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aus dem regal

In the Middle of Nüscht. Oder: Ein Altmark-Reisebuch

Vor einer Weile hatten wir hier eine kleine Referenz an die schöne Altmark. Das ist eine Gegend im flachen Land, irgendwo zwischen Berlin und Hannover. Man könnte auch sagen: In the Middle of Nüscht. Passenderweise heißt ein gut bebildertes Coffeetable-Reisebuch genau so. Es zeigt anhand vieler kleiner Dörfer und nur marginal größerer Städte, warum diese Gegend toll ist und sich ein Besuch lohnt.

Das geht dann schon Vorwort gleich ganz ehrlich zur Sache:

[…] ist die Altmark die am dünnsten besiedelte Region Deutschlands. Das Ortsausgangsschild von Gladigau […] weist keinen weiteren Ort aus.

Wäre das geklärt. Und genau darin liegt auch ein großer Reiz. Hier in der Altmark wird nicht groß auf den Putz gehauen und gestresst. Hier geht’s entspannt zu. Die Langeweile wird hier glatt positiv konnotiert und zelebriert. Andernorts muss man Meditations-Retreats gründlich suchen und teuer buchen. Hier sind sie quasi von Haus aus eingebaut.

Aufmerksame Leser dieses Blogs erkennen die Region natürlich. Im Buch heißt es:

Lauschige Joggingstrecken hat die Region zuhauf, der Tangermünder Elbdeichmarathon genießt internationalen Ruhm.

So ähnlich haben wir das ja hier auch schon berichtet. Flaches Land, schöne Läufe, tolle Sache.

Ansonsten gibt‘s in der östlichen Altmark die kleinste Hansestadt der Welt (Werben, mit immerhin 800 Einwohnern) und Erinnerungen an den Wanderprediger Gustav Nagel, über den sich (nicht nur) in Arendsee die Gemüter seit eh und je streiten. Sogar in Osterburg geht was und seien es die jährlichen Literaturtage.

Viel mehr Stress und Action muss aber wirklich nicht sein. Ergo klingen die Wegbeschreibungen im Buch schon mal so:

Eine kleine Abfahrt auf der Landstraße von Tangerhütte nach Tangermünde weist ins Grüne.

Jo. Kann man so machen. Und kommt in einen Ort, der sich mitten im Wald versteckt, keinen eigenen Laden hat, dafür aber ein Schloss aus Fachwerk bietet.

Neben dem Chillout-Feeling, welches das Buch ganz wundervoll präsentiert, gibt’s vor allem viel über Menschen, die hier mit viel Ruhe und doch irre fleißig aufbauen, erhalten, gestalten, veranstalten, backen, restaurieren, anbauen, präsentieren, erzählen und begleiten.

Die Altmark: flaches Land mit interessanten Menschen. Zu normalen Zeiten eine Reise wert und momentan gibt’s immerhin dieses Buch. Schön gemacht, zum entspannenden Lesen oder lockeren Durchblättern.