Gelesen: Sonst kriegen Sie Ihr Geld zurück von Tomer Gardi

Da haben wir das Indiebook des Jahres. Hier im Haus, versteht sich.

Sonst kriegen Sie Ihr Geld zurück, das ist natürlich ein toller Titel, neugierig macht er, clevere Sache. Im Buch geht es um eine Schriftstellerin, es geht natürlich um Geld, es geht darum, dass diese Schriftstellerin von diesem Geld zu wenig hat. Also geht sie zum Amt, Stempeln. Das mag der Beamte im Amt aber nicht so gern machen. Denn mal im Ernst, Schriftstellerin, das sei ja wohl kein Beruf, also wirklich.

Tja, was will man da machen als Bittstellerin im Amt? Man versucht, den werten Herrn zu überzeugen. Durch das Erzählen von Geschichten. Das ist es schließlich, was eine Schriftstellerin so macht. Wenn das klappt, wenn sie Geschichten so erzählen kann, dass sie sogar den Herrn Beamten überzeugen, dann sollte Schriftstellerin auch als Beruf durchgehen, q.e.d. Das sieht der Beamte auch so. Also schließen Sie einen Deal: Sie erzählt, er stempelt.

Sie erzählt gut. Sie erzählt eine ganz persönliche Geschichte, über sich selbst, ihre Herkunft, die Vergangenheit. Mit viel Drama. Das muss auch gar nicht alles stimmen, darum geht es hier nicht. Es muss gut erzählt sein, den Beamten fesseln. Das macht’s.

Sie erzählt auch eine Geschichte von Stierkämpfen, von den Helden dieses Sports, von den Opfern dieses Sports, vor allem von den Opfern. Und das sind nicht nur die Stiere, wenn auch diese ganz besonders. Sie erzählt von den Strukturen so eines Kampfes, von den drei Phasen, in die er sich immer wieder abspielt, ein festes Muster ist das, wieder und wieder. Man lernt hier viel. Vor allem Vieles, was man eigentlich gar nicht so genau wissen möchte.

Aber sei es drum, der Beamte ist gefesselt. So sehr, dass sich ihre Rollen umkehren, er zum Bittsteller wird, sie zur generösen Erzählerin, wenigstens für einen Moment.

Das ist alles recht faszinierend und kurzweilig. Aber es ist auch verstörend. Wegen dieser Stierkampfdetails zum Beispiel. Aber auch rein sprachlich.

Die Geschichte ist von Anne Birkenhauer aus dem Hebräischen übersetzt. Dieses Hebräische mag eine Menge erklären. Sicher funktioniert das Erzählen in eben diesem anders als bei uns so üblich. So gibt es darin vielleicht keinen Genitiv, das mag schon sein. Hier in der Übersetzung vermisst man ihn jedoch. Es fällt wirklich auf, dass der liebe Genitiv ganz gnadenlos durch den Dativ verdrängt wird. Sprichwörtlich, es ist faszinierend.

Ebenfalls faszinierend ist der stete Wechsel der Erzählstränge. Innerhalb eines Absatzes, manchmal sogar mitten im Satz wechseln wir hier von unserem Paar im Amt in eine der erzählten Geschichten und wieder zurück. Wie gesagt, das ist faszinierend. Es verstört aber auch.

Was ja auch mal nett ist. Warum soll man sich nicht mal ein wenig verstören lassen? Vor allem, wenn es, wie gesagt, kurzweilig passiert. Obendrein hat das Buch auch nur so ungefähr 150 Seiten und ist damit: ein netter Spaß für zwischendurch.