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auf die ohren aus dem regal

Gehört: Essentialismus von Greg McKeown

Es ist wichtig, sehr sehr wichtig, dass man sich komfortabel darin einrichtet, zu vielen, vielen Sachen »Nein« zu sagen. Damit konzentriert man sich auf das Wesentliche, das Wichtige, das Essentielle. So sagt es Greg McKeown in Essentialismus, mit der Stimme von Dominic Kolb.

Soweit ist das ganz angenehm anzuhören und unterhaltsam konsumiert. Vielen Dank an den Sprecher.

Aber – und das ist ein großes ABER – es widerstrebt einem doch und erschüttert quasi die Grundfeste des eigenen Selbst. Denn mal unter uns: Ich bin hier sicher nicht der Einzige, der mit dem gesunden Selbstverständnis eines Dienstleisters groß geworden ist, anderen gern und häufig hilft, ihnen sozusagen zu Diensten steht, lieber »Ja« als »Nein« zu allem sagt, was so herangetragen wird.

Und mal so ganz ehrlich und da wir hier eh unter uns sind: Das ist auch ganz gut so. Das fühlt sich durchaus gesund an. Sicherlich ist’s auch mal stressig, wenn man sich partiell mit den eigenen Zusagen ein wenig übernimmt. Aber liegt nicht genau da der Reiz? Im Übernehmen? Im Überschreiten der eigenen Grenzen? Im Ausweiten – und nicht nur Ausloten – des Machbaren?

Ja, dem ist so. Zum Essentialismus kann man sich damit halt nicht bekennen. Aber das muss man ja auch nicht. Glück gibt’s auch ohne den.

Und wer diese Erkenntnis gern selbst eruieren möchte, kann sich gern dieses Hörbuch auf die Ohren legen. Es dauert circa sieben Stunden und die sind durchaus kurzweilig, auch wenn man sich der zugrunde liegenden Theorie nicht hingibt.

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aus dem regal

Gelesen: Qualityland 2.0 von Marc-Uwe Kling

Was soll man von einem Buch halten, dessen Kapitel mit Überschriften wie dieser daherkommt?

Das ist das letzte Kapitel dieses Buchs. Wie wird es enden?

Man findet es natürlich sehr großartig, ganz klar. Mit dem ersten und diesem zweiten Teil von Qualityland hat Marc-Uwe Kling die Kunst des Clickbait in Kapitelüberschriften eines Buchs wahrlich perfektioniert. Es ist ein Traum.

Inhaltlich wird die Geschichte aus dem ersten Teil weiter erzählt. Es geht also um das reichlich absurde Szenario eines Gerätepsychologen, der die Psyche von verschrotteter Elektronik behandelt. Und es geht vor allem um seine Freundin Kiki, die auf der Suche nach ihren Eltern ist. Und bei all dem geht es ganz en passant um Totalüberwachung, um Größenwahn, um Selbstoptimierung und überhaupt die ganz, ganz große Gesellschaftskritik.

Im Stil bleibt sich Marc-Uwe Kling zum Glück treu. Er prangert zwar gehörig an, aber macht das auf eine dermaßen unterhaltsame, entspannte und lockere Art, dass man seine Freude daran hat.

Eine Empfehlung, was sonst!

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auf die ohren aus dem regal

Gehört: Project Weisser Jade von Alex Lukeman

Wie die Zeiten sich doch ändern. Früher war es in Spiongedramen normal, dass die guten Nordamerikaner gegen die bösen Russen agierten.

Heute halten sich die Amerikaner weiterhin für die Guten, streiten sich aber mit den Chinesen als Gegenspieler.

So auch hier beim Project Weisser Jade von Alex Lukeman (Übersetzung von Alok Avasthi). Bei diesem geht es um einen alten Schatz, der zwar von den Chinesen stammt, zwischendurch jedoch verloren ging und ihnen jetzt natürlich nicht wieder zufallen soll. Denn: Sie sind die Bösen, siehe oben.

Damit man den Chinesen diese Rolle abkauft, planen einige von ihnen erstmal einen Militärputsch. Den gilt es natürlich zu verhindern. Darum kümmern sich zum Glück die guten Amerikaner.

Hauptsächlich sind zwei Protagonisten aktiv: Nick Carter als alter Hase und erfahrener Agent sowie Selena Connor als intelligente Sprachwissenschaftlerin, die durch einen Mord an ihrem Onkel in die Geschichte gezogen wird.

Es entwickelt sich ein temporeicher Wettlauf beider Seiten bei der Jagd nach dem Schatz und dem Kampf um den Putsch. Dabei geben sich alle wenig gegenseitige Gnade, sind die Wendungen und Hindernisse trickreich und überraschend. Obwohl schnell klar ist, wer am Ende siegreich aus der Schlacht hervorgehen wird, bleibt die Erzählung spannend und unterhaltsam.

Einen guten Anteil daran hat sicher Michael Schrodt. Er liest das Hörbuch und macht das auf eine sehr angenehme und doch unauffällige Art und Weise.

Eine Empfehlung, wenn man sich für Spionagethriller mit klaren Feinbildern begeistern kann.

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aus dem regal

Gelesen: Qualityland von Marc-Uwe Kling

Bei einem halbwegs nüchternen Blick auf die aktuelle Nachrichten- und Medienlandschaft stellt unsereins schnell fest: Leicht zu ertragen ist das alles nicht. Da gibt’s viel Meinung, diese oft recht unreflektiert, argumentativ begründet wird immer weniger. Stattdessen wird polemisch alles Mögliche herumbehauptet, wer am lautesten ist, gewinnt.

So erscheint es zumindest. Aber das ist natürlich grober Unfug. Die Wahrnehmung liegt schließlich im Auge des Betrachters. Und in Qualityland zeigt Marc-Uwe Kling, wie man ganz hervorragend auf alle möglichen Themen gucken kann, ohne dabei den Verstand zu verlieren.

So befinden wir uns hier im Buch in einer Geschichte, die in einer ganz irre nahen Zukunft spielt, bei der die Maschinen, Roboter und künstlichen Intelligenzen noch ein wenig vollendeter sind als es heute noch der Fall ist. Das Qualityland ist eine durchperfektionierte Gesellschaft, durch welche sich Peter als Protagonist mit wahrlich herrlicher Kunst des Versagens hindurch manövriert.

Ich geb’s ganz ehrlich zu: Der Autor hatte mich überzeugt, als Peter seinen persönlichen KI-basierten Assistenten »Niemand« nennt, damit Niemand ihm zuhört, Niemand ihm hilft, Niemand für ihn da ist und auf Niemand wirklich Verlass ist. Und das passierte gleich auf der ersten Seite.

Genau so geht es weiter in diesem hervorragend entspannt unterhaltsamen Stil des lässigen Blicks auf irrsinnige Gesellschaftsentwicklungen, die entstehen können, wenn (haha) niemand mehr selbst denkt, alle nur noch alles in Kauf nehmen, Hauptsache, auf dem eigenen Sofa ist’s bequem genug.

Marc-Uwe Kling ist ein großer Künstler. Er erzählt mitreißend, unterhaltsam, fantasievoll, irre komisch und selbst seine beliebten Kängurus tauchen gelegentlich auf.

Ein Traum. So lässt sich vieles ertragen.

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Gelesen: Zur Schau gestellt von Marcus Hünnebeck

Das geht ja munter los: Eine Lesung, die vom Publikum sehnsüchtig erwartet wird, die in einem brechend vollen Saal stattfindet, euphorischen Applaus erntet. Obendrauf passiert das auch noch auf einer Kreuzfahrt. Das entschuldigt es vielleicht, macht’s jedoch nicht besser.

Aber sei es drum.

Eine Dame im Publikum ist nämlich nicht begeistert, sondern entsetzt. Weil der dramatische Teil des Gelesenen auf einer wahren Geschichte beruht, von welcher der präsentierende Künstler noch gar nichts weiß. Und diese Geschichte ist nicht abgeschlossen, sondern dreht sich um eine 18 Jahre zurückliegende Entführung einer Frau, der Mutter unserer Dame im Publikum.

Damit ist dieser Fall wieder eröffnet. Die Ermittlung gehen in eine neue Runde. Mit den neu veröffentlichten Informationen bekommt das damals Geschehene eine neue Wendung.

Das birgt viel Potenzial für Spannung, wechselnde Verdächtige, Mißverständnisse, Gefahren. Vieles davon gibt’s in dieser Geschichte. Alles drin, alles dran.

Trotz Schriftsteller unter den Handelnden ist der Plot ganz unterhaltsam, überzeugen die Wendungen, ist die Auflösung des Bösen durchaus gelungen. Aber warum nur hat die Lektorin nicht beherzt(er) in die ausartenden Dialoge eingegriffen und das ins Schafeln abdriftende Erzählen vollkommen unnötiger Trivia gnadenlos rot angestrichen? Es wäre so herrlich viel schöner zu lesen. Tja, leider nicht passiert.