Gelesen: Tante Julia und der Schreibkünstler

Mario Vargas Llosa also. Warum auch nicht? Also vom Cover mal abgesehen. Es wäre ein Grund, dass man das Stück ruhig liegen lassen könnte. Suspekt, welche Dynamiken oder dunklen Mächte da manchmal am Werke zu sein scheinen. Aber Klassiker sind Klassiker, da werfen wir hier ruhig mal einen Blick auf Tante Julia und den Schreibkünstler.

Inhaltlich passiert dabei nicht viel. Der titelgebende Autor verliebt sich in die im Titel benannte Julia. Nach einigem Hin und Her möchten sie heiraten. Soweit, so gut. Dumm nur, dass sie sowohl seine Tante als auch bereits geschieden ist. (Nicht nur) Im streng religiösen Peru sorgt das naturgemäß für einigen Widerstand. Die resultierende Dramaturgie ist jedoch schnell ausgereizt.

Aber dabei bleibt es zum Glück nicht. Für abwechslungsreichen Kontext sorgen eine Reihe von Nebensträngen, die nicht wirklich viel mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben. Da toben sich rattenbezwingende Patriarchen aus, bedienen sich Kirchenvertreter gar unorthodoxer Methoden und erleben einfache Pharmavertreter wahrlich niederschmetternde persönliche Dramen. Das ist oft absurd, meist skurril, immer erfrischend.

Sprachlich ist die Geschichte famos erzählt und doch manchmal etwas langatmig. Sehr kleine Details werden sehr breit erzählt, zu breit manchmal, oft gelingt jedoch erst dank der epischen Ausführlichkeit der Schwenk zum Absurden, Komischen, Unterhaltsamen. Das spanische Original traut sich unsereins ja nicht zu. Die Übersetzung von Thomas Brovot macht jedoch Spaß.

Es ist ein Klassiker. Einer, der sich nicht immer ganz reibungslos anbiedert. Das ist auch ganz gut so. Und für die nächste Auflage spendiert bestimmt auch jemand ein neues Cover.