Probehören

Sitzreihe Wenn man zu einem Konzert geht und bei diesem Sitzplätze geboten werden, hat man sicherlich den Klingklang einer eher gesetzten Musikervereinigung vor sich. Nun, das mag so sein. Ich kann Calexico jedoch sehr empfehlen. Dabei ist es übrigens fast egal, welche Körperhaltung man einnimmt. Denn Stehplätze gibt es auf ihren Konzerten für gewöhnlich sehr wohl. Und die gezeigte Sitzreihe blieb während des gestrigen Auftritts beim Zeltival auch leer. Da sage nochmal jemand was. So träge ist das Publikum hier in den Südstaaten nämlich nicht.

Und das ist auch gut so.

Denn man kann bei so einem Konzert nicht nur feine Musik erleben, man kann auch richtig was lernen. Etwas über die korrekte Wahl der Instrumente, zum Beispiel. Selbst, wenn man selbst gar keines spielen möchte, wird die Frage spätestens für all jene interessant, deren Kinder gerade mit der Schule anfangen. Da sind Instrumente schwer angesagt. Wir haben hier so ein Schulkindexemplar im Haus. Und ich verrate mal soviel: Einfach ist die Instrumentenwahl auf jeden Fall nicht. Interessant ist alles, glasklar. Aber manches dann doch nicht so recht intuitiv, klingt auch erstmal schräg, frustriert gar. Da ist guter Rat gefragt. Da kann man sich ruhig mal umgucken. Einfach mal erleben, was gut klingt, sehen, was Spaß macht. Darum geht’s doch beim Musikmachen, oder? Nun, bei dieser Band hier offenbar schon. Spielen können sie, live ganz besonders. Das gefällt. Und mit sieben Mann auf der Bühne gibt es auch anständig was zu gucken. Die meiste Zeit spielen sie nämlich verschiedene Instrumente, zum Teil sogar mehrere davon. Das Spektrum ist entsprechend breit und ich stelle fest: Es hat alles überzeugt.

Schrammelige Gitarren aller Art? Passt jeweils. Gern auch mal als Solo-Battle zwischendurch. In Maßen ist das durchaus erträglich. Bass? Geht eh immer. Es gibt ja kaum coolere Instrumente als so einen Bass. Und dabei ist es fast schon egal, ob es ein großer akustischer oder ein handlicherer elektrischer Bass ist. Bass cool, Bassspieler noch cooler. Super Bass. Und die Drums? Sind natürlich ebenfalls ganz fein. Schlagzeug, Percussion, Klangschalen, Rasseln, Vibrafon: alles feine Sahne. Ergänzt übrigens auch den Bass ganz hervorragend. Das kann somit gar nicht verkehrt sein. Nur die Frage mit dem Übungsraum ist schwierig, falls wir das hier auch dem Sohn durchgehen lassen würden. Aber irgendwas ist bekanntermaßen immer. Wie auch mit der Trompete. Wobei das natürlich ein feines Instrument ist. Bei Calexico gleich in zweifacher Ausführung zu haben. Und ich muss sagen: Das macht es fast doppelt so schön. So eine Trompete schafft’s ja ganz hervorragend, sowohl im Hintergrund zu überzeugen, als auch durch charakterstarke Soli zu glänzen. Keyboards können das meist weniger. Das klassische Keyboardsolo hat’s ja nie so richtig zum Durchbruch geschafft. Macht aber nichts. Es ist trotzdem ein ganz feines Instrument. Keyboard ist also total super. Und kommt nicht nur mit den flexibelsten Klangvariationen daher, sondern wir sind hier sogar so großzügig und werfen das Theremin auch noch mit in die gleiche Schublade. Ignorant können wir hier, wir Eltern. Der Sohn muss es ausbaden und hat weiterhin die Qual der Wahl. Warten wir es ab. Für eventuelle Bühnenpläne seinerseits gibt’s jeweils wenig Gründe für oder wider der einen oder anderen Wahl. Live, beim Konzert, konnten hier zumindest alle überzeugen. Besser geht’s doch kaum.

Calexico live

Und wenn am Ende des Tages wirklich gar nichts passen sollte, bleibt ja immer noch der Gesang. Auch die Rolle möchte meist besetzt werden. Und zumindest den Jungs von Calexico nimmt man es kurioserweise gar nicht übel, wenn das auch mal nach Adan Romero klingt. Und was soll ich sagen? Wenn man erstmal soweit ist, wird die Wahl der begleitenden Instrumente quasi nebensächlich.

Über die Instrumentenwahl des Nachwuchses mache ich mir also wenig Sorgen. Scheint alles zu passen.