Vorgelesen: Die Vampirschwestern von Franziska Gehm

Es gibt Sachen, die sind so schön, man sollte sie sich möglichst nicht nehmen lassen. Das allabendliche Vorlesen zum Beispiel. Das erfreut auch dann noch, wenn die Kinder selbst schon lesen können. Und zwar erfreut es sowohl die Kinder, als auch einen selbst. Wenn man die passende Lektüre wählt, versteht sich.

Da bieten sich die großen Klassiker an. Momo zum Beispiel, Ronja Räubertochter vielleicht (wenn man nicht so emotional dabei wird, dass man nur schwer die Contenance wahren kann), Nils Holgerson ist auch prima.

Oder man gönnt sich etwas frisches, lockeres, entspanntes. Die Vampirschwestern von Franziska Gehm zum Beispiel. Diese beiden Damen sind die Kinder von einem alten und stolzen Vampir als Vater sowie einer menschlichen Mutter. Das macht sie zu Halbvampiren. Davon gibt’s eher nicht sehr viele. Quasi gar keine weiter, um genau zu sein. Die einzige Ausnahme kommt aus der Mongolei und taucht nur zwischendurch mal kurz auf.

Es gibt auch eher wenig Familien, die aus dem transsilvanischen Bistrien ins deutsche Bindburg umziehen, um nach ein paar Jahren in der väterlichen Heimat auch mal die mütterliche zu erleben. Das natürlich, ohne dort sonderlich aufzufallen. Was selbstverständlich gründlich schief geht.

Damit ist das Setting gesetzt. Und es ist ein Traum. Die Charaktere sind auf ihre Art alle vollkommen durchgeknallt. Neben der eh schon skurrilen Familie gibt’s noch eine pokerspielende Vampiroma, ein paar Menschenfreunde, die fast alles mitmachen und vor allem einen unmittelbaren Nachbarn, der als leidenschaftlicher und traumhaft erfolgloser Vampirjäger unterwegs ist.

Was immer die beiden Schwestern in diesem Umfeld erleben, ist verrückt, überraschend, unterhaltsam und toll erzählt. Die Autorin versteht ihr Handwerk. Die Dramaturgie der einzelnen Episoden ist jeweils sauber durchdacht, die Struktur und Spannungsbögen solide entworfen und die Sprache so angenehm leicht und doch detailreich liebevoll gestaltet. Sogar eine eigene, vampwanische Sprache gibt es.

Das macht Spaß, sowohl beim Vorlesen, als auch (dem Vernehmen nach) beim Zuhören. Insgesamt umfasst die Serie übrigens 13 Bände, die Freude hält somit eine Weile an.

Zensatoi futzi! Oder auf gut deutsch: Supermegawahnsinnsenormsensationellverblüffendausgezeichnet!