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aus dem regal

Gelesen: Erebus von Michael Palin

Was macht ein Monty Python, wenn er keine Sketche mehr dreht oder sonstig vor der Kamera steht? Sich auf jeden Fall nicht langweilen, scheint es. Sondern sich stattdessen halt anderen Leidenschaften hingeben. Dem Forschen nach allem drum und dran rund um zwei Segelboote, die in der späteren ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erst segelten und dann untergingen.

Das klingt wenig prätentiös. Aber das eine Boot hieß Terror und das andere Erebus. Letzteres ist nicht nur titelgebend für dieses Buch, sondern beide haben auch diverse Expeditionen in die Arktis sowie Antarktis unternommen. Dabei sind sie nicht nur jeweils rekordmäßig weit gekommen, sondern haben naturgemäß so einiges durchgemacht.

Auf der letzten Tour ging’s um die Durchquerung der Nordwestpassage. Das hatte vorher noch niemand geschafft. Bei diesen beiden war man sich lange nicht sicher. Sie sind ja untergegangen.

Zu allen Touren vorher, aber insbesondere auch zu dieser hat Michael Palin nicht nur quasi alles an Informationen zusammengetragen, was zu finden war, sondern möglichst viele Stationen der Boote auch selbst besucht. Gründlich? Kann er. Und anschaulich beschreiben kann er auch. Zu den Dramen auf der letzten Expedition merkt er zum Beispiel das hier an:

Die Erebus war nicht zufällig nach dem Gott der Unterwelt benannt, und für die Männer an Board muss es sich angefühlt haben, als wären sie dort angekommen.

Drama pur. Und so geht es das ganze Buch hindurch. Wie gesagt: Details kann der Mann. Manchmal sogar ein wenig zu viel eben dieser. Insbesondere das Namedroppping und Spiel mit Dienstgraden wirkt gelegentlich ein wenig ermüdend. Aber das muss wohl so und gehört dazu.

Auf jeden Fall ist dieses ein ganz wundervolles Beispiel, warum der mare-Verlag so großartig ist. Dort gibt‘s nur Bücher, die irgendwas mit Wasser zu tun haben. Und die haben es oft in sich. Erebus landete nicht umsonst in der engeren Auswahl für den Preis der Hotlist als eines der besten Bücher aus unabhängigen Verlagen in diesem Jahr.

Übersetzt wurde Erebus übrigens von Rudolf Mast. Sprachlich fällt beim Lesen nichts weiter auf. Das spricht wohl für seine Arbeit. Danke dafür.

Und die Moral von der Geschicht? Das hier ist eine Empfehlung, wenn einen Seefahrergeschichte erpicht.