Gelesen: 10 Stunden Ewigkeit von Nika Lubitsch

Es ist Zeit für ein Geständnis: Ich gehöre zu jenen, die bei der Auswahl ihres Lesematerials bevorzugt auf schon bekannte Autorinnen zurückgreifen. Habe ich von jemandem schon mal etwas gelesen und gefiel das Gelesene, stehen die Chancen gut, dass ich zum Wiederholungstäter werde. Warum auch nicht? Treue ist schließlich auch etwas wert und ich verschwende meine Zeit auf diesem Weg recht wahrscheinlich nicht mit ungelegenen Texten.

Nika Lubitsch: 10 Stunden EwigkeitSo haben es die 10 Stunden Ewigkeit von Nika Lubitsch auf das Lesegerät geschafft. Vor einer Weile hab’s hier auch schon die Erbsünde und die Erinnerung daran ist gar nicht mal schlecht. Da gab’s etwas mit Kunst, mit Fälschungen, mit spannenden Charakteren. Wer so etwas schreibt, erzählt schöne Geschichten. So dachte ich. Und dann gibt’s hier auf einmal reihenweise ermordete Frauen. Was für ein Schreck.

Zuständig für diese toten Damen ist natürlich ein Serienmörder. Überwiegend zumindest. Und darum, diesen Mörder zu finden, geht es in der Geschichte, eh klar. Getragen wird die Handlung dabei ebenfalls von einer Frau. Es ist die Freundin von einer der Toten.

Und das ist die Stelle, an welcher diese Erzählung brilliert. Denn diese „ermittelnde“ Dame macht eine ganz famose Transformation durch. Von dem schüchternen Mädchen, das im Schatten ihrer stets hübscheren Freundin steht, wird sie zur erfolgreichen Unternehmerin, die klar weiß, was sie macht, was sie möchte und dabei zeigt, wie emotional stark man am Ende werden kann. Das nenne ich mal eine Charakterentwicklung. Und sie geschieht Schritt für Schritt, nachvollziehbar und plausibel. Sehr solide. Wie übrigens auch der Rest erzählt ist: solide.

Das kann ich somit durchaus empfehlen. Trotz der ganzen Leichen, dem Verstümmeln dieser und was sonst so an Perversitäten dazugehört. Da ist halt mein Gemüt ein wenig sensibel. Vielleicht sollte ich bei der Wahl meiner Lektüre schlicht etwas genauer hingucken, als nur auf den Namen der Autorin. Es könnte helfen.