Wort zum Sonntag: Wokeness

Am Anfang hieß unser neuer Spielplatz, auf dem wir uns alle in den Armen lagen noch Social Media. Wir übten uns in bis zu 140 Zeichen langen Tweets der Kunst der Aphorismen, wir reduzierten Elaborate auf ihre Kernaussagen herunter und hatten trotzdem noch Platz für Emojis, wir spielten auf kulturhistorische Erlebnisse an und kritisierten dabei Neuerscheinungen im Plattenregal, ohne diese auch nur beim Namen nennen zu müssen.

Und dann kam die Moral.

Seitdem sind wir woke und spielen das hier:

Die geballte anonyme Mehrheit, angeführt von Influencern und der Twitterati-Klasse, hat das erste und letzte Wort und verschiebt laufend den Rahmen dessen, was in ihre binäre Weltsicht passt. […] In diesem verhärteten Umfeld, das keine Zwischentöne und keine Ironie kennt, regiert die Willkür.

(Simon M. Ingold in der NZZ)

Wie wundervoll elegant auf den Punkt gebracht.