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Bücher verschlingen

Der kleine Mann ist ein Freund des Wortes. Des gesprochenen Wortes natürlich. Aber auch des gedruckten. Ob das nun daran liegt, dass er schon früh vorgelesen bekommen hat, darüber lässt sich jetzt nur spekulieren. Ich bin schlicht mal froh, die Chance genutzt zu haben, bevor die entsprechenden Verlage alle dicht machen.

Mein Stoff-Pop-Up Tiere bei Amazon Mitlerweile ist der Sohn nicht nur größer sondern auch anspruchsvoller geworden. Das einfache Vorlesen reicht nicht mehr. Jetzt möchte er selbst Hand und Mund mit anlegen. Also greift er zielsicher zum Buch. Und da es mit dem Lesen selbst noch nicht so recht klappt, beißt er eben herein. Bevorzugt in gehaltvolle Ware. Die Bücher, die gemeinhin für seine Altersstufe als offiziell sinnvoll erhältlich und sogar mit einer ISBN versehen sind, bestehen aus Stoff, haben farbige Seiten, bunte Bilder und eingenähte Stofftiere, welche sich gut besingen lassen. Das alles ist nicht schlecht. Aber Zeitungen oder Bücher mit Text schmecken offenbar besser.

Der kleine Mann ist halt ein Freund des Wortes.

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Nachtisch

Der kleine Mann hat zu vielen Themen eine Meinung. Eine ganz klare. Und die äußert er natürlich auch. Zum einen verbal. Aber wenn er meint, dass das Verständnis des Gegenübers hierbei zu wünschen übrig lässt, dann zum anderen auch gern auf weiteren Wegen.

Wenn er zum Beispiel deutlich auf den Tisch haut, sobald die Eltern daran zum Essen bereit sitzen, hierbei ganz klar die Zielsicherheit der eigenen Hände beim Zugreifen an allen möglichen Lebensmitteln und Esswerkzeugen trainiert, wenn er jeden Happen der Eltern auf dem Weg vom Teller zum Mund mit großen Augen verfolgt und beim Kauen selbst emsiger dabei ist als die Essenden selbst, dann ist das alles ein deutliches Zeichen, dass der kleine Mann in dieses Familienritual mit einbezogen werden möchte.

Da wir dem Sohn die Wünsche nicht nur von den Augen sondern auch vom Mund ablesen, fangen wir natürlich gern mit dem an, was der gemeine Volksmund leger als Beikost bezeichnet. Was ein sehr harmloses Wort für eine sehr große Veränderung im Ernährungsverhalten des kleinen Mannes darstellt. Bedeutet es doch nicht weniger als den Sprung von der ausschließlichen Versorgung mit maßgefertigter Flüssignahrung aus der Mutterbrust hin zu der vollen Bandbreite dessen, was die Natur sonst noch so zu bieten hat.

Buch 'Babyernährung gesund & richtig' Nun sagt die einschlägige Literatur, dass der Wechsel hin zu einer ausgewogenen und sehr vielseitigen Ernährung nur in kleinen Schritten erfolgen soll. So machen es die fehlenden Zähne schwierig, ganze Pastinaken am Stück weg zu mampfen. Ergo gibt es selbige erst einmal im Äquivalent der vorgekauten Konsistenz, also aus dem Glas. Schön erwärmt und mit dem Löffel verabreicht, wenn auch viel zu langsam für den kleinen Gourmet.

Gemäß der Literatur soll sich aber auch die Vielseitigkeit der nichtflüssigen Ernährung nur sehr langsam aufbauen. Pastinaken? Sind in Ordnung. Aber zumindest für die erste Woche bitte auch exklusiv. In Woche zwei können dann gern Knollen aus der Erde dazukommen. Aber bitte immer schön eines nach dem anderen. Und bitte immer erst einmal eine Woche lang gucken, wie es mit der Akzeptanz beim Essenden so läuft.

Nun hat er aber eben seine eigene Meinung. Wenn ich ihn direkt nach dieser frage, bekomme ich nur eines als Antwort: Das geht hier alles viel zu langsam. Die Zeichen setzt er ganz klar: Der Brei der ersten Woche war ein netter Anfang. Als nächstes gibt’s doch bitte Apfelkuchen, dazu Kaffee mit Milch aus dem Glas. Und zum Nachtisch ein leckeres Butterbrot.

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Freie Meinungen zum Ferkelbuch

Die Sache mit dem Ferkelbuch gab’s hier erst vor kurzem.

Aus aktuellem Anlass möchte ich deswegen eine Anmerkung nicht unterschlagen: Aus der Idee mit der Indizierung ist nichts geworden. Wie man in der gedruckten Presse derzeit reichlich nachlesen kann. In Blogs natürlich ebenfalls.

Man darf sich also weiterhin seine eigene Meinung bilden. Hat ja auch seinen Reiz.

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Das Baby

Der gemeine Mann von heute, ob nun modern oder nicht, ist doch meist recht einfach gestrickt. Als wir hier beispielsweise das letzte Mal ein Buch über kleine Leute mit großen Eltern zum Thema hatten, gab’s auch gleich zum Einstieg einen kleinen Fall von väterlicher Larmoyanz: es drehe sich ja doch alles nur um die Kindsmütter.

Was sind wir doch arm dran.

Nur gut, dass es auch noch andere Männer gibt. Am besten welche, die einen verstehen. Und am allerbesten welche wie Louis und Joe Borgenicht. Die beiden sind nicht nur selbst Vater und Sohn, sondern haben auch noch ein Buch auf den Markt gebracht. Das kommt daher mit einem einfachen Titel – Das Baby – und kaschiert dabei etwas hochkomplexes: eine Bedienungsanleitung zum Nachwuchs.

Das BabyDie gibt es ja bekanntermaßen nicht gleich zur Geburt dazu. Was sicherlich nur zu einem verschwindend geringen Teil am fehlenden Handschuhfach liegt. Vielmehr dürfte die ganz offensichtliche Sinnlosigkeit eines Unterfangens Schuld sein, das tatsächlich versucht, die Funktionsweise eines so hochkomplexen Gebildes wie des eigenen Nachwuchses in ein Buch zu quetschen, welches auch von uns Testosterondenkern verstanden wird, die wir doch statt zu lesen viel lieber schrauben oder zum Bohren in den Keller gehen.

Genau das haben die beiden Herren aber gemacht. Und zwar höchst unterhaltsam. Den ganzen Weg vom ersten Kapitel über Vorbereitung und Installation, über die Programmierung des Schlafmodus bis hin zu Sicherheitshinweisen und Notfallversorgung.

Schön zum Blättern. Schön zum Gucken. Schön zum Staunen. Und irgendwie sogar schön zum Lesen.

Bitte ein Exemplar für jeden von uns. Denn Bücher mit dem Untertitel Inbetriebnahme, Wartung und Instanthaltung passen auch für uns eher einfach gestrickte Konsumenten der gebundenen Papiersammlungen.

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Das Ferkelbuch

Der Nachwuchs ist schon jetzt sehr stark mit einem eigenen Willen und einer eigenen Meinung gesegnet. Dabei soll es natürlich bleiben, nicht zuletzt ist so der moderne Mann von heute zugleich der Herr Papa des Sohnes, der nicht nur heute schon das moderne Kind von morgen ist.

Aber wie dem auch sei, der moderne Mann von heute ist natürlich froh über jede Form der Unterstützung für eine möglichst umfassende humanistische Bildung des Nachwuchses. Und er ist dankbar, dass es diese Unterstützung gibt. Meistens zumindest.

Ferkelbuch bei Amazon Sehr beliebt in Bildungsfragen sind Bücher. Ein solches macht gerade die Runde und wird sehr hitzig debattiert: Das Ferkelbuch. Oder genauer: Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel. In diesem Buch – ein Büchlein eher – geht es um den Sinn, Zweck und Wert, den ein paar der großen Religionen vermitteln mögen. Oder eben nicht vermitteln mögen. Folgt man dem Buch, können sie es nicht.

In der hitzigen Debatte geht es nun darum, ob das Buch diese Meinung so vertreten darf wie es das tut: mit recht provokantem Text und dazu passenden Bildern. Die gemeine Presse ist sich uneins. Das zuständige Ministerium ist dagegen und bestrebt, das Buch dem im Zweifel zuständigen Index anzuvertrauen. Der politisch nicht ganz neutrale Verlag ist damit offenbar nicht ganz einverstanden. Als ideologisch bisher unbelastete Instanz führt Amazon das Buch derzeit auf recht exponierter Stelle der entsprechenden Verkaufsrangliste.

Der Meinungen zum Thema gibt es somit verschiedene. Das Ferkelbuch gibt eine, noch dazu recht einseitige. In der es umgebenden Debatte gibt es viele weitere. Dazu kommt die meine. Und am Ende bildet sich der kleine Mann seine. Hoffentlich eigene.