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Gelesen: So still ruht der See von Elin Svensson und Ana Dee

Ein Schwedenkrimi, das gab‘s hier noch nicht. Glaube ich. Dann wurde es aber mal Zeit.

So still ruht der See von Elin Svensson und Ana Dee kommt also auf das Lesegerät. Und rund um den titelgebenden See tauchen nacheinander diverse Tote auf. Ihnen wurde jeweils der Mund zugenäht, ein Birkenblatt steckt drin. Der Serienmörder wird gesucht. Dabei spielt ein korrupter ehemaliger Kriminalpolizist eine Rolle, generell Männer, die ihre Triebe nicht im Griff haben und ein starker Drang zur Rache bildet die Klammer ums Geschehen.

Das ist vom Setting her nicht gerade nett, aber so passt das sicher gut ins Genre. Bei einigem Hin und Her stoßen wir auf falsche Fährten, erleben dramatische Spannungswechsel und werden immer wieder ein wenig in die Irre geleitet.

Das ist durchaus spannend zu lesen. Was die Unterhaltung jedoch ein wenig trübt, sind einige Stereotype wie dieses hier:

»Die geschmackvolle Einrichtung konnte nur eine Frau ausgesucht haben. Allerdings hatte auf dem Klingelschild nur sein Name gestanden.«

Immerhin wird‘s später aufgegriffen, ist somit nicht ganz umsonst. Aber auch sonst fühlt sich vieles ein wenig zu umgangssprachlich an, zu banal, zu unrevidiert.

Aber wer weiß? Vielleicht muss das hier im Genre ja so sein, gehört sich einfach so. Wäre doch denkbar.

Muss wohl noch ein weiterer Schwedenkrimi her. Hilft ja alles nichts.

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Gelesen: Der Club von Takis Würger

Zum Anfang gibt‘s glatt mal wieder ein Bekenntnis: Im Stapel ungelesener Bücher des hiesigen Regals fangen einige Exemplare bereits an, zu vergilben. Man kommt ja zu nix. Wir kennen das sicher alle.

Immerhin habe ich jetzt mal wieder etwas herausgezogen: Der Club von Takis Würger ist dabei freundlicherweise sowohl ein angenehm schlankes Buch, als auch eines, welches an den Buchseiten blau eingefärbt ist. Das vergilbt nicht so leicht. Wie entgegenkommend.

Das gilt auch für seinen Erzählstil. Ebenfalls sehr entgegenkommend. Was nicht an der Geschichte liegt. Die ist nämlich eher düster. Sie geht damit los, dass ein Junge zum Waisen wird, als Verwandte bleibt ihm eine Tante, die im fernen englischen Cambridge steckt. Nach seinem Internat holt sie ihn dort hin, damit er im titelgebenden Männerclub düstere Machenschaften aufdeckt. Mitsamt seinen Boxkünsten schafft er es in den Club hinein. Und natürlich ziehen ihn die Verlockungen darin in ihren Bann.

Es folgt ein Hin und Her, ein Yin und Yang, ein Pendeln zwischen Boxen und zwischenmenschlichen Feinheiten, testosteronschwangere Auswüchse wechseln sich mit sensiblen Gefühlen von Frischerwachsenen ab. Das alles ist spannend, mitreißend und umwerfend sensibel erzählt.

Man kann es am Ende recht klar sagen: Boxen ist Mist, das Verhalten so mancher in elitären Clubs ist Mist. Dieses Buch ist es zum Glück nicht. Feine Lektüre. Sollte man vor dem Lesen nicht erst im Regal vergilben lassen.

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Gelesen: Schalttagskind von Oliver Driesen

Es gibt Autoren, die gehen im allgemeinen Lärm um neue Bücher manchmal ein wenig unter. Oliver Driesen ist so einer. Mit Wattenstadt hatten wir hier schon sein Debüt in den Fingern. Es hat begeistert.

Jetzt also Schalttagskind. Das ist der an einem 29. Februar geborene Billy Sloman. Mit vier Jahren ist dieser auf der Jungfernfahrt der Titanic mit dabei. Und sieht mit scharfem Blick den wohl berühmtesten Eisberg der Schifffahrtsgeschichte, rechtzeitig, so dass die Mannschaft den Kurs noch korrigieren und dem schwimmenden Ungetüm ausweichen kann.

Die Titanic sinkt also nicht. Der scharfe Blick von Billy bleibt jedoch. Ausgehend von einer Bekanntschaft, die er aufgrund seiner Entdeckung auf dem Boot macht, wird er später Kameramann und zwar ein verdammt guter. Dokumentationen erstellt er und es sind jene über die ganz Großen: den Ganoven John Dillinger als ersten Staatsfeind der USA, gejagt vom (heutigen) FBI, Pablo Picasso in einer innovativen Home-Story und Wojciech Jaruzelski als Verteidigungsminister Polens in Zeiten des aufkeimenden Widerstands, aus dem die Solidarność entstand. Und am Ende der Dramen gibt’s am 11. September 2001 zwar ein großes Drama, aber doch ein komplett anderes als wir es erlebt haben.

Was für ein Setting. Und die Geschichten dazwischen und drumherum sind wieder ganz wundervoll erzählt. Es ist zwar nicht so unterhaltsam komisch wie bei Wattenstadt, aber dafür kommt auch mal faustdicke Spannung auf und die erzählten Erfahrungen sind persönlicher. Und in vielen Details scheint die Leidenschaft des Autoren für die Seefahrt und Boote – Verzeihung: Schiffe! – so euphorisch durch, dass es eine Freude ist.

Ein feines Buch. Und nachdem Wattenstadt im Selbstverlag, dieses Buch hier jedoch bei einem, nun, interessanten Kleinverlag erschienen ist, darf es beim nächsten Mal dann bitte mare sein, oder? Es wäre nur angemessen.

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Gelesen: Herkunft von Saša Stanišić

Warum den lesenden Teil des Jahres nicht mal mit dem Gewinner des Deutschen Buchpreises aus dem Vorjahr beginnen? Eben, gute Idee. Gedacht, getan. Herkunft von Saša Stanišić also.

Muss man dazu eigentlich noch viel sagen? Dass der Autor schreiben kann, haben wir hier schon mehrfach erleben dürfen. Es bestätigt sich auch hier. So einen Buchpreis gibt’s wohl nicht ganz umsonst.

Inhaltlich muss man sich an dieser Stelle darauf einlassen, dass ein noch recht munterer und erfreulich lebendiger Autor seine Autobiographie abliefert. Damit kündigt er aber wohl eher nicht seinen Ruhestand an. Vollkommen transparent berichtet er nämlich unter anderem davon, dass er bei seiner regionalen Eingliederung sich ganz formal dazu verpflichten musste, seiner Autorentätigkeit möglichst lange und ausschweifend nachzukommen. Da er das wohl auch ganz gern macht und sich das Ergebnis sehen bzw. lesen lässt, ist das endlich mal ein Gewinn, zu dem sogar unsere liebe Einwanderungsbürokratie ihren kleinen Beitrag leistet. Wie schön.

Andere Teile der Geschichte sind naturgemäß erheblich weniger erfreulich. Da gibt es die Abschiebung seiner Eltern, da gibt es die voranschreitende Altersdemenz seiner Großmutter, da gibt es den Alltag im Einwanderergetto von Heidelberg mit der lokalen Araltankstelle als kulturellem Treffpunkt und da gibt es Geschichten anderer, nicht nur eingewanderter, Menschen, die am Leben, an der Gesellschaft und am Miteinander zu zerbrechen drohen.

All das, all diese Dramen, gibt es jedoch verpackt in einer lockeren Art des Erzählens, wie sie nur wenigen unter uns gelingt. Hier wird nicht billig angeprangert, hier wird nicht plumpe Larmoyanz bedient. Hier gibt’s stattdessen einen unterhaltsamen Blick auf’s Geschehen, die Gedanken dazu kann und darf man sich dann gern selbst machen.

Und dass der Autor Spaß am Spielen beim Erzählen hat, sieht man spätestens daran, dass das Buch nicht einfach schlicht endet, sondern mehrere mögliche Varianten des Fertiglesens liefert. Je nachdem, wie man sein Lesegerät bedient, steht dadurch mehrmals »Ende« dran, wo nur manchmal auch wirklich schon eines ist.

Macht Spaß. Danke dafür. So fängt das Jahr doch schon mal gut an.

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Gelesen: Nähe und Distanz als 9. Teil der readfy-Originals-Serie

So langsam wird’s ernst. Die 3Hearts2gether steuern auf ihr Finale zu. Zur Hintergrundgeschichte muss ich jetzt nicht mehr viel sagen oder? Dafür haben wir ja bereits acht Teile hinter uns. Irgendwann ist’s auch mal gut und der Erklärzug abgefahren, also wirklich.

Abgefahren wirken hier im Teil jetzt auch endgültig die Typen, welche neben den drei Hauptdarstellerinnen stehen. Da gibt’s den coolen Larry von der Bergwacht, den nun wahrlich nichts erschüttern können sollte. Und was ist los? Er leidet unter den Kratzern in seinem Ego, die seine Freundin dort hinterlassen hat, weil sie ihm nicht jeden Pakt, den die Damen hier unter sich ausgemacht haben, gleich brühwarm auf die Nase bindet.

Dann gibt es den knallarten Polizisten, der sowohl die bösen Ganoven als auch das Leben voll im Griff hat. Könnte man meinen. Zumindest, bis seine Freundin mit Sommerkleid und einem anderen Herren im Café zusammensitzt.

Und es gibt den italienischen Heißsporn, der es nicht verkraftet, dass neben ihm überhaupt noch andere Männer auf der Welt sind.

Und man steht vor dem Lesegerät und möchte erst den Kopf schütteln und anschließend die Gestalten hier.

Zum Glück wird der Bergwächter von anderen Herren wieder auf den Boden der Realität geholt, bekommt der Polizist seine Kurve noch ganz von selbst und hat der Italiener seine Egokrise eigentlich schon in den letzten Bänden dieser Serie gehabt und ist mittlerweile doch recht umgänglich geworden.

Es ist besser so. Wie soll man sonst so kurz vor dem Finale der Serie noch daran glauben können, dass sich alles irgendwie richten wird? Eben. Aber keine Sorge, das scheint zu klappen. Und in Vorbereitung dessen seien die schwachen Gemüter unter uns vorsorglich darauf hingewiesen, dass es in diesem 9. Teil hier richtig heiß zur Sache geht. Trotz ihrer ursprünglichen Verpeilung werden die Herren nämlich der Reihe nach von ihren Damen ins Bett gezogen. Liebe Mitmänner, Ihr seid gewarnt.

Wer das aushält, kommt hier jedoch wieder gewohnt kurzweilig auf seine Kosten. Weiterhin übrigens ganz kostenlos. Die Serie erscheint schließlich immer noch bei readfy.