Gelesen: Das Zigarettenmädchen von Ratih Kumala

»Am besten kannst du nachdenken, wenn du dabei rauchst.«

Ratih Kumala: Das Zigarettenmädchen Das liest man heutzutage auch eher seltener. Aber dafür haben wir ja die Literatur: Für die seltenen Momente.

Die Geschichte vom Zigarettenmädchen ist voll davon. Dabei erzählt sie schlicht die Geschehnisse rund um zwei konkurrierende indonesische Zigarettenhersteller und die Familien dahinter. Interessant wird diese Gemengelage durch Irrungen und Wirrungen, die beide Seiten durchziehen und miteinander verweben.

Den Ursprung hat dabei alles in einer alten Freundschaft zwischen zwei Jungs. Kaum kommt eine Frau ins Spiel, verwerfen sich beide. Von da an herrscht das Drama. Dabei geht erst einmal ein solider Teil der Erzählung für den Neid des einen auf seinen alten Freund drauf. Dieser ist zwar sein Gegenspieler und Konkurrent. Das ist auch nicht verkehrt, aber so manches Mal möchte man den Neidenden beiseite und in den Arm nehmen, um ihm »Ach komm, nun lass mal gut sein« zuzuflüstern. Es ist auf Dauer ein wenig ermüdend.

Irgendwann kommt aber die Wende und wir bekommen auch die Sicht der anderen Seite. Sehr geschickt fließen dabei Begehren, Familienfehden, Generationswechsel und politische Umstürze zusammen. Die dabei schwingende Eleganz der geschliffenen Worte und Erzählweise fasziniert und rettet die Geschichte.

Von zwischenzeitlichen Längen abgesehen kann ich diese Erzählung rund um das Zigarettenmädchen somit durchaus empfehlen. Auch Nichtrauchern, ganz klar.