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berufswunsch sohn

Berufswunsch (13)

Es ist spät am Abend. Die Kinder sind im Bett. Eine von beiden schläft auch tief und fest, nur beim großen Bruder herrscht keine Ruhe. Ihn treibt etwas um. Er ruft laut: Papa! – da gibt es wohl etwas zu klären. Ich gehe ruhig hin, damit wir das regeln können. Ganz unter Männern. Und kaum bin ich zur Tür rein, platzt es schon aus dem Sohn heraus: Papa, stimmt’s: statt „Diebe“ oder „Räuber“ darf man auch „Einbrecher“ sagen?

Ich: Ja, klar! Aber hier sind keine, Du kannst ruhig wieder einschlafen.

Sohn: Oder „Wegnehmer!“

Ich: Wegnehmer?

Sohn: Ja, Wegnehmer! Sie nehmen einem ja etwas weg.

Ich: Alles klar, mein Schatz. Wegnehmer darfst Du sie auch nennen. Aber jetzt wird geschlafen. Gute Nacht.

Sohn: OK, Papa. Gute Nacht.

Und noch im Herausgehen höre ich ihn ein weiteres Synonym vor sich her brubbeln: Gangster!

Tja, was soll ich sagen? Am nächsten Morgen, auf dem Weg zur Kita, stellen wir fest: es fehlt tatsächlich das Radio im Gefährt.

Ich sag’s mal so: Der Sohn wird später ganz sicher ein Omen. Nur an seiner Vermarktungsfähigkeit muss er wohl noch arbeiten.

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aus dem regal

Aus dem Regal: Marmelade im Zonenrandgebiet von Maximilian Buddenbohm

Cover: Marmelade im Zonenrandgebiet Im normalen Leben schreibt der Herr Buddenbohm ein Blog. Herzdamengeschichten steht draußen dran. Drin gibt’s jedoch meist etwas über zwei Kinder. Als wär‘ das nicht per se schon schlimm genug, nimmt er diese Texte manchmal, schleift noch ein wenig daran herum, presst sie schließlich zwischen zwei Deckel und nennt das Ergebnis: Buch. Wiederholt. Unerhört.

Denn sind wir doch mal ganz ehrlich: Wer will schon immer nur Geschichten über Kinder lesen? Die Kleinen machen dies, die Kleinen machen das; guck mal – wie lustig, was haben wir gelacht; bitte ruhig weiter geh’n, hier gibt’s nichts zu sehen. Irgendwann reicht’s.

Das hat sich offenbar auch Herr Buddenbohm gedacht und jetzt glatt mal ein Buch über einen Erwachsenen geschrieben: sich selbst. Endlich mal etwas Solides, Bodenständiges, Ernstes. Es ist ein Buch voll mit Fragen, die jeder von uns unmittelbar nachvollziehen kann. Es geht um die großen Dinge des Lebens. Also um die Studienwahl und die Suche nach einer Frau. Und das Allerbeste ist: Die Antworten gibt’s auch. Im Buch. Also kann ich nur eines empfehlen: Zugreifen! Kaufen, Holen, Selbst-lesen. Nachdem wir in den ersten Büchern des Schriftstellers mit dem Kinderkram konfrontiert wurden, erfahren wir hier endlich alles über seinen ganz eigenen Werdegang. Wir bekommen tiefe Einblicke in seine Vergangenheit. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Er macht sich quasi nackt. Nichts ist tabu. Alles wird geklärt.

Nur eine Frage bleibt am Ende doch offen: Was wurde eigentlich aus Wiebke?

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feiertage

Weltpoesietag

Heute war Weltpoesietag. Das muss man sich mal vorstellen: Ein ganzer Tag für die Poesie. Das ist natürlich Provokation pur. Aber mit zwei Kindern im Sprachlernalter schrecken wir hier natürlich vor keiner Herausforderung zurück und reimen uns den Tag zusammen (Die Reihenfolge ist verkehrt, was hoffentlich keinen Leser stört.):

Reime

Auf Twitter war das und wurde auch gelesen, die Antwort kam prompt, quasi mit ’nem Besen:

Reimende Antwort

Und für jene, die jetzt noch sagen: Was soll’n die Schweine, darf ich das fragen? hab‘ ich ’nen Tipp: nur nicht verzagen. Denn Dank der Schweine gibt’s Reime und zwar ganz feine:

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autodidakt sohn

Wichtige Entscheidungen

Es gibt Tage, die sind lang. Viel länger als andere. Zumindest gefühlt ist das so. Da war es wohl sehr anstrengend, was den ganzen Tag über so passiert ist. Ermüdend, quasi. Und so sitzt die Familie am Tisch mit dem Abendmahl und alle gucken sich eher ruhig, recht träge und mit glasigen Blicken an.

Wirklich alle? Nun, ein kleiner Mann leistet Widerstand gegen den allgemeinen Trend. Der Sohn hat in einem Wahn von vorausahnender Cleverness als einziger im Haus einen ausgiebigen Mittagsschlaf gehalten. Er ist topfit, putzmunter, gut drauf und voller Tatendrang. Das ist zwar anstrengend, muss aber selbstverständlich sofort gnadenlos ausgenutzt werden. Wir planen gleich mal das tägliche Ritual des ins-Bett-Gehens neu. Wir schlagen dem Sohn vor, dass er es ist, der heute alle ins Bett bringt. Schwester, Papa, Mama – am besten in genau der Reihenfolge. Er guckt erst einmal skeptisch. Wer weiß schon, was die Eltern da erzählen? Und nachher meinen sie es vielleicht doch nicht ernst. Unmöglich, so ein müder Familienclan. Unberechenbar, das Volk. Man sieht’s dem Sohn an: Er wartet erst einmal ab. Ich ringe mir ein paar motivierende Worte ab: Das ist nicht weiter schlimm, mein Sohn. Zähne putzen wir uns selbst. Du musst am Ende nur ein Buch vorlesen, das war es dann schon fast. Die Mama sucht eins aus, holt es Dir aus dem Bücherwagen und Du liest es dann vor. Das reicht. Und zack: alle schlafen.

Er guckt mich an, legt sein Essen erstmal ab und lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Ob das Entspannung ist, kann ich gar nicht sagen. Eher scheint er zu überlegen. Soll er ruhig. Wir essen einfach weiter. Plötzlich guckt er ganz freudig. Lehnt sich leicht zur Dame des Hauses herüber und flüstert: Mama?Ja, mein Schatz?, antwortet sie. Mama, Du suchst Dir am besten ‚Stop für Willi‘ aus, ja? Das ist ein recht unterhaltsames Buch, wenn auch relativ viel Tempo in der Geschichte liegt, so ganz optimal zur Nacht ist es nicht, es geht um Autos, Züge, Fahrräder, es geht um Tempo, Fußball, Unfälle gar. Ein schönes Buch, keine Frage, aber zum Einschlafen? Mama, das ist doch mein einziges Buch, in dem überhaupt gar kein Text drin steht. Das kann ich Dir vorlesen, ja? Ja!, sagt der Sohn grinsend, nickt noch einmal, um sich selbst zuzustimmen und lässt in seinem Blick klar erkennen, dass die Entscheidung für die Nachtlektüre gefallen ist. Die Mama wird nachher auf jeden Fall das Richtige tun.

Und nach einem langen, vielleicht sogar anstrengenden Tag haben wir sogar noch etwas gelernt: Wichtige Entscheidungen sehen immer nur aus, als würden sie spontan gefällt. Tatsächlich sind sie gut vorbereitet und mit allen Beteiligten im Vorfeld sorgfältig abgestimmt. Der Sohn hat das schon ganz intuitiv drauf. Wenn’s bei den Großen mal auch immer so gut klappen würde. Selbst an ganz normalen Tagen.


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dame des hauses

Lösung erarbeitet

Wir sitzen bei Tisch. Mal wieder. Das kommt hier so regelmäßig vor, dass sich schon eine feste Routine eingeschlichen hat. Das sieht man nicht zuletzt an der Sitzordnung. Denn es ist tatsächlich fast immer das Gleiche: Der Sohn sitzt mit der Dame des Hauses auf der einen Seite des Tisches. Die Tochter macht es sich mit mir auf der anderen bequem. Das hat glasklare Vorteile: So kann sich jedes Kind voll einem Erziehungsberechtigten widmen. Denn bei Tisch geht es ums Essen, beim Essen geht’s ums Überleben. Und beim Überleben muss jeder zusehen, wo er bleibt. Die Kinder haben das früh erkannt.

Die Routine bringt es mit sich, dass auch die Aufmerksamkeiten relativ klar getrennt sind: Die Tochter und ich, wir bilden ein Team. Was die beiden anderen da treiben, ist uns weitgehend gleichgültig. Wir haben genug mit uns selbst zu tun. Hier geht’s schließlich ums Essen und Überleben – wir hatten das ja schon. Also machen wir, was man in einem guten Team machen sollte: Wir teilen alle Aufgaben sinnvoll nach Qualifikation auf. Die Tochter schnappt sich das Brot sowie den Frischkäse und beschmiert das eine mit dem anderen. Ich darf immerhin die Tomaten vierteln. Ich mache es gewissenhaft, die Qualitätsmaßstäbe im Team sind hoch. So geht das eine ganze Weile. Sie macht die Brote, ich die Tomaten. Wir tauschen die Ergebnisse aus, essen glücklich vor uns hin, gelegentlich gibt es sogar etwas zu trinken. Es ist Harmonie pur. Von der anderen Seite des Tisches bekommen wir nicht viel mit, außer, dass sie da drüben weniger essen, dafür offenbar mehr verhandeln. Ständig zeigt einer auf den Kühlschrank und schüttelt die andere mit dem Kopf. Wir nehmen das eher beiläufig zur Kenntnis und essen weiter friedlich vor uns hin. Bis es da drüben auf einmal ganz ruhig wird und ein Satz über den Tisch schwappt:

Siehst Du, mein Sohn. Jetzt haben wir zusammen eine gute Lösung erarbeitet.

Die Tochter und ich: wir sind spontan auch ganz ruhig. Wir gucken uns an. Wir gucken die beiden da drüben auf der anderen Seite des Tisches an. Wir schütteln kurz mit den Köpfen, schieben uns dann jedoch weiter gegenseitig die Happen zu. Wir sind hier schließlich bei Tisch. Da kann man sich nicht einfach durch die Sprüche der anderen aus dem Konzept bringen lassen. Überleben und so. Im gemeinsamen Spiel mit dem Essen wird uns klar: wichtig ist, dass der Prozess der Nahrungsaufnahme stimmt. Die Workflows sind definiert und müssen schlicht eingehalten werden. Dann ist auch das Outcome Sättigungsgefühl gesichert. Routine ist alles.

Ohne die Tochter wäre ich jetzt sicherlich durch das Verhalten und die Sprüche der beiden anderen Kollegen am Tisch für einige Zeit irritiert gewesen. So aber erkenne ich nur eins: Kinder zu haben ist eine klare Win-Win-Situation.