Auf der Leinwand: Everest

Kleiner Gipfel

Aus der Reihe Geschichten von früher verrate ich jetzt mal ganz offen: Vor vielen, vielen Jahren in einem fernen, fernen Land bin ich auf hohe, hohe Berge gewandert.

Na gut, es waren Vulkane, noch dazu nicht mehr so ganz aktive. Und es war auch wirklich nur ein Wandern. Ernsthafter Sport sähe anders aus. Aber einer der Krater war immerhin über 5.000 Meter hoch. Ich sage jetzt lieber nicht, welcher es war. Ich könnte den Namen eh nicht aussprechen. Leider weiß ich auch nicht mehr, wie mein Führer hieß. Ganz so eingängig wie Rob war der Name allerdings nicht.

Rob heißt hingegen der Held im Film Everest. Oder besser gesagt: Rob ist der Hauptdarsteller. Die Sache mit dem Helden bleibt ein wenig der Ansichtssache des Zuschauers überlassen. Rob ist nämlich Bergführer. Und zwar nicht für kleine Spielzeugvulkane, sondern für den Mount Everest. Er schnappt sich eine Gruppe von Bergtouristen, führt sie bis zum Gipfel herauf und nach Möglichkeit auch heile wieder herunter. Um genau eine solche Expedition geht es in dem Film. Und passenderweise werden die besagten Touristen durchgängig als Kunden bezeichnet. Wertschätzungstechnisch und bezüglich der Hochachtung und dem nötigen Respekt vor dem Berg sagt das eigentlich schon alles.

Aber der Film nimmt einen trotzdem mit. Dabei hilft es natürlich, wenn man die leider nur zu reale Hintergrundgeschichte nicht schon vorher gelesen hat. Denn dieser Weg zum Gipfel und zurück ist ein Kampf. Trotz aller Technik, trotz aller Unterstützung, trotz der Führung durch Menschen, die das alles schon einmal erlebt haben, ist das Ersteigen so eines Berges eben keine leichte Wandertour. Der Unterschied zwischen einem Freizeitvulkan und diesem Everest sind nicht nur ein paar profane Höhenmeter und das Loch auf dem Gipfel. Er liegt vielmehr darin, dass das eine zwar partiell etwas unangenehm sein mag, das andere aber aufgrund der sehr unmenschlichen Gegebenheiten bei dünner Luft in ein paar Kilometern Höhe quasi unmöglich ist.

Und doch wird es möglich gemacht. Durch einige wenige. Ich nenne sie mal: Ausnahmekünstler. Und auch, wenn es natürlich nicht ganz konfliktfrei ist, dass auch kommerzielle Interessen mit beteiligt sind, so ist nicht jeder rein sportlich motivierte Antrieb automatisch moralisch überlegen. Das Umsetzen einer unmöglichen Idee, das Überwinden unmenschlicher Hindernisse, ja, auch das Ausloten der jeweils eigenen Grenzen und manchmal eben das Überschreiten eben dieser ist nicht immer eine einfache Frage von Schwarz versus Weiß. Es ist nicht immer Yin vs. Yang. Es ist nicht immer Fein vs. Verwerflich.

Und genau das zeigt dieser Film. Er zeigt, dass Scheitern nicht nur eine Option ist, sondern tatsächlich auch passiert. Und der Film zeigt, dass Scheitern eben nicht immer eine tolle Erfahrung ist, die einen bereichert und zu neuen tollen Möglichkeiten verhilft. Der Film erzählt eine Geschichte, die zeigt, dass viele unserer Allerweltssorgen genau das sind: Allerweltssorgen.

Und das ist gut so. Ich habe sie gern.