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Gelesen: Die Rückkehr der Kriegerin von Susanne Pavlovic

Das hat doch neulich mit der Geschichte von der Reise ans Meer ganz gut geklappt. Susanne Pavlovic kann solide erzählen. Das nutzen wir gern aus und greifen wieder zu. Und warum dann nicht mal eine Fantasyerzählung nehmen, wenn sie sich in dem Genre doch so umtriebig zeigt? Eben.

Die Geschichte einer Kriegerin also. Krona Karagin heißt sie. Und diese Dame hat’s echt in sich. Sie hat beim Militär gedient, war dort sehr erfolgreich, stellte irgendwann zu viele Fragen und gönnte sich erstmal eine Auszeit. Da man in dieser irgendwie über die Runden kommen muss, verdient sie sich als Söldnerin, nimmt also Auftragsarbeiten an. Bei einer solchen stößt sie auf eine Feuerdämonin. Sie gehen nicht im Guten auseinander. Krona ist sauer und sammelt eine Gruppe bunt zusammengewürfelter Gefährten um sich, um besagte Dämonin zur Strecke zu bringen.

Das ist so grob der Hintergrund der Rückkehr der Kriegerin. Wir begleiten die Helden sowohl durch das Zusammensuchen der Reisegruppe, als auch durch diverse Abenteuer, bei denen sie Zaubern, mystischen Sagen, von den Toten auferstehenden Geistern und ähnlichen Unholden begegnen. Dabei sind die Darsteller kampferprobt, clever, mutig und trotz aller Hürden am Ende aller kleinen Abenteuer, die sich zwischendurch auftun, immer auch erfolgreich. Gleichzeitig zeigen sie Gefühle, sind zerbrechlich, aufeinander angewiesen.

Das ist spannend, rührend und mitreißend erzählt. Es macht Spaß, durch diese Geschichte zu reisen.

Also alles gut?

Nicht ganz. Denn auch wenn dieses Buch ganz formal als Teil einer Trilogie angepriesen wird, endet es sehr abrupt. Es hört quasi mitten in der Geschichte auf. Die Feuerdämonin? Irgendwo weit weg. Der Weg zu ihr? Reichlich unklar. Sicher ist: Es gibt noch zwei Teile und in denen soll auch ruhig etwas erzählt werden dürfen. Aber trotzdem hätte schon der erste Band ein würdiges Ende verdient. So bleibt man etwas ratlos und enttäuscht zurück.

Schade eigentlich.

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Indiebookday 2021

Same procedure as last year? Same procedure as every year.

Seit 2013 gibt’s den Indiebookday. Sind wir hier auch seitdem dabei? Moment, mal gucken. Also: 2013, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020. Jo, passt. Auch wenn von der Ausbeute des letzten Jahres eines noch gar nicht gelesen ist.

Ergo geht’s hier in diesem Jahr etwas bescheidener zu. Die Buchhändlerin des Vertrauens hat genau ein neues Werk ins Haus geschickt, es ist Der Schiffskoch von Mathijs Deen, aus dem Niederländischen übersetzt von Andreas Ecke.

Veröffentlicht hat’s der mare-Verlag, welcher mit soliden Geschichten verlässlich für ordentliches Fernweh sorgt. Da es mit dem Verreisen momentan eher nicht so läuft, ist das doch eine feine Sache.

Ich freue mich drauf.

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Gelesen: Nemesis von Jilliane Hoffman

Am Anfang kam mir die Geschichte doch sehr, sehr bekannt vor. Als hätte ich sie schon mal gelesen. Habe ich aber nicht. Ich fing sie nur an.

Jilliane Hoffman: Nemesis

Und das kam so: Nemesis ist das mentale Alter-Ego von C.J. Townsend. Sie ist Staatsanwältin. Sie ist aber auch in früherer Zeit vergewaltigt worden und muss jetzt mit ansehen, wie eine Reihe komplett irrer, wohlhabender, einflussreicher Herren Spaß daran hat, live zuzugucken, wenn Snuff-Videos gedreht werden, bei denen junge Frauen nicht nur mehrfach vergewaltigt, sondern anschließend auch noch auf unmögliche Art umgebracht werden.

Das hält doch keiner aus. Hinfort, in die Ecke damit!

Irgendwie hat es die Geschichte doch wieder auf das Lesegerät geschafft. Und irgendwie habe ich durchgehalten und nicht gleich wieder den großen Löschbutton gedrückt.

So durfte Nemesis jetzt endlich aufräumen, den Kampf gegen den Clan der Irren aufnehmen, daber nicht immer nur lieb und brav von ihrem Stuhl im Gerichtssaal aus operierend, sondern auch schon mal selbst Hand an die Typen legend.

Das ist – auf eine recht surreale Art – erfrischend. Ich habe mich irgendwann dabei erwischt, ihr die Daumen zu drücken, damit sie noch ein paar der Herren so beseite schafft, dass es wie Selbstmord aussieht und sie auf jeden Fall nicht erwischt wird.

So gesehen macht die Geschicht was mit einem. Ich bin mir nicht sicher, ob’s etwas wirklich tolles ist. Selbstjustiz ist schließlich auch Mist. Auch wenn der Zweck hier die Mittel zu heilen scheint.

Keine leichte Kost. Aber angenehm leicht geschrieben und spannend zu lesen. Danke somit nicht nur an die Autorin, sondern auch Katharina Naumann und Sophie Zeitz für die Übersetzung.

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auf die ohren aus dem regal

Gehört: Dünengeister von Nina Ohlandt, gelesen von Reinhard Kuhnert

Spätes 18. Jahrhundert, die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts, irgendwann im Heute: Da spielt die Handlung der Dünengeister. Und in allen Zeiten sind die Melanders mit dabei, ein Familienclan auf Sylt, der sein Einkommen auf jeweils an die Epoche angemessene Kreativität generiert. Und bei dem natürlich nicht alles in friedlicher Eintracht abläuft. Da wird auch schon mal gestritten. Und im Hier und Heute sterben schon mal Menschen. Drei. Durch Mord.

Das ist der Fall.

Und bei der Aufklärung dessen geht es um um klassisch sortierte Polizeiarbeit, um falsch verstandene Familienehre, um Beziehungen, die nicht immer von allen toleriert werden. Oder anders: Um das ganz normale Krimileben.

Dabei gibt es die Auflösung am Ende endlich mal nicht in Form eines Schurkenmonologs, bei dem wir langatmig die reumütige Resonanz des großen Bösen erdulden müssen. Stattdessen liefert einer der Ermittler den Showdown und führt geschickt die Fäden zusammen. Geht doch.

Uns sonst so?

Die Stimme von Reinhard Kuhnert ist ganz bezaubernd und zieht einen elegant in die Geschichte hinein.

Das Buch dauert 14 Stunden und 45 Minuten. Die 37 Kapitel teilen sich im Hörbuch auf 355 künstlich erstellte Kapitel auf. Das ist so eine technische Unsitte, die das Navigieren für die Hörys schwerer macht, den Produzenten aber mehr Erträge bringen soll. Drüben bei der Büchergefahr habe ich mich schon mal darüber echauffiert, erspare uns das somit an dieser Stelle. Nur so viel: Das hört auch wieder auf, sehr sicher.

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Gelesen: Das verlorene Symbol von Dan Brown

Das kam kürzlich aus dem Bücherschrank hierher ins Haus. Und es hält, was es verspricht: Professor Robert Langdon gelangt völlig überraschend in ein spannendes Abenteuer und sucht darin das verlorene Symbol, um dem Schlamassel entweder zu entkommen oder doch zumindest Sinn in die Wirren des Geschehens zu bringen.

Dieses entfaltet sich in Washington und dreht sich auch quasi ausschließlich darum. Hauptstadt der USA, deren Gründerväter alte Freimaurer waren, die natürlich einen Haufen mystischer Geheimnisse gewahrt und in der Stadt versteckt haben. Nicht zufällig, versteht sich. Die Hauptstadt ist schließlich das Zentrum des Landes und damit automatisch der ganzen Welt, ganz klar.

Um das Drama komplett zu machen, gibt es noch einen Bösewicht, der die Sache mit der Welt und ihrer Bedeutung naturgemäß etwas anders sieht und sich angemessen geschickt anstellt, wenn es darum geht, Gemeinheiten auszuhecken, zu planen und umzusetzen.

Das ist alles recht spannend und mit viel Legenden, Verschwörungen, Symbolen, Mehrdeutigkeiten und geheimen Machenschaften durchsetzt. Ein Dan Brown eben.

Warum ist das lesenswert?

Ein – durchaus wesentlicher – Teil der Geschichte spielt in Washingtons Kapitol und verbindet es mit viel historischer Bedeutung, lädt ein, das Offensichtliche nicht immer gar zu ernst zu nehmen, sondern ruhig noch ein wenig darauf Herumzudenken und lieber eine Gehirnwindung zu viel als zu wenig zum Verstehen des Status-quo zu investieren.

Das ist ein erfrischend trockener und doch hochaktueller Ansatz. Wenn in einem Land mit populistischem Präsidenten auf einmal ein Haufen Wenigdenker das Kapitol ganz real stürmen, um das Offensichtliche durch den trivialen Kakao zu ziehen, dann wirkt der Gedanke, dass das doch nicht alles sein kann, irgendwie beruhigend. Geschichten wie diese Suche nach dem verlorenen Symbol halten die Vision hoch, dass die USA zwar nicht das Zentrum allen Geschehens sind, aber auch nicht die hoffnungslose Sammlung von Trotteln, die uns alle in den Abgrund reißen.

Die Vorstellung ist erfrischend.

Wo steckt der Haken?

Es ist halt ein Dan Brown. Bei aller nett zu lesenden Spannung in den divers ausgestalteten Verschwörungstheorien darf man hier keine großen Charakterentwicklungen oder gar die gute alte Heldenreise erwarten. Stattdessen gibt es ordentliches Plothandwerk, dem man es halt nicht übel nehmen sollte, wenn die Cliffhanger am Ende der Kapitel etwas sehr offensichtlich und plump auf einen hereinprasseln.

Das soll hier so, das muss hier so, das gehört halt dazu. Wenn man das akzeptiert, macht die Lektüre durchaus Spaß. Das ist doch was. Sprachlich ist es zurückhaltend schlicht, was ebenfalls gut passt und die Erzählung angenehm treibt. Da versteht der Bonner Kreis bei der Übersetzung sein Handwerk also auch.

Hier geht das Werk wieder zurück in den Bücherschrank. Wer zufällig dran vorbei kommt: Nur Mut, kann man ruhig mitnehmen.