Gelesen: Böses Kind von Martin Krist

Was für ein unglücklicher Buchtitel. Böses Kind, also wirklich. Aber wir wollen mal nicht voreingenommen sein. Hier bekommt ja jede(r) eine Chance. Auch Martin Krist, gar keine Frage. Er ist ein heimischer Thriller-Autor, wurde hier auf diversen Kanälen bereits mehrfach empfohlen. Da kann man ja ruhig mal einen Blick wagen.

Cover: Böses Kind von Martin KristUnd was passt besser, als der Auftakt einer Reihe mit einem Ermittler? Kaum etwas, eben. Genau darum geht es hier beim bösen Kind.

Der Ermittler – Henry Frei, es steht passenderweise sogar auf dem Cover – hat natürlich seine Eigenheiten. Wie soll’s auch anders sein, irgendwie muss man ihn ja mögen lernen. In diesem Fall klappt das durch einen ganz besonders ausgeprägten Spleen zu klarer Ordnung, Reinheit und allgemein dem aufgeräumten, ordentlichen Zustand.

Den bringt natürlich jemand durcheinander. Es ist eine Frau, Suse heißt sie. Und es bleibt angenehm lange angenehm unklar, ob sie nun Opfer, Trauernde, Mitschuldige oder gar Täter im Plot ist. Das ist doch mal ein erfrischendes Potpourri möglicher Charakterisierungen und Schubladen, in die man jemanden so stecken kann.

Dabei fängt alles recht harmlos an. Wenn es so etwas wie »harmlos« bei einem Thriller halt gibt. Die Tochter von Suse ist verschwunden. Sie ist mitten drin im Teenageralter. Da ist so ein Verschwinden zwar nicht allgemein üblich, im Fall eines sozial schwierigen Umfeldes, als Scheidungskind, mit wenig harmonischen Familienmitgliedern, bei Geldsorgen und sonst noch ein paar Schwierigkeiten ist es jedoch immerhin eine denkbare Möglichkeit. Die Tochter könnte somit einfach abgehauen sein. Oder entführt. Oder gar nicht mehr am Leben. Wer weiß das schon? Na, immerhin letzteres wird relativ schnell relativ sicher ausgeschlossen.

Aber ansonsten bleibt hier wirklich einiges bis zur Auflösung schön versteckt und unklar. Der Autor schafft’s wirklich, einen beim Lesen auf die eine oder andere falsche Fährte zu führen. Und natürlich kann man sich nacher das Ende immer schon vorher gedacht haben, mit einiger Wahrscheinlichkeit kommt es hier am Ende aber doch anders als man denkt.

Das ist sehr souverän gemacht. Hier versteht ein Autor sein Genre und beherrscht sein Handwerk. Das ist sehr gut so. Und es macht die eine oder andere aufkommende blutige Dramaturgie fast schon überflüssig. Die Geschichte ist auch so bereits spannend erzählt. Den Gruselfaktor braucht sie gar nicht.

Summa summarum: Buchtitel hin oder her, das ist ein solide erzählter Thriller. Wenn einen das Genre anspricht, kann man das hier lesen und wird nicht enttäuscht. Martin Krist: kann ich empfehlen.