Gelesen: Teufelsgold von Andreas Eschbach

Der Glaube an etwas Großes, gern auch leicht Übernatürliches, das die Welt zusammenhält und beherrschbar macht, scheint Andreas Eschbach sehr zu gefallen. Bei der Billion Dollar ging es um viel Geld, welches die Welt regiert, beim Herr aller Dinge um allmächtige Nanotechnologie, beim aktuellen NSA geht es um die Macht der elektronischen Totalüberwachung und hier beim Teufelsgold geht es um die Chancen der Alchemie, uns Menschen in höhere Sphären bringen zu können.

Andreas Eschbach: TeufelsgoldDas Ganze schafft er immer so zu erzählen, dass man den erst einmal absurd erscheinenden Ideen gern folgt. So fiebert man hier im Fall locker mit dem kleinkriminellen Herrn Finanzberater, der ein wenig Alchemie, Aberglaube und schöne Worte benutzt, um Menschen in Seminare zu locken, die ihnen außer einem guten Gefühl wenig geben, dafür aber ordentlich Geld kosten.

Gleichzeitig lässt es sich recht charmant durch eine Geschichte der Alchemie fiebern, die irgendwo im Mittelalter beginnt und über fanatische Einzelgänger und geheime Untergrund-Bünde bis in die heutige Zeit geschafft hat.

Wie auch schon in seinen anderen Geschichten erschafft Andreas Eschbach letztlich den Höhepunkt, in dem er zum Showdown die großen Fragen des Lebens aufwirft und einen so beim Lesen heimlich grübeln lässt, wofür man sich wohl selbst entscheiden würde: Große Macht und Geld und Einfluss und was sonst das Irdische so zu versprechen vermag? Oder doch eher den Wechsel zur absoluten Vollkommenheit, die uns von billigen menschlichen Bedürfnissen befreit, um uns zum Kern des wahren Seins zu befördern? Man entscheide selbst.

Im Buch entscheidet natürlich der Autor. Und er macht das wohlüberlegt, moralisch korrekt und doch ohne dabei ins Kitschige abzudriften.

Und genau das ist es, warum sich Eschbach so wohlig lesen lässt: Er erzählt spannend, ohne dabei mit blutrünstigen Leichen um sich zu werfen; er scheut sich nicht vor moralischen Fragen, ohne jedoch mit dem erhobenen Finger zu fuchteln; und er formuliert so geschickt, dass man ihm gern durch die Geschichte folgt.

Gerne wieder. Gerne mehr davon.