Müde

Wir waren unterwegs. Es ist jetzt schon fast wieder eine Weile her. Aber wie heißt es so schön? Geh auf Reisen, dann hast du Erinnerungen. Und bei denen geht es tatsächlich nicht nur um Hipster-Cafés.

Sondern es gibt da zum Beispiel diesen Papá im Bus. Nicht mich, einen anderen. Und es ist in einem Linienbus, einem ganz gewöhnlichen. An einem sonnigen Nachmittag, mitten in Barcelona. Und der besagte Herr ist nicht allein unterwegs, er hat ganz offensichtlich seinen Sohn dabei. Dieser Niño schläft glatt in dem Moment tief ein, in dem er den Sitz auch nur berührt. Was für ein Tag, er war wohl schon anstrengend.

Der Papá guckt nicht viel munterer. Seine Finger wischen müde über ein Smartphone, ein weiteres steckt in der engen Jeans. Aus dem Büro scheint er nicht zu kommen. Ich kann nicht genau sagen, warum, aber sein allgemeines Erscheinungsbild wirkt schlicht nicht so. Ein spontaner Wechsel des Gadgets wirkt trotzdem wie ein Wechsel von dienstlich zu privat. Deutlich munterer wirkt er auf einmal, kaum dass er ein Smartphone wegsteckt und das andere gezückt hat.

Der Bus macht währenddessen, was ein Linienbus halt macht: Er fährt von Haltestelle zu Haltestelle. Leute steigen ein. Leute steigen aus. Irgendwann sitzt plötzlich bei unserem Fahrtnachbar seine Tochter ihm direkt gegenüber. Der schlafende Sohn ist auf seinen Schoß umgezogen. Ein weiteres Kind hängt eine Reihe weiter vorn ab. Papá wischt, Sohn schläft, Tochter sitzt, Kind hängt ab. So sieht Routine aus.

Wir steigen vor ihnen aus. Wir machen somit Platz. Kind Numero trés rückt auf. Jetzt scheinen sie alle beieinander, wirken recht vollständig.

Tja, geh auf Reisen, heißt es. Dann hast du Erinnerungen. Fragt sich nur, ob das auch für jene gilt, die einfach nur auf ihrer alltäglichen Fahrt durch die Stadt unterwegs sind.