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Richard Feynman als Erziehungsratgeber

Dass Lesen eine feine Sache ist, haben wir hier schon einmal festgestellt. Und für alle, die es sich noch nicht selbst geben können, ist Vorlesen ein ganz passabler Ersatz. Das einzig Dumme daran ist nur, dass man auf die Wahl der Lektüre nicht immer den ganz großen Einfluss hat. Das kann somit schon mal schief gehen.

Unser Herr Nachwuchs braucht sich in dieser Hinsicht natürlich überhaupt keine Sorgen zu machen. Hier gibt’s nur das Beste. Daran besteht überhaupt kein Zweifel.

Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman! Und zum Besten zählt zum Beispiel Richard Feynman, welcher wohl zu scherzen beliebt. Gern auch in seiner Autobiografie. In dieser verrät er nicht nur, wie das Leben als Atombombenmitkonstrukteur so ist, sondern auch wie man selbst und vor allem als Physikprofessor seinen Spaß in diversen Nachtclubs haben kann.

Wer jetzt meint, dass das keineswegs eine gute Hörlektüre für den jungen Mann im Haus ist, irrt natürlich. Zum einen gehören wohl auch Nachtclubs auf ihre Art zum Leben auf das der Junior ohne Zweifel vorbereitet werden möchte. Zum anderen verrät Feynman bei allen unterhaltsamen Anekdoten vor allem eines: wie der Wille zu einer gesunden Neugier und die Bereitschaft dieser nachzugeben zu einem ereignisreichen und erfüllten Leben führen können. Das ist so schlecht nicht als Moral der Geschicht.

Und für alle, bei denen das mit dem Lesen und dem Lesen lassen nicht so gut passt, gibt’s im Feuerland ein paar Videos in denen Herr Feynman einen Teil seiner Geschichten selbst vorträgt.

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Oje, ich wachse!

Aller Anfang ist schwer. So beginnt das Buch Oje, ich wachse! mit folgender Fußnote gleich auf der ersten Seite:

In diesem Buch wird der Einfachheit halber das Wort »Mutter« benutzt. Eigentlich müßte es immer heißen: »Mutter/Vater/Hauptbetreuungsperson«.

Das ist hart. Selbst für den modernen Mann von heute. Letztendlich ist es aber wohl nur gerecht und tut dem Buch auch nicht wirklich weh.

Oje, ich wachse! Was das Buch macht, ist den Versuch zu starten, verschiedene mentale Entwicklungsschübe eines Babies in seinem ersten Lebensjahr aufzuzeigen und zu erklären. Diese Schübe, heißt es, kommen vorhersehbar bei jeweils einem bestimmten Alter des Kindes. Dieses Alter wird in Lebenswochen angegeben. Mit einer gewissen Toleranz. Was letztendlich dazu führt, dass man praktisch zu jeder Zeit einen mentalen Wachstumsschub dem Verhalten des eigenen Nachwuchses zuordnen kann.

Womit die hauptsächliche Schwäche des Buches deutlich wird: Es verläuft sich im Unkonkreten. Die Aussagen und Theorien werden stets mit kurzen Elternzitaten belegt. Samt Vornamen und Alter des jeweiligen Kindes. Das ist unterhaltsam aber wenig hilfreich. Vor allem, da andere, weiter führende Quellenangaben fehlen. Ein Literaturverzeichnis? Fehlanzeige.

Die Autoren bauen ausschließlich darauf, dass der Leser ihrer Kompetenz vertraut. Das wäre allerdings einfacher, wenn eben dieser Leser eine Chance dafür bekäme. Eben durch weiter führende Referenzen.

Denn einer der zentralen Aussage des Buches möchte man durchaus gern folgen: Nimm Dein Kind auf den Arm. Auch, wenn es Dich vielleicht gerade stressen mag.

Und das ist auf jeden Fall ein guter Rat. Hinzu kommt, dass die Autoren ihn aus einem Perspektivwechsel herleiten: sie betrachten die Situationen aus der Perspektive des Babies, nicht der Perspektive von uns Eltern. Somit ist nicht nur der Rat, den das Buch erteilt, ein sehr guter. Sondern auch die Frage ist es, die dem Rat voraus geht. Die Frage danach, um wen es eigentlich geht: das Kind.

Insofern: lesenswert, nicht nur für Mütter sondern auch Väter und andere Hauptbetreuungspersonen. Auch wenn der Inhalt durchaus fundierter dargestellt und belegt werden könnte.

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Vorlesen schon in der Schwangerschaft

Vorlesen rockt. Ob es nun ganz Deutschland macht oder ob schlicht wir es tun, zählt dabei wohl nicht so viel. Und das Schöne ist, dass man noch nicht mal unbedingt eine dieser öffentlichkeitswirksamen Aktionen mitzumachen braucht. Es reicht, wo immer man ist für genug Licht zu sorgen und sich einen Text zum Vorlesen zu nehmen. Gern ein Buch.

Stephen Fry - Der Sterne Tennisbälle Und natürlich kann man gar nicht früh genug anfangen. Ganz im Gegenteil. Das mit dem Vorlesen klappt sogar schon vor der Geburt. Das Gute in diesem Fall ist die noch sehr freie Themenwahl. Denn wenn der Nachwuchs erst mal soweit ist, mit einem eigenen Willen daher zu kommen und den auch zu artikulieren, lässt sich nicht mehr so einfach die geliebte Mutter des eigenen Sohnes mit Stephen Frys Der Sterne Tennisbälle zu beglücken und in den Schlaf zu begleiten. Und weil die Dame hochschwanger ist, freut sich der angehende Sohn gleich mit, lernt, dass adäquates Vorlesen eine sehr angenehme Sache ist und dass es eine innige Beziehung zwischen Vater und Sohn nicht nur im realen Leben gibt sondern sie auch bereits ihren Platz in der gedruckten Literatur da draußen gefunden hat.

Und mit dem Wissen, dass Stephen Fry blogt, wünsche ich uns allen ein frohes, neues und textreiches Jahr 2008.

Auf geht’s. Let’s rock.