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Aussortierte Laufschuhe: Brooks Neuro 2

Es gibt ein großes Dilemma, wenn man sportlich viele Laufschuhe im Regal hat, aber nur weniger sportliche Umfänge mit diesen absolviert: Man braucht halt immer eine Weile, bis mal wieder ein Paar durchgelaufen ist und Platz machen darf. Irgendwann ist’s dann aber doch soweit. Hier und heute ist es ein Paar Brooks Neuro 2, welches in den Ruhestand geht.

Brooks Neuro 2 mit gerissenem Obermaterial.

Wie schon bei den guten alten Cloudflows macht auch hier wieder das Obermaterial schwach. Wieder vor allem beim linken Schuh. Man könnte jetzt mal in Ruhe darüber nachdenken, was das so über den kreativen Laufstil des Hauses aussagt. Aber das machen wir jetzt nicht. Wollen ja nicht abschweifen.

Brooks Neuro 2 mit gerissener Schlaufe

Spannend ist allerdings, dass sich hier weiteres Material müde wird und aufgibt: Die Schlaufen für die Schnürsenkel. Reißen einfach. Frechheit. Wo soll man da mit den Senkeln hin? In die Hand nehmen ist ja auch nur mäßig toll.

Also alles Schrott?

Na, nicht ganz. Die Sohle spielt zum Beispiel recht solide mit. Zumindest auf den ersten Blick wirkt sie doch fast wie neu. Ein zweites Mal muss man ja nicht so genau hingucken. Aber da reißt nichts, da bricht nichts. Feine Sache.

Brook Neuro 2 von unten.

Entsprechend lange haben sie mitgespielt. Das ist nicht eh klar. Brooks geben hier im Haus gemeinhin schnell mal auf. Mehr als sechs- bis siebenhundert Kilometer sind da oft nicht drin. Dieses Exemplar bringt es auf 1.030 Kilometer, schaffen also die mileneale Schallmauer. Das ist ja auch irgendwie wichtig, man geizt halt so vor sich hin. Wer will schon alle paar Wochen neue Schuhe kaufen? Eben.

Oder kurz: Brooks? Rehabilitiert. Kann man laufen. Ruhestand verdient.

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aus dem regal

Gelesen: Perry Rhodan von Andreas Eschbach

Es gibt da so eine Soap Opera, es ist genau genommen eher eine Space Opera, die sich seit erstaunlich langer Zeit erstaunlich gut hält und eine erstaunlich solide Leserschaft erfreut. Was es so alles gibt, man staunt und freut sich. Denn das ist doch eine Art Konstante, die das Leben für viele ganz offensichtlich angenehmer, unterhaltsamer und insgesamt somit schlicht etwas schöner macht. Besser wird’s wohl nicht.

Perry Rhodan heißt die Serie übrigens. Und für manche mag es ein little-known-fact sein, dass dessen Redaktion hier in den Südstaaten quasi gleich um die Ecke residiert. Passenderweise war der Redakteuer vom Dienst auch schon bei der Büchergefahr zu Gast.

Andreas Eschbach: Perry Rhodan.

Und endlich kommt es auch als Lektüre ins Haus. Allerdings nicht gleich die ganze Serie. Damit hat unsereins es schlicht nicht so. Hier soll, darf und muss sich die Lektüre regelmäßig ändern. Für eine ganze Serie reicht die Aufmerksamkeitsspanne schlicht nicht. Schlimm die Zeiten, wohl wahr.

Also gibt es nur ein Buch. Es ist ein Einsteigerbuch. Konkret eines, welches ein wenig zu den ganzen Hintergründen der Saga erzählt. Passenderweise passiert das in Form der Jugendjahre des titelgebenden Perry Rhodan, der ja auch irgendwann mal klein war und so aufgewachsen sein muss, dass er irgendwann zum großen Weltraumhelden werden konnte.

Erzählt wird diese Geschichte von Andreas Eschbach. Von ihm hatten wir hier ja schon ein paar Bücher auf dem Kanal. Seine Art zu erzählen passt. Meistens zumindest. Im hier konkret vorliegenden Fall hat er sich interessanterweise für die Erzählperspektive eines quasi unbeteiligten Dritten entschieden, also jemanden, der aus dem Off auf das Leben des heranwachsenden Helden guckt und es kommentiert. Darauf muss man sich einlassen, selbst wenn es manchmal befremdlich wirken mag.

Wie es sich bei einer großen Saga und einem erfahrenen Autoren gehört, ist die Geschichte der Jugendjahre des Perry Rhodan natürlich nicht ganz geradlinig. Sie spielt aber passenderweise mitten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in welcher ja doch so einiges los wahr. Und vieles davon finden hier seinen Platz und spielt eine Rolle.

Hauptsächlich ist das natürlich das Wettrennen um die Reise ins All und zum Mond. Viele der tatsächlich dabei aktiven Charaktere tauchen hier auch auf. Im Detail fällt die Geschichte natürlich ein wenig anders aus, als wir sie erlebt haben. Aber das gehört sich so, das muss so sein.

Irgendwie viel spannender ist das Zusammenspiel des restlichen Weltgeschehens. Ob es die Rassenunruhen in den Vereinigten Staaten sind, ob des der Vietnamkrieg ist, ob es Studentenaufstände in Paris sind: Kommt alles vor, spielt alles eine Rolle, ist alles interessant miteinander verwoben.

Unter dem Strich gibt’s hier solides Coming-of-Age, welches auch dann noch Spaß macht und spannend unterhält, wenn klar ist, dass aus dem Protagonisten am Ende ein großer Held wird.

Und die Serie zieht hier wohl trotzdem nicht als regelmäßiger Gast ins Haus ein. Aber das macht nichts, das passt schon so.

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podcast

Zahlen. Daten. Fakten. Unfug.

Das habe ich hier glatt noch nicht erwähnt (man kommt ja zu nix): Im Podcast der Büchergefahr ist kürzlich eine neue Folge erschienen. In dieser wundert der Rechthaber des Hauses ein wenig über die möglichen Spielarten der im Herbst kommenden Frankfurter Buchmesse herum. Und als Bonus kommt er auch noch mit Klugscheißerbitten daher:

Überlegt Euch, was wirklich zählt und trackt nicht einfach alles, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist.

Aber es ist durchaus etwas dran. Während wir uns auf der einen Seite problemlos über die Social-Media-Datensammler echauffieren, sind die eigenen Webauftritte vollgepumpt mit Googles Analytics oder Piwik Matomo-Trackern oder irgendwelchen Podcast-Download-Hörende-oder-so-Auswertern.

Und wofür? Um das eigene Ego zu pinseln, mit etwas Glück zumindest. Ansonsten aber auch gern, weil man das halt macht.

Schluss mit dem Unfug. Anhören dürft Ihr Euch die Folge natürlich trotzdem, auch wenn das niemand mitzählt.

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aus dem regal

Gelesen: »Der Wal und das Ende der Welt« von John Ironmonger

Am Anfang gibt’s den Wal und einen nackten Mann. Beide werden am Strand eines entlegenen englischen Dorfes angespült. Beide werden von den Dorfbewohnern gerettet. Der Wal geht zurück ins Meer, der Mann kommt ins Dorf. Der Wal verschwindet quasi bis zum Ende der Geschichte (von wenigen, eher beiläufigen Gastauftritten mal abgesehen), der Mann bleibt.

Er entpuppt sich als Mathematiker, der als Analyst bei einer Londoner Investmentbank arbeitete. Seine Analysemodelle veranschaulichten dabei unter anderem Szenarien der Dramaturgie, die im Falle einer Grippe-Epedemie eintreten können und es sehr wahrscheinlich auch tun. Das ist doch mal eine zeitgemäße Thematik.

In der Geschichte geht es um diese Modelle und wie sie helfen können, das Zusammenspiel der vielen Bausteine unserer modernen Zivilisation verstehen zu können. Es geht darum, ob und welche Auswirkungen dessen in einem abseits gelegenen Fischerdorf mit dreihundert Einwohnen spürbar sein können. Es geht darum, wie wir uns im Glauben an die Ernsthaftigkeit einer Epedemie wohl verhalten. Greift das Bild des Homo oeconomicus, der nur auf seinen hocheigenen Vorteil bedacht ist und diesem alles unterordnet? Oder hält uns als soziale Wesen, die in Gemeinschaften zusammenleben noch mehr als das aneinander gebunden?

Es sind keine kleinen Fragen und Themen, die John Ironmonger hier aufwirft. Und er schafft das doch recht leichtfüssig. Die Geschichte zieht einen flüssig durch die Seiten, entblättert die Historie unseres anfänglich nackten Mannes stückweise und streut Gedankenmodelle samt z.T. wilder Theorien mit ein, ohne dabei sonderlich mit dem erhobenen Zeigefinger zu winken.

Das liest sich flüssig und angenehm, was natürlich auch an der soliden Übersetzung von Tobias Schnettler und Maria Poets liegen kann.

Eine Empfehlung.

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laufen

Leichtfüßige Eleganz

Die letzten Wochen (Monate!) haben ganz beiläufig recht faszinierende Nebenwirkungen gezeigt. So wurden manche der gemeinhin recht einsamen Laufrunden des Hauses vom ebenfalls hier wohnenenden Trainerpersonal begleitet. Ich erwähnte das anlässlich des Ostermarathons bereits.

Zwischenzeitlich hat das ein wenig nachgelassen. Irgendwann kannten die Kinder alle üblichen Runden der Gegend. Da nutzt sich der Reiz der Begleitung eines schnaufenden Erziehungsberechtigten ein wenig ab. Das ist durchaus verständlich.

So manches Mal bietet sich dann aber doch wieder eine Gelegenheit. Und zack, radelt die junge Trainerin neben mir her. Oder besser gesagt: vor mir davon. Sie lässt das Rad einfach laufen. Man muss da nicht unnötig herumbremsen. Stimmt schon.

Ich trabe hinterher. Nach Jahren des Trainings bin ich zwar nicht wirklich schneller geworden, aber doch eleganter. Strecke für Strecke, Runde für Runde, Lauf für Lauf verbessert sich die Technik schließlich. Das kann man gar nicht vermeiden. Das passiert einfach so. Leichtfüßig gleite ich also dahin, schön im gleichmäßigen Takt, konstant und elegant der Trainerin hinterher.

»Was meinst du, woran erkenne ich eigentlich, ob du gerade weiter weg oder dichter dran bist?«, fragt sie plötzlich.

Nun, gute Frage. Atmen muss ich natürlich. Die Sonne ist schließlich spontan aufgetaucht, da wird einem schon mal warm. Das ist im Detail vielleicht wenig elegant, kann doch aber mal passieren. Dass sie es so deutlich hören kann, überrascht jedoch. Aber so sei es. Damit kann ich leben. An der nächsten Ampel einfach dreimal tief durchatmen und alles passt wieder.

»Ist ganz einfach. Mal kann ich dein Trampeln ganz laut dicht hinter mir hören und sonst höre ich es etwas leiser von viel weiter weg. Aber immer ganz deutlich.«

Allein zu Laufen hat doch klare Vorteile.