Kategorien
sohn unterwegs

Weichteile

Wir waren kürzlich auf einem Schloss. Und es war natürlich ein richtiges Ritterschloss. Keine Burg, nein, ein Schloss. Und da kann man nicht nur heiraten, sondern zum Beispiel auch eine akkurate Ritterrüstung bestaunen. Selbige steht dort einfach so im Treppenhaus herum und ist nicht zu verfehlen. Einfach zur Tür herein, links die Treppe hoch und auf dem ersten Absatz steht: die Ritterrüstung.

Das hat auch der Sohn relativ schnell bemerkt und war 30 Sekunden nach Ankunft quasi verschwunden. Weitere 30 Suchminuten später haben wir ihn gefunden: er hat einfach nur die Rüstung inspiziert. Gründlich, versteht sich. Alle Details hat er untersucht. Gestaunt hat er über jede auch noch so kleine Sicherheitsmaßnahme am eisernen Kostüm. Da waren die Füße gut versteckt, die Kniekehlen gesichert, sowohl der Bauch als auch die Arme und diversen Gelenke gut gepanzert, der Kopf leider nicht zu sehen, da hinter einem Visier verschanzt. So eine Rüstung ist wirklich der Wahnsinn. Rundum sicher, rundum dicht.

Wenn nicht der Sohn am Ende auf ein bordeaux farbiges Tuch im Schritt gezeigt und gesagt hätte: Papa, hinter diesem Tuch hier hängt doch bestimmt der Pullermann, oder?

Tja, lieber Ritter, durchschaut. So eine Rüstung ist auch nur so stark wie ihr schwächstes Glied, nicht wahr?

Kategorien
feiertage sohn tochter

Heiraten

Wir machen nicht nur Urlaub. Nein, wir feiern auch. Hochzeiten zum Beispiel. Gern die von guten Freunden. So auch kürzlich. Dabei hilft’s natürlich enorm, wenn alle Beteiligten wissen, worum es geht und worauf sie sich da einlassen. Das ist nicht immer ganz einfach. Denn selbst sind wir hier im Haus eine recht klassisch gestaltete Familie. Wir haben erst einmal geheiratet und danach gab’s dann irgendwann die Kinder. Manche mögen das langweilig finden. In Wirklichkeit ist es aber vollkommen in Ordnung so. Einen Nebeneffekt hat es jedoch: den Kindern ist das Konzept einer Hochzeit von Haus aus erst einmal fremd. Aber wofür gibt es lange Anfahrtswege? Richtig: für Aufklärungsaktionen. Denn irgendwann während der Autofahrt fragte der Sohn: Papa, was ist eigentlich eine Hochzeit?

Tja. Wo fängt man da mit dem Erklären an? Um Liebe geht’s auf jeden Fall. Aber da das noch nicht der richtige Moment für die Antwort mit den Bienen und den Blüten ist, fange ich erst einmal damit an, um wen es eigentlich geht. Das Paar ist beim Nachwuchs gut bekannt, beide sehr beliebt und obendrein auch schon länger zusammen als die Kinder sich zurück erinnern können. Das ist eine solide Basis. Das erkläre ich erst einmal. Dann geht’s weiter damit, dass wir auf ein Schloss fahren. Ein Schloss, das ist etwas aus den Zeiten alter Ritter. Ritter sind toll und großartig. Gleich nach den Piraten sind sie die größten Helden für den Sohn. Das findet er gut. Ab auf’s Schloss, vielleicht sehen wir dort ein paar Ritter. Der Ausflug wird großartig. Irgendwie bekomme ich jedoch das Gefühl, dass der eigentliche Anlass gerade in den Hintergrund gerät. Ich steuere gegen. Und bringe das Hochzeitspärchen wieder in Erinnerung. Die beiden heiraten schließlich. Aus Liebe. Das war doch schon klar. Aus meiner Sicht zumindest. Auf einmal fragt der Sohn jedoch genauer nach. Das Konzept der Liebe, das sei ihm jetzt nicht ganz geläufig. Es ist schlimm mit den Kindern. Erst hören sie nicht richtig zu und dann stellen sie komplizierte Nachfragen. Wirklich verrückt. Aber was soll’s? Ich erkläre auch noch das. Vor allem damit, dass sich beide wirklich sehr lieb haben. Liebe hängt zusammen mit sich lieb haben. Das klingt sogar recht ähnlich. Das sieht der Sohn ein. Das Konzept kennt er. Jetzt ist auch Schluss mit den Nachfragen. Hinten ist wieder Ruhe im Wagen. Gut, dass wir das geklärt haben. Die gute Tat des Tages ist damit auch erledigt. Jetzt kann der Sohn endlich in Ruhe einschlafen und sich für den Rest der Fahrt ein wenig ausruhen. Die Tochter macht es ihm passenderweise gut vor. Ihr Nickerchen dauert schon die gesamte Diskussion hindurch an. Diese Ruhe kommt natürlich auch für die Eltern gelegen. Dann kann der Eine ruhig fahren während der Andere entspannt die Landschaft betrachtet oder sonstige Späße treiben kann. Das sich ergebende entspannte Dahingleiten über weithin sogar überraschend leere Autobahnen kommt einer Zen-ähnlichen Ruhe gleich. Es ist ein Traum. Selbst bei einem Ereignis wie einer Hochzeit kann tatsächlich schon der Weg ein Teil des Zieles sein.

Wenn nicht plötzlich der Sohn von hinten ruft: Papa, ich hab’s! Ich habe Euch nämlich auch lieb. Die Mama habe ich ganz viel lieb und Dich habe ich ganz viel lieb und weißt Du, was wir jetzt machen? Wir heiraten! Alle zusammen: die Mama, der Papa und ich!

Die Tochter ist offenbar durch den plötzlichen Krach wach geworden und ergänzt: Ich auch!

Ich, ähh, gehe jetzt mal die Gesetzeslage klären. Das ist sicher einfacher als weitere Erklärungsversuche. Vor allem auf langen Autofahrten.

Kategorien
tochter unterwegs

Teambildung

Wir waren mal wieder am Strand. Dieses Mal sind wir mitten in einen dieser Teambildungsworkshops geraten, den ein benachbartes Konferenzhotel dort veranstaltet. Hier werden Bogen gespannt und Pfeile fliegen. Die Leute gucken ernst, es geht wohl darum, knallhartes Konkurrenzverhalten zu trainieren. Da steckt man nicht immer drin, in der Logik dieser Workshops. Das sieht die Tochter ähnlich. Nur einen kurzen Blick wirft sie auf die verbitterten Gestalten und ihr Verhalten. Mittendrin im Gemenge setzt sie sich einfach hin und füllt erst einmal ihre Schaufel mit Strandsand. Ohne diesen will sie nicht weiter. Irgendwann hat sie genug und wir spazieren davon.

Nur wenig später kämpfen jetzt zwei Teams um die Wette darum, ihr jeweiliges Floß schneller fertig zu bekommen als ihre Konkurrenz. Das Ziel ist ganz offenbar, eine Schatztruhe zu bergen, die etwa dreißig Meter vom Strand entfernt vor Anker liegt. Gute Idee, denkt sich die Tochter und stiefelt munter los in Richtung Truhe. Kurz vor der nächsten großen Welle schaffe ich es gerade noch, sie einzuholen und vor den Fluten zu retten. Die Floßbauer gucken uns ungläubig an. Die Idee für den direkten Weg zur schwimmenden Holzkiste ist ihnen offenbar noch nicht gekommen. Sie binden lieber weiter ihre Holzbohlen zusammen, als sich die Füße nass zu machen. Sollen sie ruhig. Es ist bestimmt gut für den Teamgeist.

Während ich so in Gedanken versunken dastehe, hat sich die Tochter aus meinem Griff gelöst und marschiert weiter den Strand entlang. Teamgeist kümmert sie wenig. Wir haben ein Ziel, da kann man nicht ewig auf die anderen warten. Ich drehe mich zu ihr, um zu gucken, wo sie bereits steckt. Und siehe da: sie marschiert munter und erhobenen Hauptes direkt auf zwei respektabel kräftig wirkende Hunde zu, welche in einem wilden Knäuel sich gegenseitig versuchen von ihrer jeweiligen Meinung zu überzeugen. Zum Workshop gehören die beiden wohl nicht. Und die Tochter ist ganz offensichtlich auf dem Weg, die beiden zur Vernunft zu bringen. Wieder sprinte ich, um sie im letzten Moment einfach schwungvoll auf meine Schultern zu laden. Es ist wohl besser, wenn meine Füße von jetzt an die Richtung bestimmen.

Und während ich so in sicherer Entfernung zu den Gefahren des heimtückischen Ostseestrandes durch den Sand schlurfe, frage ich mich: Wo bekommt die Tochter eigentlich die Drogen her, die sie ganz offensichtlich nimmt? Und warum gibt sie mir nicht einfach welche davon ab?

Kategorien
aus dem regal

Aus dem Regal: Der schöne Schatten von Peter Henning

„Meeresnovelle“ steht vorn dran. Was will man sonst machen mit diesem Buch, als es im Urlub zu lesen? Eben. Es spielt sogar direkt am Stand. Das ist fast schon zu schön, um wahr zu sein. Aber immerhin ist’s der Strand von Zandvoort und das liegt nicht an der Ostsee. Das hilft. Letztlich sogar, Abstand zu wahren. Vor dieser leicht verstörenden Geschichte.

Cover: Der schöne Schatten von Peter Henning In der Max, der Held, Mia kennenlernt. Mia Brouwers, um genau zu sein. Denn so heißt sie die ganze Geschichte hindurch. Nicht Mia. Sondern: Mia Brouwers. Da hilft auch der ganze Sex nichts, den die beiden haben. Mia heißt Brouwers, soviel Distanz muss sein. Denn nur soviel weiß Max auch von ihr. Vorname, Nachame, Sex. Alles andere bleibt unscharf, wird nur angedeutet. Diese Frau und ihre Hintergründe sind dermaßen bedeutungsschwanger überfrachtet, dass es einem ganz schwindelig wird. Was sehr kurzweilig ist.

Und das ist auch das Schöne an diesem Buch: Es ist nicht einfach nur kurz sondern eben sehr kurzweilig. Und bei weniger als 100 Seiten bleibt auch kein Platz, um alle offenen Rätsel am Ende haarklein aufzulösen. Wer das will, soll sich mal lieber einen Krimi holen, nicht wahr?

Für alle anderen gibt’s für diese Novelle eine klare Leseempfehlung!

Kategorien
unterwegs

Nachtruhe

Manchmal sind wir unterwegs. Das kommt in den besten Familien vor. Also wahrscheinlich auch bei Ihnen. Daher ein Tipp von mir: Haben Sie keine Angst und buchen Sie ein gemeinsames Schlafzimmer für die gesamte Familie. Ich weiß, das ist heutzutage unüblich geworden. Man ist schließlich auf Reisen, also unterwegs, hat Urlaub, niemand arbeitet, den ganzen Tag gemeinsame Aktivitäten. Da gönnt man sich was. Und seien es nur getrennte Schlafzimmer. Ich verstehe das auch. So ist’s ja nicht. In der heimischen Behausung machen wir das selbst so. Da gibt’s ein Schlafzimmer für die Tochter, eines für den Sohn, eines für die Eltern. Da stimmen Ruhe, Spiel und Spaß – nicht nur am Tag sondern auch in der Nacht. Ich erspare Ihnen mal die Details. Sie verstehen mich schon.

Aber unterwegs, da schlafen wir zusammen. Und seitdem wir bei der Planung alles richtig machen und das Zimmer in der richtigen Farbe wählen, ist das auch gar kein Problem für die Familie. Die Vorteile liegen nämlich ganz klar auf der Hand: Tagsüber wird schön zusammen gespielt, auch bei schlechtem Wetter. Das bringt die Familie zusammen. Und dafür ist so ein Urlaub schließlich da. Am Abend reicht es dann, wenn nur einer der Eltern den Nachwuchs ins Bett bringt. Für all jene da draußen, die nicht wenigstens zwei Kinder haben: Das ist etwas Gutes. Denn Sie können ganz allein alle Kinder ins besagte Zimmer stecken, sich einen Stapel Gute-Nacht-Lektüre mitnehmen, das alles gemeinsam lesen und die völlig erschöpften Kinder gleichzeitig ins Bett legen, damit sie fix einschlafen und Sie Ihre Ruhe haben für gepflegte abendliche Zweisamkeit mit Ihrer besseren Hälfte. Diese hatte natürlich genug Zeit, irgendwo außerhalb des Schlafzimmers ein ruhiges Plätzchen zu richten, an welchem Sie den Tag angemessen ausklingen lassen können. Später in der Nacht können Sie schließlich ganz ruhig, tief und entspannt schlafen, da die Kinder Ihre Anwesenheit ganz intuitiv spüren und somit auf gar keinen Fall mitternächtlich wach werden, sondern höchstens kurz dösend aus dem Tiefschlaf kommen und sich beruhigt auf die andere Seite drehend gleich wieder wegschlummern. So sind Sie am nächsten Morgen ausgeruht, fit und munter, um in den nächsten grandiosen Urlaubstag zu starten. Es ist quasi das Paradies. Und das alles nur, weil Sie klever geplant und das Zimmer richtig gebucht haben.

Und falls Sie sich doch Sorgen machen sollten, ob das nicht zu viel für die Kinder ist, ob sie nicht aus ihrer Routine gerissen den Alltag vermissen, deswegen vielleicht unter Schlafmangel leiden und totunglücklich sind, ob ihnen die ganze Nähe nicht furchtbar auf die Nerven geht, dann fragen Sie Ihren Nachwuchs am Besten einfach selbst. Und sie werden Geschichten erfahren über Spiele, welche die Kinder am Abend veranstaltet haben, nachdem die Eltern dachten, sie schliefen längst ruhig. Sie werden hören, wie sich der Nachwuchs gegen Sie verschworen hat, wenn es darum ging, am Morgen erst leise mit Kissen aufeinander zu werfen, um anschließend mit plötzlichem und dafür umso lauterem Gebrüll auf die Eltern los zu gehen. Sie werden außerdem erfahren, wie die Kinder mitten in der Nacht hinter Ihrem Rücken tuschelnd ausgelost haben, wer wann wen aufweckt, um nach irgendwelchen erfundenen Getränkewünschen oder Toilettengängen zu fragen. Wenn Sie also Ihren Nachwuchs fragen, wie das gemeinsame Übernachten im Urlaub so ist, werden sie eine Antwort wie die vom Sohn bekommen: Wisst Ihr was? Ich mag’s hier viel lieber als zu Hause! Und ich gebe es zu: Die Tochter hat während dessen gelacht.

Nur gut, dass so ein Urlaub irgendwann auch wieder vorbei ist. Und für Zuhause werde ich mich mal nach schalldichten Türen für die Kinderzimmer umsehen. Ordnung muss sein.