Gelesen: Schwarzer Rost von Axel Hollmann

Ach guck, Herr Hollmann hat ein neues Buch veröffentlicht. Das ist sehr löblich. Schließlich war er schon mal zu Gast bei der Büchergefahr, dem Podcast des Hauses. Und da die Gäste dort grundsätzlich die feinsten, erlesensten und wundervollsten sind, lohnt sich ein Blick auf neue Texte von ihnen quasi immer.

Axel Hollmann: Schwarzer RostDas gilt natürlich auch dann, wenn wir hier schonmal etwas an einer Protagonistin eines früheren Romans von ihm auszusetzen hatten. Wir sind hier schließlich gnadenlos und nölen auch bei feinen, erlesenen und wertvollen Autoren herum. Hemmungslos.

Ebenso hemmungslos vergeben wir natürlich zweite Chancen, gar keine Frage. Und das ist sehr gut so. Schwarzer Rost heißt das Opfer Buch in diesem Fall. Und es handelt von genau diesem Rost. Dabei geht es um eine Krankheit, welche Getreidepflanzen befällt und letztlich vernichtet. So etwas skaliert natürlich nicht. Oder besser gesagt: Es skaliert möglicherweise ganz hervorragend, wir finden das dann nur nicht so toll. Denn wenn Getreidepflanzen vernichtet werden, fallen Ernten aus. Wenn Ernten ausfallen, hungern Menschen. Wenn Menschen hungern, wird es ungemütlich.

Damit wäre der Spannungsbogen gesetzt. Und damit steht auch die eine oder andere Plotwendung mehr oder weniger fest. Denn so ein Plot lädt zu Verschwörungstheorien ein. Und diese Einladung nimmt Axel Hollmann hier dankend an. Das macht er so, wie es sich gehört. Es bleibt also nicht bei einer Theorie, es spielen mehrere Personen ihre Rollen, es wird anständig zügig zwischen ihnen hin- und hergewechselt, man wird beim Lesen munter von einem wahrscheinlich Schuldigen des ganzen Dramas zum nächsten geschubst. Das gefällt.

Noch mehr gefällt, dass er es sich mit der Auflösung nicht ganz so einfach macht und es eben nicht einfach nur beim offensichtlich bösen System belässt, dass gar nicht anders kann, als viele unschuldige Menschen zu drangsalieren, zu unterdrücken und verhungern zu lassen. Sondern es gibt zum Ende hin noch eine nette, von diesem Schema abweichende Wendung.

Dass hierbei nicht alles komplett auf den Kopf gestellt wird, das macht nichts. Die Wendungen wirken alle recht glaubwürdig, sie überraschen ohne zu verstören, das ist sehr angenehm so.

Und ganz besonders toll ist, dass die wesentliche Dame der Geschichte jetzt authentisch stark und nicht so verkitscht daher kommt. »Geht doch!«, möchte man ausrufen. Aber so anmaßend sind wir hier natürlich nicht. Hier nehmen wir lieber zur Kenntnis, dass Herr Hollmann ein neues Buch veröffentlicht hat und empfehlen dieses. Macht Spaß.