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Gelaufen: Baden-Marathon v21

»Gute Nacht, Papa. Schlaf schön. Und viel Spaß morgen früh beim Laufen. Aber schleich‘ nicht wieder so. Mach mal fix.«

Das waren die letzten Worte der Tochter gestern Abend. Man hat’s echt nicht leicht und bekommt so viel zurück. Es ist doch immer wieder auf’s Neue faszinierend.

Das Laufen bezog sich auf die heutige Ausgabe des Baden-Marathons hier in den Südstaaten. Sie heißt v21, was zum einen am aktuellen Jahrgang liegt, zum anderen aber auch daran, dass es nur eine halbe Distanz gibt. Man zeigt halt Respekt vor den pandemischen Umständen. Und ich merke bei dieser Gelegenheit gern an: Das haben die Veranstalter sehr ordentlich hinbekommen. Kürzere Strecke, weniger Party drumherum, weniger Startplätze und los ging es nicht im großen, drängelnden Block, sondern in entspannt luftigen Vierergruppen, immer hübsch mit 10 Sekunden Abstand. Das war alles sehr ordentlich, sehr stressfrei, sehr angenehm. Vielen Dank!

Das mit dem von der kleinen Trainerin hier angemahnten Tempo war auch ganz okay. Training gab’s in letzter Zeit mal wieder weniger, umgeknickte Füße und so. Irgendwas ist ja immer. Der Rhythmus heute war trotzdem recht geschmeidig, hier ein Blick auf die Pulswerte:

Es sieht ganz so aus, als wäre da in der ersten Hälfte noch Luft nach oben gewesen. Gefühlt war dem aber gar nicht so. Und man möchte es ja auch nicht immer gar zu arg übertreiben. Wird ja dann schnell peinlich, wenn man am Ende nur noch auf allen vieren über die Strecke kriecht.

Wichtig ist letztlich, dass man aufrecht genug ins Ziel kommt, um sich die Medaille abzuholen. Hat geklappt:

Damit wäre wieder geklärt: So ein Halbmarathon geht quasi immer. Das ist ja auch irgendwie beruhigend.

Auch heute kam übrigens wieder entlang der Strecke und sogar im Zielbereich die Frage auf, ob und was man wohl so unter dem Kilt trägt. Ich helfe da gern mal ein wenig weiter und verrate, dass ich zumindest den FlipBelt dabei hatte:

Denn mal ganz im Ernst: Wo sollen der Fahrradschlüssel und die Maske für den organisatorisch notwendigen Aufenthalt im Startbereich sonst bleiben? Na? Eben.

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aus dem regal

Gelesen: Qualityland von Marc-Uwe Kling

Bei einem halbwegs nüchternen Blick auf die aktuelle Nachrichten- und Medienlandschaft stellt unsereins schnell fest: Leicht zu ertragen ist das alles nicht. Da gibt’s viel Meinung, diese oft recht unreflektiert, argumentativ begründet wird immer weniger. Stattdessen wird polemisch alles Mögliche herumbehauptet, wer am lautesten ist, gewinnt.

So erscheint es zumindest. Aber das ist natürlich grober Unfug. Die Wahrnehmung liegt schließlich im Auge des Betrachters. Und in Qualityland zeigt Marc-Uwe Kling, wie man ganz hervorragend auf alle möglichen Themen gucken kann, ohne dabei den Verstand zu verlieren.

So befinden wir uns hier im Buch in einer Geschichte, die in einer ganz irre nahen Zukunft spielt, bei der die Maschinen, Roboter und künstlichen Intelligenzen noch ein wenig vollendeter sind als es heute noch der Fall ist. Das Qualityland ist eine durchperfektionierte Gesellschaft, durch welche sich Peter als Protagonist mit wahrlich herrlicher Kunst des Versagens hindurch manövriert.

Ich geb’s ganz ehrlich zu: Der Autor hatte mich überzeugt, als Peter seinen persönlichen KI-basierten Assistenten »Niemand« nennt, damit Niemand ihm zuhört, Niemand ihm hilft, Niemand für ihn da ist und auf Niemand wirklich Verlass ist. Und das passierte gleich auf der ersten Seite.

Genau so geht es weiter in diesem hervorragend entspannt unterhaltsamen Stil des lässigen Blicks auf irrsinnige Gesellschaftsentwicklungen, die entstehen können, wenn (haha) niemand mehr selbst denkt, alle nur noch alles in Kauf nehmen, Hauptsache, auf dem eigenen Sofa ist’s bequem genug.

Marc-Uwe Kling ist ein großer Künstler. Er erzählt mitreißend, unterhaltsam, fantasievoll, irre komisch und selbst seine beliebten Kängurus tauchen gelegentlich auf.

Ein Traum. So lässt sich vieles ertragen.

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auf die ohren

Gehört: Kopf schlägt Kapital von Günter Faltin

Professoren schreiben Bücher. Und oft gründen sie auch das eine oder andere Unternehmen. Günter Faltin ist da keine Ausnahme. Er ist Wirtschaftsprofessor und ist bekannt(er) geworden durch seine Gründung der Teekampagne, welche Darjeeling in größeren als vorher gewohnten Verpackungen zu einem günstigeren als vorher gewohnten Preis anbietet.

Hier im (Hör-)Buch erzählt er von der Teekampagne und davon, wie sie beispielhaft zeigt, dass ein selbständiges Arbeiten primär eine Frage von gut durchdachten Ideen und Wegen zu ihrer sinnvollen Umsetzung ist und nur sekundär eine des verfügbaren Geldes.

Dafür bringt er so einige anschauliche Beispiele, vor allem aus seinem persönlichen Investoren- und Beteiligungsumfeld. Ergänzend zeigt er Widerstände auf, die sein (gar nicht mal so) radikaler Ansatz des »Selbständig machen können sich quasi alle, die ihren Kopf auch nur halbwegs klar benutzen können« mit sich bringt. Ein Spruch im Buch bringt das recht passend auf den Punkt:

Mein – vom Staat bezahltes – Professorengehalt gilt gemeinhin als wohlverdientes Geld, als die Teekampagne jedoch erstmalig Gewinne erwirtschaftete, ernteten wir reichlich Misstrauen.

Tja, da haben wir uns seit über 150 Jahren bequem im Konzept der Festanstellung und fremdbestimmten Arbeit eingerichtet und dann soll das auf einmal gar nicht mehr der Weisheit letzter Schluss sein? Unerhört.

Und erfrischend. Und kurzweilig. Zumal Stephan Reimertz es als Sprecher mit seiner trockenen Art schafft, auf der einen Seite eine gesunde Distanz zum Text zu wahren und diesen gleichzeitig angenehm hörbar zu präsentieren.

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aus dem regal

Gelesen: Zur Schau gestellt von Marcus Hünnebeck

Das geht ja munter los: Eine Lesung, die vom Publikum sehnsüchtig erwartet wird, die in einem brechend vollen Saal stattfindet, euphorischen Applaus erntet. Obendrauf passiert das auch noch auf einer Kreuzfahrt. Das entschuldigt es vielleicht, macht’s jedoch nicht besser.

Aber sei es drum.

Eine Dame im Publikum ist nämlich nicht begeistert, sondern entsetzt. Weil der dramatische Teil des Gelesenen auf einer wahren Geschichte beruht, von welcher der präsentierende Künstler noch gar nichts weiß. Und diese Geschichte ist nicht abgeschlossen, sondern dreht sich um eine 18 Jahre zurückliegende Entführung einer Frau, der Mutter unserer Dame im Publikum.

Damit ist dieser Fall wieder eröffnet. Die Ermittlung gehen in eine neue Runde. Mit den neu veröffentlichten Informationen bekommt das damals Geschehene eine neue Wendung.

Das birgt viel Potenzial für Spannung, wechselnde Verdächtige, Mißverständnisse, Gefahren. Vieles davon gibt’s in dieser Geschichte. Alles drin, alles dran.

Trotz Schriftsteller unter den Handelnden ist der Plot ganz unterhaltsam, überzeugen die Wendungen, ist die Auflösung des Bösen durchaus gelungen. Aber warum nur hat die Lektorin nicht beherzt(er) in die ausartenden Dialoge eingegriffen und das ins Schafeln abdriftende Erzählen vollkommen unnötiger Trivia gnadenlos rot angestrichen? Es wäre so herrlich viel schöner zu lesen. Tja, leider nicht passiert.

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UTMB. Oder: Ist wohl doch nicht alles Scheiße

Wirft man einen Blick in die diversen Social-Media-Timelines, entsteht so manches Mal der latente Eindruck, als ob eigentlich alles einfach nur noch den Bach runter geht. Die Menschen da draußen machen alle unsinniges Zeug, auf unsinnige Art und Weise, mit unsinniger Motivation, in unsinnigem Stil und es wird alles mit möglichst unsinnigen Worten kommentiert und angeprangert.

Das ist alles so unsinnig schwer zu ertragen, dass unsereins einfach resigniert, sich von einigen Kanälen ganz abmeldet und in die anderen schlicht nur noch alle paar Tage mal einen Blick wirft.

Und dann kommt zum Beispiel so etwas:

Diese Dame kennen wir zum einen vielleicht aus Folge 70 der Büchergefahr, vor allem aber ist sie eine ganz fabelhafte Läuferin. Hier hat sie den CCC absolviert. Das ist einer der Läufe rund um den UTMB, welcher mit 100 Kilometern Länge durch die Alpen führt. Das ist hart, das ist anstrengend, das ist beeindruckend. Diesen Lauf nicht nur anzutreten, sondern durchzustehen und in Chamonix anzukommen ist ein Zeichen von hartem Training, starkem Willen, Kraft zum Durchhalten und der Fähigkeit, auch unter Schmerzen und sonstigen Widrigkeiten nicht aufzugeben. Es ist das genaue Gegenteil von unsinnigem Zeug, auf unsinnige Art und Weise, mit unsinniger Motivation, in unsinnigem Stil.

Mein Respekt, mein Glückwunsch und letztlich auch mein Dank an Andrea und all die anderen großartigen Läufer da draußen!

Und: Mein Dank an die Timeline an diesem Wochenende. Beispielhaft bringt es zum Beispiel Birger Bösel auf den Punkt, der vor allem die 170 Kilometer des UTMB u.a. hiermit kommentiert:

Auch den Rest zum Hashtag #UTMB kann ich sehr, sehr empfehlen. Obwohl ich selbst gerade larmoyant auf der Couch einen Fuß hochlege, den ich mir beim simplen Brötchenholen verstaucht habe, stelle ich fest: In den Social-Media-Timelines finden sich auch jetzt noch Themen und Perlen, die inspirieren, motivieren, unterhalten, faszinieren, beeindrucken und mit positiven Worten kommentiert werden.

Danke.