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Mittagsschlaf

Kinder sind ein Spiegel. Sie gucken einen genau an und machen dann alles nach. Der Unterschied zum Spiegel ist eigentlich nur, dass sie auch dann noch hingucken, wenn man sich selbst schon längst umgedreht hat. Das ist übrigens gar nicht so schlimm, wie mancher von uns gemeinhin denkt. Denn die eigenen Kinder bestätigen einen auch immer wieder darin, dass man sich grundsätzlich korrekt verhält, einen stilvollen Umgang pflegt und auch sonst einfach nur unheimlich großartig, charmant und ausgeglichen ist.

Da sitzt der Sohn schon mal beim Essen und fragt höflich nach einer Serviette, um sich den Mund abtupfen zu können, bevor er zu seinem Glas greift. Da bittet der Sohn schon mal an einem trägen Morgen: Papa, kannst Du mir bitte die Schuhe anziehen? Da unterstreicht er sein Verständnis der Balance von Geben und Nehmen, welche er sich bei seinen Eltern abgeschaut hat, mittels: Ich habe Dir auch schon Deinen Mantel hier hingelegt. Da rennt er auf dem Weg zum Spielplatz schon mal freudig als erster aus der Wohnung, holt den Fahrstuhl und hält an diesem die Tür auf, bis die gesamte Familie es endlich hinein geschafft hat. Da grüßt er vor dem Haus jeden Bauarbeiter mit einem freudigen Guten Morgen!. Welches er allerdings auch nachdrücklich wiederholt, wenn der Angesprochene nicht adäquat reagiert.

Und wenn man als moderner Mann von heute mal voller Elan und guter Laune von der Arbeit nach Hause kommt, da man sich auf rasantes Spiel mit dem Sohn und seinem Fuhrpark freut oder es kaum erwarten kann, in seinem Einkaufsladen wieder nichts verkauft zu bekommen, dann, ja, dann kann es schon mal passieren, dass der Sohn die gerade mit ihm spielende Dame des Hauses fragt: Mama, hat der Papa heute im Büro Mittagsschlaf gehalten?

Ich frage mich, woher er das nur hat.


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Retrospektive. Oder: Mama und Papa sind wie Ying und Yang

Zum Jahresausklang heißt es: Revue passieren lassen. Was hat das letzte Jahr gebracht? Was gab es neues? Was könnte es für die Zukunft bedeuten?

Schauen wir uns zum Beispiel die sprachliche Entwicklung des Sohnes an. Damit ging’s erheblich voran im gerade vergehenden Jahr. Von onomatopoetischen Grundlagen ging es hin zu ausführlichen Erörterungen sinntragender Lebensphilosophien. Manchmal zumindest.

Zwischendurch schien es dabei, als ob der Sohn bei seinem Lerneifer recht eigensinnige Prioritäten setzt. Vieles schien beispielsweise wichtiger als »Papa« zu sein. Letztendlich war das natürlich nichts anderes als sprachliche Effizienz, ganz klar. Natürlich kennt er nicht nur die Dame des Hauses beim Namen sondern auch den großen Mann in der Familie. Dass es ihm dabei nicht nur um das Nachplappern irgendwelcher vorgegebenen Wörter geht, sondern darum, deren Sinn wirklich zu verstehen, merkt man leicht bei genauerem Zuhören.

Zum Beispiel, wenn der Sohn fragt, warum es in seinem Piratenbuch nur einen Papagei, aber keinen Mamagei gibt. Zum Papa gehört die Mama, da kommt der Gei nicht drum herum.

Aber gilt das auch umgekehrt, Herr Sohn?

Na klar: schon beim Frühstück fragt er zusätzlich zur Mamalade nach der Papalade. Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig. Da kann nicht nur ein Elternteil im Glas sitzen.

Und passend zum Sitzen fällt dem Sohn gleich wieder etwas auf und ein neues Wort ein. Das Stück Keramik an der Wand im Bad heißt: Papalette. Ich frage besser nicht, wie er darauf kommt, räume aber erst einmal meine Zeitungen an einen anderen Ort der Wohnung.

Und ich stelle fest: Ein Wort fehlt hier. Immerhin steht jetzt erst einmal ein ganz frisches Jahr vor der Tür. Ich bin mir sicher, der Sohn wird es nutzen und sich etwas passendes einfallen lassen.

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Tortenheber

Ein kleiner Dialog zwischen der Dame des Hauses und dem kleinen Mann am Kaffeetisch:

Er: Messer!
Sie: Nein, mein Sohn, das ist ein Tortenheber.
Er: Messer?
Sie: Tortenheber.
Er: Tortenheber?
Sie: Tortenheber. Das ist so etwas wie ein Ponton für den Tisch, mit dem man Kuchen transportieren kann.
Er: Ah. Tortenheber.

So ein Urlaub am Wasser ist nicht nur erholsam, sondern auch in Bildungsfragen sehr zu empfehlen.

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Sprachliche Effizienz

Schon in jungen Jahren ist es wichtig, mit den eigenen verfügbaren Ressourcen möglichst sparsam umzugehen. Der natürliche Verschleiß kommt sicher noch früh genug. Da muss man nicht auch noch extra nachhelfen. Das sieht der Sohn ganz genauso. Und beschränkt vorläufig sein aktives Vokabular auf exakt fünf Wörter.

Mama sagt er natürlich. Vor allem zu mir. Gelegentlich auch zur Dame des Hauses; nicht ganz so häufig zu wildfremden Leuten, immerhin meist Frauen. Der Zweck des Rufs nach Mama ist für gewöhnlich der gleiche: Befriedigung der Grundbedürfnisse, also Essen und Trinken. Das vom Boten gebrachte Essen greift er sich einfach. Nach dem Trinken fragt er vornehm mit Wort Nummer zwei: Ba. Das ist kompakt genug, um es auch im Zustand der totalen Trockenheit noch herausbringen zu können. Also mitten in der Nacht. Es ist gleichzeitig ausdrucksstark genug, um durch unterschiedlichste Intonationen das Bedürfnis des Sohnes nach unterschiedlichsten Getränken vermitteln zu können. Milch, Wasser, diverse Teesorten: Dank Ba alles kein Problem. Kommt sofort.

Das klappt leider nicht immer mit Wort Nummer drei: Auto. Dafür gibt’s ein eigenes Wort beim Sohn, um sowohl seinem feinsinnigen Gespür als auch seiner Leidenschaft Ausdruck verleihen zu können. Gespür deswegen, weil er Autos schon dann erahnt, wenn andere noch ihren Schlüssel suchen, bevor sie sich auf den Weg zur Garage machen. Leidenschaft deswegen, weil die Autos vom Sohn nicht nur erahnt, angekündigt und besichtigt werden, sondern weil er sie sich greift, anhält und inspiziert. Ab nach hinten in den Kindersitz? Lächerlich. Auf den Vordersitzen spielt die Musik. Da findet man den Sohn. Von dort steuert er das Warnblinklicht ebenso souverän wie die Soundanlage. Dort sieht man ihn auch die Stirn runzeln wegen seiner Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit von Designern, die Autos entwerfen, bei denen es nicht machbar zu sein scheint, vom Fahrersitz aus gleichzeitig einen Blick nach vorn aus dem Gefährt zu werfen, am Lenkrad zu drehen und die Fußpedale zu bedienen. Ganz klare Fehlkonstruktion. Gut, dass wir die Wagen zu Wort Nummer vier haben: Bagger. Kindersitze auf der Rückbank? Gibt’s gar nicht erst! Sicht nach vorn ist entweder kein Problem oder Dank Größe nicht wichtig. Und gesteuert wird mittels Handbedienungshebeln, die sich dem sicheren Griff des Nachwuchses nicht entziehen können. Eine Schlussfolgerung lieght nahe: Bagger sind einfach die besseren Autos.

Dazu sagt der Sohn nur eins, nämlich Wort Nummer fünf: Ja. Hocheffizient. Und der Sohn ist schon jetzt zu keiner Zeit um eine klar verständliche Antwort verlegen.

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Porn for New Moms

Der moderne Mann von heute ist natürlich nicht nur mit sich selbst im Reinen. Glück durch intrinsische Zufriedenheit? Mitnichten! Erst wenn der kleine Mann und die Dame des Hauses zu ihrem ausgeglichenen Karma gefunden haben, stimmt’s auch mit dem des Herrn Papa.

Nun braucht man sich zumindest hier vor Ort um den Sohn in dieser Hinsicht wenig zu sorgen. Ob er nun in Ruhe bei Tisch ist oder sich den Möglichkeiten seiner Zukunftsgestaltung hingibt: es dient alles seinem ausgeglichenen Selbst.

Und für die Dame des Hauses gibt’s das Glück auf Erden jetzt käuflich zu erwerben: Porn for New Moms.

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Damit dabei der Mann von heute, vollkommen unmodern, auch versteht, was er bitte verschenken möchte, wird der Witz im Video hinter obigem Link natürlich erklärt. Klar und deutlich.

Da steht dem Glück ja nichts mehr im Weg.