhängen und apathisch-in-die-Webcam-der-Videokonferenz-Gucken. Wenn ich das korrekt überblicke, ist es in allen Gegenden unseres Landes weiterhin zulässig und durchaus erwünscht, wenn wir unser physisches und mentales Gleichgewicht durch Bewegung in der freien Natur in Balance halten.

Die Aktion

Das haben sich die Freunde des Münchner Marathons zu Herzen genommen und den Ostermarathon 2020 ins Leben gerufen. Dabei laufen einfach alle Teilnehmer die Strecke für sich allein. Zu Hause, vor der eigenen Haustür. Und hat dafür die vier Ostertage Zeit. Verrückte Idee? Nun, die Teilnehmerliste sagt:

Gemeldete Teilnehmer: 2400

Gut so. 2400 Menschen, die eben nicht nur auf der Couch abhängen und vor sich hin grummeln, sondern den Hintern hochbekommen und etwas für einen guten Zweck tun. Denn die Anmeldung ist mit einer kleinen Spende für das Rote Kreuz verbunden. Über den Laden kann man zwar unterschiedlicher Meinung sein, aber das passt hier schon so.

Erschwerte Bedingungen

Wir haben Frühling. Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen, oder?

Außer vielleicht: Die wahre Plage am Heuschnupfen liegt nicht in tränenden Augen oder einer laufenden Nase. Das eigentliche Drama ergibt sich daraus, dass die kleinen Pollen es schaffen, dass man schon mit dem morgendlichen Aufstehen komplett erschöpft ist und alle Energie des Tages verbraucht hat. Dass die Beine so schwer werden, dass selbst der Marsch von der Couch zum Kühlschrank sich wie eine phänomenale Herausforderung anfühlt.

Wir haben Pest und Cholera überlebt, um uns jetzt von den Pollen niederstrecken zu lassen. So fühlt es sich an. Ich wollt’s wenigstens mal erwähnt haben.

Hilft ja alles nichts

Aber vom Jammern allein ist noch selten ein Marathon fertig gelaufen worden. Selbst wenn man ihn sich auf vier Etappen aufteilen kann, muss man diese auch tatsächlich laufen. Tja.

Support ist alles

Gelaufen wird allein, ganz klar. Da muss man schon seine eigenen Beine bemühen. Aber es hilft natürlich trotzdem, wenn man sich ein wenig helfen lässt. So hatte ich jetzt zum Beispiel ein ganz erlesenes Trainerteam zur Unterstützung.

Ja, ein Team. Beide sagen »Papa« zu mir. Und beide sind gnadenlos. So sorgt die Tochter seit geraumer Zeit für ein angemessenes Stabitraining und erinnert nur zu gern an die beiden zu Hause an der Decke hängenden Ringe. An denen man gar nicht wie ein nasser Sack herumbaumeln muss. Guck mal, sagt sie, man kann sogar einen Handstand darin machen, diesen dann mit einem Spagat verknüpfen, Klimmzüge sind eh klar und dienen doch nur als lockere Aufwärmübung. Und all das macht sie auch noch gern mit bezaubernder Leichtigkeit vor. Erwähnte ich schon mal, dass man eine masochistische Veranlagung braucht, um sich freiwillig von Frauen trainieren zu lassen? Ja, ich erwähnte es. Und das gilt weiterhin. Selbst im Familienkreis.

Der Sohn ergänzt das locker unterwegs auf der Strecke. So einige Male hat er mich in der letzten Zeit begleitet. Schule und Büro finden momentan ja bekanntermaßen zu Hause statt. Da kann man die eine oder andere Mittagspause prima für eine Trainingseinheit verwenden. Er radelt gern nebenher. Er zählt auch gern in klar festgelegten Segmenten entlang der Strecke meine Schritte, berechnet Differenzen zu anderen Trainingseinheiten on-the-fly, stellt fest, wenn die durchschnittliche Schrittlänge um mehr als 10% nach oben oder unten abweicht. Ebenso hat er ein Auge auf Geschwindigkeit und Atemfrequenz am Anfang und Ende der Strecke. »Papa, du sagst ja gar nichts mehr.« Tja, woran das nur liegen könnte.

Während der aktuellen Marathonetappen habe ich übrigens die (jeweils frisch gewaschenen, eh klar) Shirts der letzten beiden Knastmarathone im Wechsel getragen. Auch die helfen gern mit motivierenden Zwischeneinladen. Auf dem einen steht:

Wenn‘s gar nicht mehr geht, einfach weiterlaufen!

Das andere meint:

Genieße den Schmerz, du hast ihn verdient!

Na super.

Unter dem Strich

Das war eine prima Aktion. Danke an die Organisatoren. Danke an das Trainerteam. Danke an das prima Wetter (obwohl etwas Regen gegen diese Pollenplage geholfen hätte, aber lassen wir das).

Ostermarathon – gerne wieder. Gerne ohne Corona.