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podcast

Corinna vs. Yvonne. Oder: Bei der Büchergefahr geht’s um Charaktere.

In Zeiten wie diesen.

Endlich konnte ich das mal loswerden. Das wollte ich jetzt schon eine Weile. Aber wofür hat man einen eigenen Podcastkanal, wenn man sich da nicht austoben könnte? Eben.

Neben platten Sprüchen gibt es in der aktuellen Folge 85 der Büchergefahr natürlich noch mehr grandiosen Content auf die Ohren. (Und wer beim Wort Content jetzt nicht wenigstens kurz zuckte, darf eh nicht zuhören.) So geht es mit dem ersten Selfpublishing-Buchpreis und dem tolino media Newcomerpreis um gleich zwei neue Ideen, wie wir mit Schwung und Elan statt purer Tristesse durch die Pandemie kommen können. Neues schaffen statt Altes zu bejammern, so soll’s sein.

Und etwas Neues gibt es auch bei der Büchergefahr selbst, beziehungsweise beim Lektomat, dem Tool des Hauses. Charakteranalyse heißt es und liefert im ersten Wurf Bilder wie jenes oben, bei denen man nicht nur gucken kann, ob nun Corinna oder Yvonne als Protagonistin durchgehen, sondern auch, ob hier jemand die Guten beim Vor- und die Bösen beim Nachnamen nennt. Gnadenlos legt das Tool es offen. Faszinierend.

Und das alles gibt’s für lächerliche 13 Minuten kompakt präsentiert. Bitte hier entlang.

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aus dem regal

In the Middle of Nüscht. Oder: Ein Altmark-Reisebuch

Vor einer Weile hatten wir hier eine kleine Referenz an die schöne Altmark. Das ist eine Gegend im flachen Land, irgendwo zwischen Berlin und Hannover. Man könnte auch sagen: In the Middle of Nüscht. Passenderweise heißt ein gut bebildertes Coffeetable-Reisebuch genau so. Es zeigt anhand vieler kleiner Dörfer und nur marginal größerer Städte, warum diese Gegend toll ist und sich ein Besuch lohnt.

Das geht dann schon Vorwort gleich ganz ehrlich zur Sache:

[…] ist die Altmark die am dünnsten besiedelte Region Deutschlands. Das Ortsausgangsschild von Gladigau […] weist keinen weiteren Ort aus.

Wäre das geklärt. Und genau darin liegt auch ein großer Reiz. Hier in der Altmark wird nicht groß auf den Putz gehauen und gestresst. Hier geht’s entspannt zu. Die Langeweile wird hier glatt positiv konnotiert und zelebriert. Andernorts muss man Meditations-Retreats gründlich suchen und teuer buchen. Hier sind sie quasi von Haus aus eingebaut.

Aufmerksame Leser dieses Blogs erkennen die Region natürlich. Im Buch heißt es:

Lauschige Joggingstrecken hat die Region zuhauf, der Tangermünder Elbdeichmarathon genießt internationalen Ruhm.

So ähnlich haben wir das ja hier auch schon berichtet. Flaches Land, schöne Läufe, tolle Sache.

Ansonsten gibt‘s in der östlichen Altmark die kleinste Hansestadt der Welt (Werben, mit immerhin 800 Einwohnern) und Erinnerungen an den Wanderprediger Gustav Nagel, über den sich (nicht nur) in Arendsee die Gemüter seit eh und je streiten. Sogar in Osterburg geht was und seien es die jährlichen Literaturtage.

Viel mehr Stress und Action muss aber wirklich nicht sein. Ergo klingen die Wegbeschreibungen im Buch schon mal so:

Eine kleine Abfahrt auf der Landstraße von Tangerhütte nach Tangermünde weist ins Grüne.

Jo. Kann man so machen. Und kommt in einen Ort, der sich mitten im Wald versteckt, keinen eigenen Laden hat, dafür aber ein Schloss aus Fachwerk bietet.

Neben dem Chillout-Feeling, welches das Buch ganz wundervoll präsentiert, gibt’s vor allem viel über Menschen, die hier mit viel Ruhe und doch irre fleißig aufbauen, erhalten, gestalten, veranstalten, backen, restaurieren, anbauen, präsentieren, erzählen und begleiten.

Die Altmark: flaches Land mit interessanten Menschen. Zu normalen Zeiten eine Reise wert und momentan gibt’s immerhin dieses Buch. Schön gemacht, zum entspannenden Lesen oder lockeren Durchblättern.

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aus dem regal

Gelesen: Zum zweiten Mal tot von Marcus Johanus

Von dem Herrn gab’s hier schon mal etwas. Um tötliche Gedanken ging es dabei. Jetzt sind die Handelnden zum zweiten Mal tot. Es scheint sich ein Muster abzuzeichnen.

Auch hier im Text geht es wieder um Übersinnliches. Aber wirklich nur ein klein wenig. Das erste Mal tot passiert dabei durch einen Unfall, bei dem mehrere Autos von einer Brücke in einen See fallen, die Insassen ertrinken. Anschließend werden sie jedoch gerettet und reanimiert.

Nur wenig später sterben einige von ihnen jedoch. Erneut. Und zwar jeweils durch Suizid. So sieht es zumindest aus. Natürlich verhält es sich jedoch anders. Natürlich werden sie in den Suizid getrieben beziehungsweise hilft sogar jemand nach.

Das hat nicht nur Potenzial für Spannung. Das ist spannend. Die Suche nach der Person, die hier im Hintergrund irgendwelche Fäden zieht, Menschen verfolgt, sie beeinflusst, manipuliert, in den Tot treibt, steckt voller Wendungen. Man erwischt sich, wie man der Reihe nach quasi alle Handelnden einmal kurz verdächtigt, schuldig zu sein. So gehört sich das.

Handlungstreibend ist übrigens eine Dame. Sie ist noch keine dreißig Jahre alt, aber bereits etablierte Kriminalpsychologin. Als solche gefragte Beraterin und Bestsellerautorin. Dass sie trotzdem Schwächen hat und von Angst- bzw. Wahnvorstellungen getrieben wird, macht sie irgendwie menschlich. Dass sie für die meisten großen Wendepunkte jedoch Unterstützung durch die Herren in der Geschichte bekommen muss, das irritiert ein wenig. Nötig hätte sie das nicht, denkt man so. Aber der Eindruck kann natürlich täuschen.

Zumal die Herren nun wahrlich nicht langweilig sind. Hier gibt’s stattdessen wirklich einen bunten Strauß an Charakteren. Und auch wenn diese natürliclh jeweils ihre besonderen Macken haben, lassen sie sich nicht einfach in Schubladen stecken, aus denen man sie unverändert herausziehen kann. So spannend wie die Handlung ist, so temporeich verändern sich auch die Personen darin.

Das ist nicht einfach nur solide Handarbeit, sondern das macht den Text ganz wundervoll lesbar.

Das unterstreicht übrigens auch der Lektomat. Der zeigt zum Beispiel, dass der Text eher von kurzen Sätzen vorwärts getrieben wird:

Das schafft Tempo, das hält einen beim Lesen im Text drin. Prima Sache.

Passend finde ich persönlich auch den Stimmungsverlauf:

Abschnitte, in denen die Kurve nach oben geht, zeugen von einer eher positiven Grundstimmung. Geht die Kurve nach unten, geht auch die Stimmung in den Keller, wird eher negativ und pessimistisch. Wie es sich für einen Thriller gehört, schweben wir hier eher nicht durchgehend auf Wolke 7, bekommen kurz vor dem Finale noch einmal einen Wendepunkt mit herrlicher Dramatik und werden doch zuversichtlich aus der Geschichte entlassen. All das drückt auch die Sprache aus. Hier versteht jemand sein Handwerk.

Also alles gut? Na, fast. Die Lese-Apps auf den Geräten des Hauses beschweren sich nämlich darüber, dass das E-Book leider mit Calibre produziert wurde. Während die sehr eigene Ästhetik des Programms sicherlich Geschmacksache sein mag, ist es schade, das diese wohl doch auf das Ergebnis abfärbt. So stimmt das Coverbild im E-Book schlicht nicht, so sind die Seitenumbrüche eher willkürlich gesetzt bzw. generiert, so ist das Inhaltsverzeichnis schlicht nicht brauchbar. Das ist natürlich etwas schade.

Aber der Text ist spannend und lässt sich prima lesen. Und darauf kommt es letztlich ja an. Eine Empfehlung.

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laufen

Ein Wings for Life World Run

World Run, puh. Das klingt viel.

Aber immer gemach. Denn wir wissen ja wie das ist: Selten sind die Sachen so dramatisch, wie sie erst einmal erscheinen mögen. So ist es auch beim Wings for Life World Run. Der Name verrät es schon: Es geht um einen Lauf. Dabei ist hier alles ein klein wenig anders als sonst. Es gibt nämlich zum Beispiel keine Ziellinie. Sondern es gibt ein Catchup-Car, also ein Auto, welches nach den gestarteten Läufern irgendwann langsam losfährt, schrittweise schneller wird und dabei der Reihe nach die Laufenden einholt. Sobald man eingeholt wird, ist man aus dem Rennen. Was zählt ist die Distanz, die man bis dahin zurückgelegt hat.

Und in diesem Jahr findet das alles natürlich virtuell statt. In diesem Jahr treffen sich die Scharen von Läufern nicht in den Großstädten dieser Welt, um vor den Autos davon zu laufen. In diesem Jahr haben stattdessen alle eine App dabei, in welcher das Auto einfach virtuell dabei ist und man angesagt bekommt, wenn die Sache für einen gelaufen ist.

Das ist doch eine schöne Idee. Da sind wir hier natürlich gern dabei. Zumal die Startgebühr auch noch einem guten Zweck zukommt. Verbuchen wir es unter: in der Krise Gutes tun. Und: Spaß dabei haben.

Dieser Spaß dauerte hier übrigens etwas über achtzehn Kilometer. Dazu kommen noch ein paar Meter zum Einlaufen und für den Weg zurück nach Hause. In Anbetracht der blütenden Frühlingssaison ist das gar nicht so verkehrt. Das hat sich doch gelohnt. Für den guten Zweck, für den eigenen Spaß, für das Gefühl von Gemeinschaft selbst beim Alleinelaufen. Nach der halben Strecke kommt einem da schon mal ein anderer Läufer entgegen, »Wings for Life?«, ruft er laut, beide heben wir die Hände zum Gruß. Und weiter geht die Reise. Weitere Läufer kreuzen den Weg, alle jeweils für sich, Abstand und so, passt. Am Ende zieht noch eine flott vorbei, gibt alles, verfällt nur 100 Meter weiter plötzlich in einen lockeren Gang und fängt an, fleißig Selfies zu machen. Auch er wohl ein Mitstreiter.

Das war eine gelungene Sache.

Die Erinnerung an die Veranstaltung kam übrigens von Andrea Löw auf Twitter. Nachdem der Hinweis auf den Ostermarathon von Oliver auf Mastodon spendiert wurde, stelle ich fest: Die Timelines dieser Welt sind eine feine Sache. Da passiert viel Gutes. Lassen wir uns mal nichts anderes einreden.

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podcast

Die Büchergefahr verabschiedet sich von ihren Wurzeln

Manchmal muss man einfach zugeben, dass eine Idee eher nicht die beste ist. Normalerweise ist das kein Problem, Ideen gibt’s schließlich wie Sand am Meer. Ideas are Dime a Dozen, wie es so schön heißt.

Ungünstig ist es natürlich, wenn man mit so einer Idee, die letztlich gar nicht so prächtig ist, trotzdem schon etwas gemacht hat. Also Zeit und Lust und Energie und Herzschmerz und Aufwand und was man noch so hat in die Idee investierte. Das ist dann nämlich alles Mist. Und wer hat schon gerne Lust auf Mist? Eben.

Nebenan bei der Büchergefahr haben wir aber so etwas gerade hinter uns. Dort entsteht ja derzeit mit dem Lektomat das Textanalysetool des Hauses. Und dieses Teil analysiert nicht nur, es stellt die Ergebnisse auch dar. Den Anfang dieser Darstellungen machte eine Wortwolke voll mit Füllwörtern. Das war eine der ersten Ideen, ich fand sie total toll, es sah (in meinen Augen) auch recht hübsch aus, ich habe noch ein wenig dran gedreht, damit es noch hübscher wurde. Und dann: Wortwolke wieder weg. Aus die Maus. Blöde Idee. Machen wir nicht. Wollen wir nicht. Nehmen wir nicht. Weg damit.

Warum das so ist und was es stattdessen jetzt gibt, das thematisiert die aktuelle Folge 84 des Büchergefahrpodcasts.

Viel Spaß.