Aus dem Regal: Wer Wind sät von Nele Neuhaus

Das ist doch endlich mal ein Klassiker. Also nicht unbedingt dieses Buch als solches. Sondern der Umstand, dass es von einem Bücherflohmarkt den Weg ins Haus gefunden hat. Das kann man schließlich ruhig mal machen. Endlich mal die Klischees bedienen. Bücher aus Papier: Sie sind so toll, weil man sie schließlich weitergeben kann. Bei den Leselizenzen für die elektronischen Exemplare geht das ja nicht. Moderner Schnickschnack, alles ganz schlimm.

Nun ja, hätten wir das abgehakt. Man soll so einen armen Text ja auch nicht kultupessimistisch übermäßig überladen. Das hat er ja auch nicht verdient.

Nele Neuhaus: Wer Wind sät Womit wir beim Text wären. Das ist ein Krimi, wer hätte es gedacht? Von der Autorin kenne ich sonst nichts. Das liegt natürlich eher an meiner Ignoranz als an ihr. Denn das Handwerk hat sie im Griff. Die Geschichte ist spannend aufgezogen und dreht sich um lokale Befindlichkeiten über den Bau eines Windparks mitten im ländlichen Idyll. Das gibt natürlich Potenzial für Konflikte ohne Ende. Da ist der Windparkbauer und die große Politik auf der einen Seite. Da ist die Anti-Geräte-Lobby mitsamt der Heimatbewahrer auf der anderen Seite. Und dann gibt es auch noch eine Wiese, die alles entscheiden kann und einfach nicht passend den Besitzer wechseln möchte.

Dazu kommen noch ein paar ganz persönliche Fehden und fertig sind die Dramen. Diese spielen hier geschickt zusammen, erlauben ein paar ordentlich parallel verlaufende Handlungsstränge, die letztlich jedoch ganz vorzüglich und durchaus spannend zusammenfinden.

Das macht richtig Spaß. Das kann ich durchaus empfehlen. Die Sprache stört auch nicht, ganz im Gegenteil: Sie fließt unauffällig dahin. Wer also eine Lektüre sucht, die aneckt und den Lesenden provoziert, sollte die Finger davon lassen. Wer nette Unterhaltung sucht, wird hier fündig. Wer Wind sät ist ein klassischer Krimi; da weiß man, was man hat.