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auf die ohren

Gehört: Shoe Dog von Phil Knight

Sind wir doch gleich mal ganz ehrlich: Das Regal mit den Laufschuhen ist hier im Haus gut gefüllt. Es ist jedoch nicht ein einziges Paar von Nike dabei.

Das sind doch die besten Voraussetzungen dafür, mal in die hochoffizielle Biographie von Phil Knight, dem Gründer von Nike, reinzuhören. Shoe Dog heißt sie, benannt nach all den Typen da draußen, die einfach nur verrückt nach Schuhen und dem ganzen Drumherum zum Herstellen dieser sind.

Neben der Geschichte von Phil Knight geht es in diesem (Hör-) Buch naturgemäß sehr, sehr viel um die Geschichte von Nike. Und zu der gibt es durchaus so einiges zu erzählen. Zum Beispiel ist es faszinierend, dass die Wurzeln in Blue Ribbon Sports liegen. Diese Firma hat Knight gegründet, um die Laufschuhe der japanischen Firma Onitsuka Tiger zu importieren. Heute kennt man sie als Asics. Alles klar, oder?

Die Geschichte von den ersten paar Tiger-Schuhen, die aus dem Kofferraum des eigenen Autos heraus auf diversen Laufveranstaltungen ihre Käufer gefunden haben, ist ganz wundervoll. Quasi nichts läuft glatt, irgendwas geht wirklich immer schief. Das ist Spannung pur und Suspense bis zum bitteren Ende. Also dem Ende von Blue Ribbon Sports und der Gründung von Nike.

Ab diesem Zeitpunkt sollte die Post erst so richtig abgehen, könnte man meinen. Das tut sie aber nicht. Also wirtschaftlich für die Firma natürlich durchaus. Nike ist momentan schließlich Marktführer. Hut ab.

Aber in der Geschichte hier im Buch geht’s ab dem Ende von Blue Ribbon Sports und dem Anfang von Nike quasi nur noch bergab. Während vorher jemand mit bescheidenen Mitteln um das Überleben der eigenen Firma gekämpft hat, geht es mit Nike quasi nur noch selbstgefällig um Erfolg, um bahnbrechende Ideen des eigenen Teams, um die Unfähigkeit anderer, um ein zwar gesundes, aber eben auch langweiliges Selbstverständnis auf dem Weg zur Spitze der Branche.

Aber so sei es. Man kann nicht alles haben. Unterhaltsam ist diese Biographie auf jeden Fall und Stefan Lehnen hat sie ganz wundervoll eingesprochen. Ich empfehle das durchaus, man kann sich’s ja beim Laufen anhören.

Aber Schuhe von Nike kommen hier auch weiterhin nicht ins Haus. Da hat dieses Buch nichts dran geändert. 🤷‍♂️

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auf die ohren aus dem regal

Gehört: Dünengeister von Nina Ohlandt, gelesen von Reinhard Kuhnert

Spätes 18. Jahrhundert, die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts, irgendwann im Heute: Da spielt die Handlung der Dünengeister. Und in allen Zeiten sind die Melanders mit dabei, ein Familienclan auf Sylt, der sein Einkommen auf jeweils an die Epoche angemessene Kreativität generiert. Und bei dem natürlich nicht alles in friedlicher Eintracht abläuft. Da wird auch schon mal gestritten. Und im Hier und Heute sterben schon mal Menschen. Drei. Durch Mord.

Das ist der Fall.

Und bei der Aufklärung dessen geht es um um klassisch sortierte Polizeiarbeit, um falsch verstandene Familienehre, um Beziehungen, die nicht immer von allen toleriert werden. Oder anders: Um das ganz normale Krimileben.

Dabei gibt es die Auflösung am Ende endlich mal nicht in Form eines Schurkenmonologs, bei dem wir langatmig die reumütige Resonanz des großen Bösen erdulden müssen. Stattdessen liefert einer der Ermittler den Showdown und führt geschickt die Fäden zusammen. Geht doch.

Uns sonst so?

Die Stimme von Reinhard Kuhnert ist ganz bezaubernd und zieht einen elegant in die Geschichte hinein.

Das Buch dauert 14 Stunden und 45 Minuten. Die 37 Kapitel teilen sich im Hörbuch auf 355 künstlich erstellte Kapitel auf. Das ist so eine technische Unsitte, die das Navigieren für die Hörys schwerer macht, den Produzenten aber mehr Erträge bringen soll. Drüben bei der Büchergefahr habe ich mich schon mal darüber echauffiert, erspare uns das somit an dieser Stelle. Nur so viel: Das hört auch wieder auf, sehr sicher.

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auf die ohren podcast

Wo holt und hört Ihr Eure Hörbücher?

Drüben – im Podcast der Büchergefahr – ist gerade eine neue Folge erschienen. Neben diversen anderen Themen geht es darin auch um ein Whitepaper der Frankfurter Buchmesse, welches sich dem aktuellen Marktgeschehen rund um Hörbücher widmet.

Nach der Feststellung, dass Streaming derzeit eine noch recht lächerlich kleine Rolle spielt, kam die Frage auf, wo wir uns eigentlich alle so mit Hörbüchern versorgen. Meine naive Annahme war, dass es die üblichen verdächtigen Streamingkanäle sind: Audible, BookBeat, Deezer, Spotify, Storytel. Dem scheint aber gar nicht so zu sein. Tja, was denn dann? Kauft Ihr MP3s bei den diversen Online-Buchläden? CDs im Elektroladen um die Ecke?

Sagt doch mal an. Gern auf Mastodon oder Twitter. Ich sammle die Antworten und dann thematisieren wir das einfach noch mal. Diese Podcastfolgen wachsen ja schließlich nach.

Ich bin gespannt.

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Gehört: Mord & Schokolade von Klaudia Zotzmann-Koch

Warum die Bücher immer nur lesen? Man kann sie sich ja auch mal auf die Ohren geben. Wenn man unterwegs ist, passt das gelegentlich echt besser. Immer nur ein Buch oder das Smartphone vor der Nase ist gar nicht so geschickt. Man glaubt’s kaum, ist aber so.

Also, Kopfhörer auf, App geöffnet, Krimi gestartet. Und erstmal skeptisch geguckt. Denn ganz im Ernst: Mord & Schokolade verspricht als Titel irgendwie einen Genremix, bei dem man nicht so recht glaubt, ob’s wohl bekommt. Spannender Mord? Okay. Etwas Kitsch? Okay. Irgendwie süß? Auch okay. Aber alles auf einmal? Nun ja.

Aber: Man muss auch mal Vertrauen haben. Die Autorin kennen wir schließlich, sie war kürzlich im Podcast des Hauses zu Besuch. Und da laden wir nun wahrlich nicht jede(n) ein. Wo kämen wir hin? Also wie gesagt: Kopfhörer auf, App geöffnet, Krimi gestartet.

Und ich sag’s mal ganz unverblümt: Das hat Spaß gemacht. Die Autorin liest hier selbst, was wirklich sehr, sehr gut gelungen ist. Technisch gibt’s nichts zu bemängeln, so sieht eine ordentliche Produktion aus beziehungsweise hört sie sich an. Ihre Stimme klingt angenehm, man hört ihr gern zu. Die ganzen Betonungen und Intonationen passen jeweils zum Geschehen. Allein von dieser Seite hat es sich schon mal gelohnt.

Die Geschichte überzeugt auch. Wie gesagt: Eh klar ist das nicht, passt aber trotzdem. Wie im Titel versprochen gibt’s einen Mord. Wie es sich gehört, gibt es mehrere mögliche Variationen dessen, wie der zustande gekommen sein könnte. Es hat die Kirche ihre Finger mit im Spiel. Es gibt Beziehungsdramen. Es gibt Kombinationen aus beidem. Riskanterweise gibt’s sogar Humor, welcher ja bekanntermaßen Spannung schnell mal kaputt macht. Aber wenn der leicht cholerische Biedermann zum Mann, der einen anderen Mann küsst, entsetzt anmerkt:

Jeder vernünftige Mann hätte dafür eine Frau bezahlt!

Dann fühlt man sich prächtig unterhalten, ohne gleich die Mördersuche ad acta zu legen.

Die ursprüngliche Angst vor dem Genremix und dem süßen Kitsch ist übrigens weitestgehend unbegründet. Erst zum Ende, quasi nach der Auflösung der eigentlichen Dramen kommen sie dann doch durch. Aber das ist durchaus zu ertragen. Da wollen wir mal keine unangebrachte Larmoyanz aufkommen lassen.

Das waren ein paar kurzweilige Stunden. Spannend, fein erzählt, solide produziert. Eine Empfehlung.

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Der Podcast verrät: Hier gibt’s jetzt auch das erste Hörbuch

Jetzt wird es endlich Zeit, mal gnadenlos ehrlich zu sein. Geschwindelt wird hier natürlich auch sonst nicht. Aber vielleicht bleibt ja das eine oder andere Detail elegant unter dem Teppich. Wer weiß das schon? Kann ja alles sein.

Aber ein Geheimnis lüften wir ruhig: Ich rede gern und das sogar dann, wenn ein Mikrofon vorhanden ist. So, jetzt ist es raus. Aufmerksame Beobachter haben sich so etwas spätestens seit der Eröffnung des Podcasts hier im Haus möglicherweise gedacht. Und das gute Stück ist mittlerweile auch schon in die Jahre gekommen.

So geheim war das also gar nicht? Na gut, dann schiebe ich noch etwas hinterher: Vorlesen ist auch toll! Mache ich super gern. Viel zu selten findet sich leider ein adäquates Publikum dafür. Zum Glück gehören seit einer Weile Kinder mit zur Familie. Die sind so gut erzogen, dass sie allabendlich ihre Großzügigkeit und Toleranz zeigen, indem sie mir geduldig zuhören.

Und jetzt – brandneu! – gibt es noch eine weitere feine Gelegenheit: das erste Hörbuch des Hauses ist da. »Spannung & Suspense« heißt es, Stephan Waldscheidt hat’s geschrieben, ich durfte lesen.

In der aktuellen Folge des Büchergefahr-Podcasts stelle ich es kurz vor. Man kann mir also dabei zuhören, wie ich darüber rede, wie man mir zuhören kann. Faszinierend, oder? Nun, zum größeren Teil geht es zum Glück auch noch ein wenig um andere Themen.

Das empfehle ich natürlich sehr. Knapp über 17 Minuten dauert es und gleich hier nebenan ist die Folge zu finden, das Hörbuch nur einen Klick weiter.

Viel Spaß!