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auf die ohren

Gehört: Die subtile Kunst des darauf Scheißens von Mark Manson

Die subtile Kunst des darauf Scheißens.

Die Welt der Ratgeber, sie ist so herrlich bunt. Und man kann sich in ihr so wundervoll vorhersehbar belehren lassen, dass eine möglichst positive Sicht auf die Welt hilft, um in quasi allen Lebenslagen glücklicher und ausgeglichener durch den Alltag zu kommen.

Mark Mansons Subtile Kunst des darauf Scheißens scheint auf eine ganz ähnliche Richtung abzuzielen. So geht es im (Hör-) Buch nämlich darum, wie wir auf andere wirken, was andere von uns denken und wie wir damit umgehen.

Statt des eweg gleichen alles-gut-solange-deine-Einstellung-stimmt, gibt’s hier aber immerhin endlich mal eine Empfehlung, ewtas aktiver mit sich und seiner Umwelt umzugehen. Beim »darauf Scheißen« geht’s nämlich nicht darum, alles Negative zu ignorieren und nur die rosarote Brille aufzubehalten. Sondern es geht darum, selbst die Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen. Man kann zwar nicht beeinflussen, was andere tun. Aber man kann beeinflussen, wie dieses auf einen selbst wirkt und was man damit macht.

Das ist in der Tat ein wenig erfrischender als die meisten Beratungskalauer, die sonst so herumlungern.

Wenn einem jemand etwas Gemeines sagt und man sich dann schlecht fühlt, kann man das Gesagte nicht ändern, das eigene Gefühl aber eben doch. Und man kann zum Beispiel ganz hervorragend bewusst beschließen, diese eine Meinung dieses einen Menschen einfach nicht wichtig zu nehmen. Oder um es im Tonfall des Buches zu sagen: darauf zu Scheißen.

Das ist auch das wenig überraschende Dilemma des Werkes: die Sprache. Muss man echt in Fäkalverbalitäten abrutschen, um noch genug Aufmerksamkeit abgreifen zu können? Meine Güte. 🙄

Vielleicht stört es beim Hören auch nur, dass Stefan Lehnen als Sprecher sichtlich Spaß am Vulgären zu haben scheint. Fremdscham kommt auf. Aber wie man mit dieser umgeht, wie sie auf einen wirkt, wie stark man diese auf sich wirken lässt, das hat man ja zum Glück selbst in der Hand. Toll, wie einem dieser Ratgeber genau das nahelegt.

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auf die ohren

Gehört: Manhattan 2058

Wenn die Welt aus den Fugen zu geraten scheint, ist es manchmal gar nicht so verkehrt, sich für einen Moment in die Fantasie der guten alten Zeit zurückzuziehen. Oder etwas in der Art. Ein verlässlicher Weg ist es, sich etwas Zoff von Gut-gegen-Böse auf die Ohren zu legen.

Mit Manhattan 2058 von Dan Adams klappt das ganz gut. Das Stück spielt erwartungsgemäß in der gar nicht so fernen Zukunft. Und es handelt von einem kurz bevorstehenden Bürgerkrieg. Das Beruhigende an der Geschichte: Die USA sind noch der Nabel der Welt bzw. halten sich für eben diesen. Im Gegensatz zum alten Kriegsklassiker geht es jetzt allerdings nicht um Nord gegen Süd, sondern um Ost gegen West.Ansonsten passten die Muster und Gewohnheiten aus den guten alten Zeiten auch 35 Jahre in der Zukunft noch.

Es geht im Kern darum, dass ein Cop seine Verlobte verliert, glaubt, dass eine Terrororganisation dafür verantwortlich ist und sich auf einen Rachefeldzug begiebt. Natürlich stimmt dabei vorne und hinten nicht viel von den ursprünglichen Annahmen. Stattdessen ist die große Politik von Korruption durchsetzt, ein Geheimdienst lebt das Idol der Verschwörungstheorie, im Westen der Staaten geht die Welt vor Trockenheit unter, irgendjemand hat mal wieder eine Mauer gebaut, im Untergrund wird erbittert gekämpft. Nebenbei spielen diverse Variationen von Verbrennermoktoren noch eine erstaunlich große Rolle. Ein wenig Zukunft gibt’s aber doch. So können Autos endlich fliegen, die etwas besseren Exemplare zumindest.

Das ist alles recht spannend und abwechslungsreich erzählt. Tobias Kluckert liest mit ganz hervorragendem Wechsel in Stimme und Tempo, wandert gekonnt zwischen verschiedenen Handlungssträngen hin und her.

Eine ordentliche Produktion, die wundervoll unterhält und vom Alltag ablenkt. Das einzig Irritierende ist die total künstliche Unterteilung in sechs Einzelteile. Diese ergeben jeweils für sich überhaupt keinen Sinn, man sollte sie am Stück hören. Das dauert dann etwas über 20 Stunden.

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auf die ohren aus dem regal

Gehört: Essentialismus von Greg McKeown

Es ist wichtig, sehr sehr wichtig, dass man sich komfortabel darin einrichtet, zu vielen, vielen Sachen »Nein« zu sagen. Damit konzentriert man sich auf das Wesentliche, das Wichtige, das Essentielle. So sagt es Greg McKeown in Essentialismus, mit der Stimme von Dominic Kolb.

Soweit ist das ganz angenehm anzuhören und unterhaltsam konsumiert. Vielen Dank an den Sprecher.

Aber – und das ist ein großes ABER – es widerstrebt einem doch und erschüttert quasi die Grundfeste des eigenen Selbst. Denn mal unter uns: Ich bin hier sicher nicht der Einzige, der mit dem gesunden Selbstverständnis eines Dienstleisters groß geworden ist, anderen gern und häufig hilft, ihnen sozusagen zu Diensten steht, lieber »Ja« als »Nein« zu allem sagt, was so herangetragen wird.

Und mal so ganz ehrlich und da wir hier eh unter uns sind: Das ist auch ganz gut so. Das fühlt sich durchaus gesund an. Sicherlich ist’s auch mal stressig, wenn man sich partiell mit den eigenen Zusagen ein wenig übernimmt. Aber liegt nicht genau da der Reiz? Im Übernehmen? Im Überschreiten der eigenen Grenzen? Im Ausweiten – und nicht nur Ausloten – des Machbaren?

Ja, dem ist so. Zum Essentialismus kann man sich damit halt nicht bekennen. Aber das muss man ja auch nicht. Glück gibt’s auch ohne den.

Und wer diese Erkenntnis gern selbst eruieren möchte, kann sich gern dieses Hörbuch auf die Ohren legen. Es dauert circa sieben Stunden und die sind durchaus kurzweilig, auch wenn man sich der zugrunde liegenden Theorie nicht hingibt.

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auf die ohren aus dem regal

Gehört: Project Weisser Jade von Alex Lukeman

Wie die Zeiten sich doch ändern. Früher war es in Spiongedramen normal, dass die guten Nordamerikaner gegen die bösen Russen agierten.

Heute halten sich die Amerikaner weiterhin für die Guten, streiten sich aber mit den Chinesen als Gegenspieler.

So auch hier beim Project Weisser Jade von Alex Lukeman (Übersetzung von Alok Avasthi). Bei diesem geht es um einen alten Schatz, der zwar von den Chinesen stammt, zwischendurch jedoch verloren ging und ihnen jetzt natürlich nicht wieder zufallen soll. Denn: Sie sind die Bösen, siehe oben.

Damit man den Chinesen diese Rolle abkauft, planen einige von ihnen erstmal einen Militärputsch. Den gilt es natürlich zu verhindern. Darum kümmern sich zum Glück die guten Amerikaner.

Hauptsächlich sind zwei Protagonisten aktiv: Nick Carter als alter Hase und erfahrener Agent sowie Selena Connor als intelligente Sprachwissenschaftlerin, die durch einen Mord an ihrem Onkel in die Geschichte gezogen wird.

Es entwickelt sich ein temporeicher Wettlauf beider Seiten bei der Jagd nach dem Schatz und dem Kampf um den Putsch. Dabei geben sich alle wenig gegenseitige Gnade, sind die Wendungen und Hindernisse trickreich und überraschend. Obwohl schnell klar ist, wer am Ende siegreich aus der Schlacht hervorgehen wird, bleibt die Erzählung spannend und unterhaltsam.

Einen guten Anteil daran hat sicher Michael Schrodt. Er liest das Hörbuch und macht das auf eine sehr angenehme und doch unauffällige Art und Weise.

Eine Empfehlung, wenn man sich für Spionagethriller mit klaren Feinbildern begeistern kann.

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auf die ohren

Gehört: Power Play von Tim Higgins

Ein Blick auf die Geschichte von großen und bekannten Firmen hat seinen Charme. Da gibt’s oft eine bunte Mischung aus cleveren Ideen, Mut diese anzugehen, Charisma zum Übergzeugen von Mitstreitfern und viel Dramen auf dem Weg zum Erfolg.

Power Play von Tim Higgins verspricht, genau das am Beispiel von Tesla zu leisten. Und warum auch nicht? Da kommt eine neue Firma und versucht, bestehende und etablierte Strukturen einer erfolgreichen Branche auf den Kopf zu stellen. Engagierte, motivierte und für Autos begeisterte Menschen bauen Elektroautos, die Spaß machen und nicht nur auf der Vernunftschiene überzeugen. Das klappt, das klappt auch mal nicht, das wirft Probleme auf, das zeigt Lösungen, die unmöglich scheinen, das geht voran, das begeistert.

Dann geht das Geld aus. Investoren sind gefragt. Mit Elon Musk kommt einer, der mitspielen möchte. Und von da an fällt die Geschichte ab, konzentriert sich auf eine One-Man-Show, wird langweilig. Wie schade.

Bei der Firmenbiographie von Nike haben wir hier so schön festgestellt : Alles schön und gut und unterhaltsam, aber Laufschuhe des Ladens kommen trotzdem nicht ins Haus. So weit würde ich bei Tesla jetzt nicht gehen. Doch der überragende Himmel der Firmengeschichtserzählung ist Power Play leider nicht. Immerhin ist es gut erzählt und vorgelesen. Dank an Will Damron.