No tengo tiempo

Kaum sind Ferien, kann man glatt mal einen Familienausflug nach Barcelona machen. Dort ist schließlich auch im Herbst noch Sommer. Ostseesommer, aber immerhin. Diverse Strände gibt es vor Ort ebenfalls. Schöner kann es doch kaum werden.

Passenderweise besuchen wir einen dieser Strände ganz regelmäßig, täglich gar. Es sind diese Momente am Tag, von denen alle wissen, dass sie gar nicht anders als vollkommen lässig sein können. Am Strand abhängen: Das ist per Definition die pure Entspannung. Ganz unabhängig davon, ob man dort den Sand auf und ab läuft, ob man sich beim ständigen Sprung ins Wasser verausgabt, diverse Sportübungen veranstaltet oder einfach nur dasitzt und auf das Wasser hinaus guckt: Es ist alles viel entspannender als durch die Stadt zu ziehen und Sehenswürdigkeiten zu beehren.

Das geht schon im weiteren Umfeld des Strandes los, das mit der Entspannung. Man sieht es auch den Leuten dort an, diesen Katalanen, welche im Fischereiviertel kurz vor dem Strand abhängen. Man sieht es zum Beispiel sehr deutlich an diesem einen Typen, welcher sich lässig an eine Hauswand lehnt, eine Zigarette zwischen den Lippen, sein Hemd umflattert locker geknöpft seine Brust, das halblange Haar schwingt im Takt. Schon seit Stunden scheint er an genau dieser Stelle genau so zu stehen. Beobachtet mit eher beiläufigen Bewegungen seiner Augen die vorbei ziehenden Passanten. Mehr macht er nicht. Mehr hat er heute wohl nicht zu tun.

Gerade dreht er seine nächste Zigarette. Ein Freund von ihm kommt vorbei, ruft ihm etwas zu. Details verstehe ich nicht. Aber eine Einladung scheint es zu sein. Nach Carpe Diem klingt sie.

Unser Mann rührt sich kaum. Er blickt kurz auf, dreht weiter an seiner Zigarette, nickt seinem Freund zu. Verstanden hat er ihn wohl.

»No tengo tiempo«, sagt er schließlich.

Was auch immer die Einladung seines Freundes war, er kann sie gerade nicht annehmen, kann nicht mit ihm gehen. Er hat schließlich keine Zeit, muss jetzt erst einmal seine frisch gedrehte Zigarette fertig rauchen. Und an der Wand lehnen.

Warum sind wir eigentlich nur während der Ferien in Barcelona, denke ich kurz. Ziehe dann aber weiter. Richtung Strand.