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Gelesen: Neptun 1986 von Frank Granitz

Diese Geschichten über die DDR, sie sind schwierig. Unsereiner hat ja selbst etwas davon miterlebt, seitdem das Geschehen in den Erinnerungen ein wenig durchgerührt und was übrig geblieben ist, gilt als Realität. Jeder Text kann dagegen nur verlieren. Es ist kompliziert.

Das Schöne an Romanen ist jedoch, dass sie an dieser Stelle gar keinen Stress haben. Es sind schließlich keine Dokumentationen. Sie können sich an mehr oder weniger reale Gegebenheiten anlehnen, sich bei ihnen bedienen, um letztlich eine Geschichte zu erzählen, die genau so hätte passiert sein können oder aber ganz anders geschehen ist.

So ist es auch hier: Im berühmten Warnemünder Hotel Neptun gibt es 1986 eine Konferenz mit Vertretern des Ostens und des Westens, um über Abrüstungsprogramme zu verhandeln. Als Teil dessen verrät ein russischer Offizier der Delegation des Westens etwas über militärische Standorte im Osten, die dieser lieber weiterhin geheim gehalten hätte. Als Mittelsfrau für die Informationen dient eine Angestellte des Neptun, mit welcher der Offizier nicht nur eine gemeinsame Vergangenheit, sondern aus dieser auch einen Sohn hat.

Die Russen mögen den Geheimnisverlust nicht, der Westen überlegt, was er damit anfangen soll, eine Mutter bangt um ihren Sohn. Irgendwo spielt natürlich auch die Stasi ihre Rolle. Das Drama nimmt seinen Lauf.

Mit den realen Gegebenheiten spielt diese Geschichte so geschickt, dass alles real hätte sein können, es aber nicht ins rein dokumentierende abdriften lässt. Gut gemacht. Gern gelesen.

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aus dem regal

Gelesen: Ausgebrannt von Andreas Eschbach

Wenn man in einer Welt voller Krisen steckt, kann es manchmal helfen, sich andere Krisen anzugucken, um ein wenig die aktuelle Lage in einen neuen Kontext zu rücken und wieder klarer zu sehen. Manchmal können diese anderen Krisen gern fiktionale sein. Wofür wurden Bücher schließlich erfunden? Eben.

Nehmen wir also Ausgebrannt von Andreas Eschbach. Darin entwirft er das Szenario von versiegendem Öl. Die bestehenden Ölfelder dieser Welt laufen trocken, beginnend mit dem größten. Der Rest ergibt sich als Kollateralschaden.

Am anschaulichen Beispiel eines Markus Westermann bekommen wir hier ein Szenario nach dem anderen, in denen die Welt schrittweise untergeht. Markus ist eifrig und strebsam, möchte es zu viel Ruhm und Geld bringen. Öl soll dabei helfen. Das geht mal gut, mal weniger gut und mal gibt’s richtig Katastrophen.

Ganz nebenbei schildert Eschbach, wie irre abhängig wir vom Öl geworden sind. Quasi alles, was uns derzeit so lieb ist, basiert irgendwie auf Öl. Irre, wie die Welt ohne dem zugrunde geht.

Das ist alles schön und gut und dramatisch und hilft durchaus, um den oben genannten Kontext zu justieren und die Welt mal wieder ein wenig zu hinterfragen.

Aber man merkt der Geschichte auch an, dass sie mittlerweile 15 Jahre alt ist. Da war die Welt doch noch eine andere, auch das liest man heraus. Und auch das ist irgendwie erfrischend. Man hofft doch gleich ein wenig mehr, dass wir unsere aktuellen Krisen vielleicht doch noch in den Griff bekommen können.

Beim Lesen stört die fehlende Aktualität trotzdem ein wenig. Manchmal zieht es sich einfach, wirkt es ein wenig langatmig. Aber insgesamt ist es durchaus trotzdem eine angenehme Lektüre, so ist’s ja nicht.

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auf die ohren aus dem regal

Gehört: To Sell is Human von Daniel H. Pink

Das ist es, was wir alle machen:

Non-sales selling.

Daniel H. Pink: To Sell is Human

Tagein, tagaus machen wir das, meist ohne es zu wissen bzw. ohne uns dessen bewusst zu sein. Ob wir die Kinder dazu bringen, ihre Hausaufgaben als sinnvoll investierte Zeit zu sehen; ob wir unseren Partner vom schönen Abend zu zweit überzeugen; ob wir Kollegen dazu bringen, Zeit in bestimmte Aufgaben zu stecken; ob wir jemandem einen Tausch von Geld gegen Zeit oder Ware nahelegen: Es ist alles Sales.

Und das ist auch gut so. Sagt Dan Pink. Denn es geht eben nicht (mehr) nur darum, einen Abschluss zu erreichen, die Unterschrift unter einen Vertrag zu bekommen. Sales ist eben nicht nur dieses schleimige Anbiedern mit falschem Grinsen, bei dem es darum geht, die Gegenseite über den Tisch zu ziehen.

Es geht stattdessen darum, dass es gar keine Gegenseiten sind, die gegeneinander kämpfen. Sondern, dass wir andere bewegen. Dazu, sich zu bewegen. Von ihrem bisherigen Standpunkt zu einem anderen. Idealerweise zuu einem besseren. Das ist unterm Strich etwas Gutes, hilft beiden Seiten.

Wir machen es ständig, wir machen es uns nur nicht bewusst. Zeit, das zu ändern. Denn wenn wir wissen, was wir tun, machen wir es (hoffentlich) auch besser. Das wäre doch was.

Fühle mich überzeugt. Oder anders: I’m sold.

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Gelesen: Das Institut von Stephan King

Nehmen wir mal an, dass es Kinder mit einem zumindest kleinen Maß paranormaler Fähigkeiten gibt. So könnten einige telepathisch veranlagt sein und in die Gedanken anderer Menschen gucken können. Andere könnten mittels Telekinese in der Lage sein, Sachen zu zu bewegen, ohne sie berühren zu müssen. Manche wären vielleicht sogar zu einem Blick in die – zumindest nähere – Zukunft in der Lage. Wäre es dann nicht hochgradig logisch, sich diese Kinder zu schnappen, um drohende Gefahren der Menschheit vorab zu erkennen und via Tele-Sternchen abzuwenden?

Stephen King: Das Institut

Das wäre nicht nur hochgradig logisch, sondern auch sehr sinnvoll und schlau so, denken sich ein paar Regierungskreise und gründen (mindestens) ein Institut, in welches Kinder verschleppt werden, um genau diesen Plan umzusetzen.

Neutral betrachtet ist das natürlich Freiheitsberaubung. Wenn wir diese jetzt noch durch Folterungen der Kinder verstärken, sind wir mitten drin im Horrorplot des Instituts von Stephen King.

In gewohnter Kunstfertigkeit führt er uns die Entwicklung der Figuren von ihren naiven Anfängen hin zu großen Helden und ihren Gegenspielern vor. Unschuldige Kinder werden zu großen Kämpfern. Alltägliche Erwachsene entpuppen sich als durchtriebene Böse, andere als Alltags-Helden.

Das passiert in rasantem Tempo und Szenenwechsel. Ein wahrer Pageturner.

Zumindest für die ersten zwei Drittel des Buches. Danach sind die Rahmenbedingungen gesetzt, alle Charaktere gezeichnet, alle Spannungsbögen gespannt. Zum Ende geht’s dann halt bergab. Es passiert nicht mehr viel, außer die Spannungsfäden halt aufzugreifen und offensichtliche Handlungen auszuführen. Scheint mal ein Problem nicht lösbar, gibt’s eben eine paranormale Antwort. Wofür haben wir die schließlich? Eben.

Auch wenn am Ende (natürlich) alles gut wird, ist das in dieser Form ein wenig schade. Aber prima lesbar ist die Geschichte natürlich trotzdem, keine Frage. Stephen King beherrscht sein Handwerk, eh klar. Eine Empfehlung ist das trotzdem nur bedingt.

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Gelesen: Die Störung von Brandon Q. Morris

Er hat hier bisher gefehlt: Von Brandon Q. Morris – beziehungsweise dem Alter Ego mit der Selfpublisherbibel – kam hier noch nichts aus dem Regal. Zeit, das mal zu ändern. Mit glasklarer Science Fiction, die in einer gar nicht mal so fernen Zukunft spielt.

Brandon Q. Morris: Die Störung

Genauer gesagt spielt sie in zwei Zeiten, die etwa zwanzig Jahre auseinander liegen. Irgendwann in den 2090ern treiben vier Personen in einem Raumschiff durchs ferne All, irgendwann in den 2070ern werden sie von der Erde aus betreut, wird ihre Mission unterstützt. Die Kommunikation gestaltet sich naturgemäß etwas schwierig. Aufgrund der Entfernung zwischen Erde und Raumschiff brauchen die Nachrichten jeweils nämlich ein paar Tage.

Genau diese Diskrepanz zwischen den paar Jahren und den paar Tagen fällt einem relativ fix auf. Und sie irritiert. Eine ganze Weile.

Bis im All einiges schief läuft. Der ursprüngliche Plan, mittels großer Entfernung und viel Licht und Reflektoren und Gedöns einen Blick auf den Urknall – oder was auch immer da mal war – zu werfen, gelingt nicht. Statt dessen kommt Neues zum Vorschein, die titelgebende Störung nämlich. Sie beginnt das Raumschiff zu zersetzen und noch ein paar weitere Dramen rund um die Personen im All zu offenbaren.

Das ist sehr spannend erzählt. Man springt zwischen Bodenpersonal und Allbesetzung hin und her, die Charaktere sind klar gezeichnet und doch änderungswillig. Persönliche Beziehungen gibt’s auch, nur selten sind sie glücklich.

Alles drin, alles dran, gut gemacht. Das unterhält. Durchaus zu empfehlen, die Störung aus dem Regal zu holen.