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Raubzug

Eiszeit im Wasser

Wenn der kleine Mann eine kleine Auszeit an der gar nicht so kleinen Ostseeküste nimmt, dann schickt er gern seinen großen Herrn Papa in einen strandnahen Buchladen, um sich mal wieder ein Marebuch zu gönnen.

Als moderner Mann von heute macht man gern einmal das, was der Sohn empfiehlt. Also ab, Buch geholt. Konkret: Raubzug von Bruce Knecht.

Raubzug Mit einem gesunden Maß an ausreichender Ignoranz sieht das Ganze im Laden erst einmal aus wie ein Roman. Ist aber gar keiner. Ist nämlich eine Dokumentation als Sachbuch. Macht aber nichts. Es geht nämlich um eine Verfolgungsjagd auf ein Fischpiratenboot, welche unter anderem durch das antarktische Eismeer führt. Und das ist wohlig geschrieben und durchaus mit Romanspannung versehen.

Neben der reinen Beschreibung der Verfolgungsjagd im kalten Wasser gibt es sporadisch eingestreute Erzählungen zum Fischgeschäft. Das kommt dabei gar nicht so gut weg. Es ist durchsetzt mit Machenschaften. Dubiosen vornehmlich. Wer immer damit zu tun hat, ist mit guter Wahrscheinlichkeit ein Ganove. Das lernen wir hier. Und wie man sich diese Ganoven vorstellen kann, steht auch im Buch. Hier am Beispiel des Piratenbootkapitäns:

Er hatte die ledrige Haut eines Menschen, der sein Leben lang auf See gearbeitet hatte, erinnerte aber trotzdem eher an den Weihnachtsmann als an einen Piraten.

Dem entspricht ironischerweise auch der Ausgang der Geschichte. Aber das hier im Detail zu verraten, gehört sich sicherlich nicht.

Und für alle, die sich trotz der Lektüre weiterhin den Fischgenuss nicht verderben möchten, gibt’s immerhin noch den WWF-Fischführer. Den im Buch gefangenen Schwarzen Seehecht gibt es darin zwar nicht, aber dafür kommt er schön in bunt und ist somit sogar nachwuchsgeeignet.

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Quellcode

Zum Einschlafen ist es bei uns im Haus allgemeine Sitte, dem Sohn den einen oder anderen innerfamiliären Hit vorzuträllern. Aus purer Freude zur Abwechslung und weil er heute offenbar nicht genug bekommen konnte, habe ich ihm einmal mit einem Kurzabriss des letzten Straßenfegers aus dem Hause WilliamCyberpunkGibson unterhalten: Quellcode. Erzählt, nicht gesungen.

Cover Quellcode von William Gibson Am interessantesten bei unserer kleinen Buchbesprechung war offenbar die Frage, was man tun könnte, um nett durch die Gegend geflogen zu werden; Artikel über Locative Art schreiben dürfte, obwohl man in seinem Leben noch nichts davon gehört hat, für ein Magazin, von dem noch niemand gehört hat und das es auch weder gibt noch jemals geben wird; mit Phaetons durch die Gegend zu cruisen, das aber als irgendwie lästig zu empfinden und in einem Bett zu schlafen, welches auf einem Magnetfeld mitten im Raum zu schweben scheint. Antwort: Man könnte charmante Frontdame einer Band werden, die sich wahlweise Sperrstunde oder Ausgehverbot nennt.

Das mit der Sängerin wird für den Sohn zwar schwierig, aber es schadet ihm sicher nicht, zumindest die Option zu kennen. Entgegen manchen Feuilletonisten gefiel dem Sohn sogar das Rahmenwerk der Geschichte. Vielleicht, weil es dabei darum geht, dass recht unterschiedliche Combos einem Container voll mit Bargeld hinterher hechten, um sich am Ende gegenseitig den Spaß am Transportgut zu vermiesen, ohne dass einer der Beteiligten direkt etwas davon hat. Man könnt’s auch nennen: Den Reichen nehmen ohne den Armen zu geben. Das kommt doch so ähnlich auch in anderen Geschichten für Kinder wieder vor.

Wenn der Sohn jetzt die Nacht ganz entspannt durchschlafen sollte, frage ich mich allerdings, ob er paranoiarealen Geschichtsideen einfach nur aufgeschlossen gegenüber ist oder ob ich schlicht so ein langweilig einschläfernder Geschichten(nach)erzähler bin. Möglicherweise schadet es nicht, wenn so manche Frage ruhig noch eine Weile offen bleibt. Diese zum Beispiel.

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Berufswunsch (1)

Bekanntermaßen sind Bücher die großen Freunde des kleinen Mannes. Seinen leicht eigensinnigen Buchgeschmack haben wir kürzlich auch schon gestreift.

What goes around comes around Und was soll ich sagen? Die absolute Nummer eins im Buchregal ist derzeit etwas nicht mehr ganz taufrisches: What goes around comes around – The Films of Jonathan Demme. Krabbeln, Regal, Zugreifen, Jonathan Demme: alles ist wie eine Einheit. Es sieht aus wie pure Leidenschaft für die Hintergründe und wirklich kritischen und analytischen Fragen zu Streifen wie Philadelphia oder dem Schweigen der Lämmer. Glaubt man dem Sohn, ist das Buch nicht nur spannend, sondern auch lecker, reißfest und wurfsicher. Er steht drauf.

Sieht ganz so aus, als ob er später Filmkritiker wird.

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Räuberhände

Erziehungsratgeber gibt’s ja viele. Manche taugen sogar etwas. Ab und an lohnt es sich trotzdem auch für gutmeinende Eltern, mal etwas in Romanform zu sich zu nehmen. Daraus kann man doch bestimmt auch etwas lernen.

Räuberhände Zum Beispiel über Jungenfreundschaften. Und darüber, dass man nicht auf seinen Fingern kaut, wenn man keine Räuberhände bekommen möchte. Und darüber, dass es wahren Jungenfreundschaften nichts anhat, wenn sich einer von beiden seine Räuberhände zurechtkaut. Und darüber, dass Jungenfreundschaften manchmal trotzdem ihre Zeit haben. Und dass diese Zeit auch endlich sein kann. Vorüber geht. Und alles weiter geht. Irgendwie.

Das ist durchaus eine Lektion, die Finn-Ole Heinrich als Autor erteilt. Dabei weit angenehmer verpackend als viele Ratgeber es zu schaffen versuchen. Der Stil ist nett. Der Plauderton recht angenehm. Das Drama dahinter ist es nicht immer.

Auszugsweise vorgelesene Passagen aus dem Buch fand der kleine Mann übrigens dermaßen spannend, dass er sich spontan umdrehte und zum Bücherregal krabbelte, um seiner Meinung nach geeignetere Lesevorschläge zu unterbreiten.

Zu denen gibt’s vielleicht später mal mehr. Ich gehe mir jetzt erst mal einen Ratgeber suchen, welcher hilft, seine Auswahl zu verdauen.

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Blau steht Dir nicht

Was gibt es schöneres, als zusammen mit dem kleinen Mann an der Küste zu weilen, hinter dem Deich zu sitzen, Kaffee zu schlürfen und die vorbei fahrenden Boote zu zählen? Nicht viel, natürlich. Außer, es kommen gerade mal gar keine Boote vorbei. Dann muss man sich Ersatz suchen. Wie zum Beispiel ein Buch. Zum Vorlesen.

Der Herr Sohn ist da zum Glück noch recht tolerant, was die Auswahl der Lektüre anbelangt. Ferkelbücher kommen aber derzeit nicht auf den Tisch. Dann schon eher etwas von Marebuch. Deich und so.

Cover zu Blau steht Dir nicht Am besten, es ist noch etwas aus der Gegend. Na, so grob zumindest. Wie zum Beispiel der Matrosenroman von Judith Schalansky.

Der spielt auf Rügen und zu den Zeiten als Rügen noch in einem anderen Land lag als der Bodensee. In jedem zweiten Kapitel zumindest. Dazwischen wechseln die Ortschaften und Zeiten gern einmal. Was sich als ganz reizvoll gestaltet. Auch wenn mich der Herr Sohn beim Vorlesen stellenweise angeschaut hat, als ob mir die Zeit mit ihm an der Küste langsam zu Kopfe steigen würde. Tut sie natürlich nicht. Was er auch weiß und den Rest dann wohlmeinend ertragen hat.

Auf der Homepage zum Buch gibt es übrigens ein paar Ansichtsproben aus der Entstehungsgeschichte des Schriftstücks. Wie es sich für ein typographisch-literarisches Projekt gehört, ist das wohlig anzusehen und dem Quieken des Sohnes nach zu urteilen ist mit seinem ästhetischen Empfinden alles in bester Ordnung.

„Blau steht dir nicht.“ – sagte im Buch die Großmutter zur Protagonistin. Dieses Buch steht dafür nicht nur jenen, die hinter dem Deich sitzen, Kaffee schlürfen und mit dem Sohn vorbeifahrende Boote zählen.