Gelesen: Dunkelgrün fast schwarz von Mareike Fallwickl

Vier Menschen liefern die Perspektiven, aus denen eine Geschichte erzählt wird. Es ist vor allem die Geschichte von zwei heranwachsenden Jungen. Einer von beiden steht im Mittelpunkt, der andere stellt sich gern in den Mittelpunkt. Drum herum arrangiert sind ein Mädchen, was natürlich für Trubel sorgt, und die Mutter des ersten Jungen. Es gibt noch ein paar weitere Darsteller, weitere Familienmitglieder vor allem. Aber sie haben eher Statistenrollen.

Konflikte liefern auch diese vier bereits ausreichend viele. Vor allem die beiden Jungs schaffen es. So dominant einer der beiden fortwährend ist, rücksichtslos, erst frech, dann anmaßend, verletzend schließlich, so rücksichtsvoll ist der andere, emphatisch, gefühlvoll. Es geht soweit, dass er Menschen umgeben von Farben sehen kann, die ihren Charakter und Gefühlszustand beschreiben. Und die dem Buch den Titel geben.

Dieses Gespann zieht alle anderen in ihr Spannungsfeld hinein. Die Mutter des Gefühlvollen, die ihr eigenes Schicksal in ihm wiederfindet, daran fast zerbricht, aber eben nur fast. Und das Mädchen, welches beiden eine gute Freundin ist, das aber natürlich nicht bleibt. Dramen: Absehbar und doch so ernst, dass man die Beteiligten gern schütteln möchte, wachrütteln, anflehen, den Unfug endlich sein zu lassen und das Leben in den Griff zu bekommen.

Darin liegt der Reiz dieses Buches. Denn mal im Ernst: Wer bekommt schon wirklich das eigene Leben in den Griff? Über das Leben der anderen weiß man doch meist viel besser Bescheid.

Außerdem ist hier alles sehr fein erzählt. Man springt beim Lesen zwischen den Personen hin und her, man springt sogar ein wenig durch die Zeit, hier mal ein paar Jahre nach vorn, dort mal wieder ein paar Jahre in die Vergangenheit zurück. Und doch passt das, verwirrt nicht, baut die einzelnen Teile der Geschichte wie ein Mosaik zusammen.

Macht Spaß.