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Gehört: Power Play von Tim Higgins

Ein Blick auf die Geschichte von großen und bekannten Firmen hat seinen Charme. Da gibt’s oft eine bunte Mischung aus cleveren Ideen, Mut diese anzugehen, Charisma zum Übergzeugen von Mitstreitfern und viel Dramen auf dem Weg zum Erfolg.

Power Play von Tim Higgins verspricht, genau das am Beispiel von Tesla zu leisten. Und warum auch nicht? Da kommt eine neue Firma und versucht, bestehende und etablierte Strukturen einer erfolgreichen Branche auf den Kopf zu stellen. Engagierte, motivierte und für Autos begeisterte Menschen bauen Elektroautos, die Spaß machen und nicht nur auf der Vernunftschiene überzeugen. Das klappt, das klappt auch mal nicht, das wirft Probleme auf, das zeigt Lösungen, die unmöglich scheinen, das geht voran, das begeistert.

Dann geht das Geld aus. Investoren sind gefragt. Mit Elon Musk kommt einer, der mitspielen möchte. Und von da an fällt die Geschichte ab, konzentriert sich auf eine One-Man-Show, wird langweilig. Wie schade.

Bei der Firmenbiographie von Nike haben wir hier so schön festgestellt : Alles schön und gut und unterhaltsam, aber Laufschuhe des Ladens kommen trotzdem nicht ins Haus. So weit würde ich bei Tesla jetzt nicht gehen. Doch der überragende Himmel der Firmengeschichtserzählung ist Power Play leider nicht. Immerhin ist es gut erzählt und vorgelesen. Dank an Will Damron.

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Bei der Büchergefahr übernehmen jetzt künstliche Stimmen

Im Podcast des Hauses gab es für ein gutes Jahr Sendepause. Es war gesagt, was zu sagen war. Es gab (und gibt) schlicht andere Aktivitäten, die hier in der persönlichen Gunst und Wertschätzung weiter oben stehen. Die Luft war raus, der Charme war weg. Das ist auch nicht schlimm, sondern sogar sehr gut so. Zeiten ändern sich schließlich.

Und dann kamen plötzlich Lara und Tom vorbei, um den Kanal zu übernehmen. Wie praktisch.

Bei den beiden handelt es sich um rein künstliche Akteure. Es gibt sie also gar nicht wirklich. Wobei man über diese Wirklichkeit ruhig auch nochmal reden könnte. Wie real es ist, wenn ich in irgendein Mikrofon rede, das Ergebnis munter bearbeite und dann online stelle, das liegt durchaus ein wenig im Auge bzw. den Ohren des Betrachters und Zuhörys.

Jetzt haben wir also zwei neuronal generierte Stimmen, die dort sprechen. Das erspart mir die Sache mit dem Mikro und dem Nachbearbeiten. Super Sache. In Folge 92 stellen sie sich erst einmal vor und lästern ein klein wenig über den bisherigen Sprecher ab. So sei es.

Wo das noch hinführt und ob sie wieder für mehr Regelmäßigkeit auf dem Kanal sorgen, das sei einmal dahingestellt. Bleiben wir gespannt.

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Gehört: Emotional Agility von Susan David

Es gibt diese Momente, da erwischt man sich zum Beispiel beim Aufregen über eine Kleinigkeit, die man im Nachhinein als solche erkennt und für vollkommen nichtig hält. Beim Laufen mal eine schlechte Runde gehabt und vor Ärger die Schuhe in die Ecke gefeuert? Den Rechner fast aus dem Fenster geworfen, weil eine Kollegin in der letzten Videokonferenz etwas unverfroren Falsches gesagt hat? Das eigene Kind kritisiert, weil es die Spülmaschine nicht von sich aus ausgeräumt hat?

Kam so – oder ähnlich – schon mal vor, oder? Wenn es tröstet: Dafür gibt’s einen Namen. Man nennt es emotional instabil.

Das ist natürlich Mist. Darüber könnte man sich gleich auch erstmal aufregen. Womit sich aber die Katze nur in den Schwanz beißen würde. Also sprichwörtlich, versteht sich.

Stattdessen gucken wir natürlich lieber darauf, wie es besser laufen könnte. Besser heißt dabei: emotional agil.

Diesen Begriff hat Susan David vor einer Weile geformt, einen erfolgreichen Artikel im Harvard Business Review daraus gemacht und diesen schließlich zum ganzen Buch ausgebaut. Darin gibt sie schlaue Tipps dazu, die eigenen Werte zu finden, die eigenen Reaktionen zu erkennen, beides miteinander abzugleichen und möglichst in einen Wohlklang zu bringen. Klingt esoterisch, ist es aber gar nicht mal so sehr. Denn wenn man immer nur falsch auf sich selbst und die Umwelt reagiert, ist das nunmal nur so mäßig toll. Es geht besser, zum Beispiel mit diesen Empfehlungen, emotional agil zu sein.

Die Autorin liest übrigens selbst vor. Was erstaunlich gut klappt. Man fühlt sich mittendrin statt nur dabei. Das funktioniert ja auch nicht bei allen. Es ist ja nämlich sehr erstaunlich, wie viele Menschen respektabel gut schreiben können, aber nur ganz furchtbar im Vorlesen sind. Das ist hier nicht so. Sehr fein.

Wer sich nicht gleich das ganze Buch gönnen möchte, kann auch erst einmal mit dem zugehörigen 5-Minuten-Quizz beginnen. Oder sich einfach selbst wahrnehmen. Und dann in dieses Buch reinlesen oder reinhören. Und vielleicht zukünftig weniger aufregen und emotional stabiler durch den Alltag gleiten.

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Gehört: Kopf schlägt Kapital von Günter Faltin

Professoren schreiben Bücher. Und oft gründen sie auch das eine oder andere Unternehmen. Günter Faltin ist da keine Ausnahme. Er ist Wirtschaftsprofessor und ist bekannt(er) geworden durch seine Gründung der Teekampagne, welche Darjeeling in größeren als vorher gewohnten Verpackungen zu einem günstigeren als vorher gewohnten Preis anbietet.

Hier im (Hör-)Buch erzählt er von der Teekampagne und davon, wie sie beispielhaft zeigt, dass ein selbständiges Arbeiten primär eine Frage von gut durchdachten Ideen und Wegen zu ihrer sinnvollen Umsetzung ist und nur sekundär eine des verfügbaren Geldes.

Dafür bringt er so einige anschauliche Beispiele, vor allem aus seinem persönlichen Investoren- und Beteiligungsumfeld. Ergänzend zeigt er Widerstände auf, die sein (gar nicht mal so) radikaler Ansatz des »Selbständig machen können sich quasi alle, die ihren Kopf auch nur halbwegs klar benutzen können« mit sich bringt. Ein Spruch im Buch bringt das recht passend auf den Punkt:

Mein – vom Staat bezahltes – Professorengehalt gilt gemeinhin als wohlverdientes Geld, als die Teekampagne jedoch erstmalig Gewinne erwirtschaftete, ernteten wir reichlich Misstrauen.

Tja, da haben wir uns seit über 150 Jahren bequem im Konzept der Festanstellung und fremdbestimmten Arbeit eingerichtet und dann soll das auf einmal gar nicht mehr der Weisheit letzter Schluss sein? Unerhört.

Und erfrischend. Und kurzweilig. Zumal Stephan Reimertz es als Sprecher mit seiner trockenen Art schafft, auf der einen Seite eine gesunde Distanz zum Text zu wahren und diesen gleichzeitig angenehm hörbar zu präsentieren.

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Gehört: Shoe Dog von Phil Knight

Sind wir doch gleich mal ganz ehrlich: Das Regal mit den Laufschuhen ist hier im Haus gut gefüllt. Es ist jedoch nicht ein einziges Paar von Nike dabei.

Das sind doch die besten Voraussetzungen dafür, mal in die hochoffizielle Biographie von Phil Knight, dem Gründer von Nike, reinzuhören. Shoe Dog heißt sie, benannt nach all den Typen da draußen, die einfach nur verrückt nach Schuhen und dem ganzen Drumherum zum Herstellen dieser sind.

Neben der Geschichte von Phil Knight geht es in diesem (Hör-) Buch naturgemäß sehr, sehr viel um die Geschichte von Nike. Und zu der gibt es durchaus so einiges zu erzählen. Zum Beispiel ist es faszinierend, dass die Wurzeln in Blue Ribbon Sports liegen. Diese Firma hat Knight gegründet, um die Laufschuhe der japanischen Firma Onitsuka Tiger zu importieren. Heute kennt man sie als Asics. Alles klar, oder?

Die Geschichte von den ersten paar Tiger-Schuhen, die aus dem Kofferraum des eigenen Autos heraus auf diversen Laufveranstaltungen ihre Käufer gefunden haben, ist ganz wundervoll. Quasi nichts läuft glatt, irgendwas geht wirklich immer schief. Das ist Spannung pur und Suspense bis zum bitteren Ende. Also dem Ende von Blue Ribbon Sports und der Gründung von Nike.

Ab diesem Zeitpunkt sollte die Post erst so richtig abgehen, könnte man meinen. Das tut sie aber nicht. Also wirtschaftlich für die Firma natürlich durchaus. Nike ist momentan schließlich Marktführer. Hut ab.

Aber in der Geschichte hier im Buch geht’s ab dem Ende von Blue Ribbon Sports und dem Anfang von Nike quasi nur noch bergab. Während vorher jemand mit bescheidenen Mitteln um das Überleben der eigenen Firma gekämpft hat, geht es mit Nike quasi nur noch selbstgefällig um Erfolg, um bahnbrechende Ideen des eigenen Teams, um die Unfähigkeit anderer, um ein zwar gesundes, aber eben auch langweiliges Selbstverständnis auf dem Weg zur Spitze der Branche.

Aber so sei es. Man kann nicht alles haben. Unterhaltsam ist diese Biographie auf jeden Fall und Stefan Lehnen hat sie ganz wundervoll eingesprochen. Ich empfehle das durchaus, man kann sich’s ja beim Laufen anhören.

Aber Schuhe von Nike kommen hier auch weiterhin nicht ins Haus. Da hat dieses Buch nichts dran geändert. 🤷‍♂️