Auf dem Bahnsteig

Geh auf Reisen, da erlebst du was.

Es ist einer dieser Sprüche, an denen durchaus etwas dran ist. Kaum kommt man schließlich raus aus der Routine, schon passiert etwas. Dabei muss es gar nicht immer die große Weltreise sein, manchmal reicht auch schon der kleine Ausflug zwischendurch. Wie zum Beispiel der Weg zur Arbeit.

Und selbst dabei ist es relativ egal, wie man im konkreten Fall so unterwegs ist. Rollt man mit dem Auto über die diversen Fährten der Südstaaten, kann man bei einem Blick hinter die Steuer der anderen ganz faszinierende Posen des In-der-Nase-Bohrens bewundern, Zeitungsleser bestaunen, sich Rasierende sehen und bei wahren musikalischen Größen vom offensichtlich leidenschaftlichen Gesang nichts hören.

Aber auch mit der Bahn wird es nicht langweilig. Dabei möchte ich hier gar nichts sagen über In-den-Zug-Drängelnde oder Sich-lange-vor-Ankunft-in-den-Gang-Stellende. Die kennen wir schließlich alle. Es ist quasi Routine. Nein, heute stehe ich einfach mal auf dem Bahnsteig, warte auf das sich verspätende Gefährt und schaue mich um. Und sehe ein recht schlichtes Bild:

Sie pöbeln nicht, sie singen nicht, sie grölen nicht, sie rempeln nicht. Sie stehen nur. Ob mit Anzug oder Becks. Tja, geh auf Reisen, da erlebst du was.