Gelesen: Wimmera von Mark Brandi

Mark Brandi: Wimmera Wenn man durch Australien fährt, gibt es nicht nur spannend schöne Gegenden mit feinen Stränden, Sehenswürdigkeiten und dazu passenden Lookouts. Es gibt auch ganz ordinär ländliche Örtlichkeiten, in denen einfach nur das Leben stattfindet.

In diesem stattfindenden Leben wachsen beispielsweise zwei Jungen heran. In Wimmera möglicherweise. Hier im Buch von Mark Brandi. Und diese Jungs erleben, was man beim Heranwachsen so erlebt. Die Provinz. Die Menschen darin. Das Mädchen von nebenan. Die heimlichen Gelüste nach dem Mädchen von nebenan. Ein Selbstmord dieses Mädchens. Oha. Geschichten und Gerüchte zur Erklärung dessen. Irgendwas davon wird stimmen, anderes eher nicht.

Und so gilt das auch für den Rest des Lebens in dieser Provinz. Es ist voll von Gerüchten, Intrigen, Sex und Perversionen. Mark Brandi erzählt davon recht unaufgeregt. Seine Sprache ist alltäglich, er schafft es aber, sich dabei nicht anzubiedern.

So lesen wir zum Beispiel:

He would drive up in his old cream ute and slow right down beside them.

Das ist greifbar und anschaulich. Wobei es praktisch ist, wenn man gerade in Australien war und dort gelernt hat, dass so eine olle ute nichts anderes ist als ein gewöhnlicher Pickup. Die übrigens erstaunlich beliebt im Lande sind. Und das nicht nur im 4×4-Offroad-Outback. Aber darum geht es gerade nicht.

Hier geht’s stattdessen um das Buch von Mark Brandi, welches wohl sogar sein allererstes ist. Faszinierend, wie glanzvoll man so debütieren kann.

Ich empfehle das sehr. Auch ohne Übersetzung. Denn es ist eine faszinierende, wenn auch bedrückende, Geschichte. Und es ist ein ganz wundervolles Beispiel, wie man auch heute aus dem Alltag erzählen kann, ohne sich beim angeblich Berlin-hungrigen Massengeschmack anbiedern zu müssen. Muss man nämlich gar nicht. Es reicht vollkommen aus, genau zu beobachten, Charaktere zu erkennen. Und darüber gut zu erzählen. Wie Mark Brandi mit seinem Wimmera.

q.e.d.