Lobbyarbeit für den Untertage-Marathon in Sondershausen

Heute erinnern wir uns bitte kurz an die guten alten Zeiten. Ich rede vom letzten Jahr. Es begab sich im November, da hatten wir hier einen Untertage-Marathon. Es sollte der letzte dieser Art an diesem Ort gewesen sein. Aber wer glaubt schon heute noch den Gerüchten von gestern? Eben.

So kam vor ein paar Tagen eine Bitte um Unterstützung bei der Argumentation für das Weiterführen der Veranstaltung. Und zwar in Form einer Mail an einen Herrn in einer Art von Amt. Wir nennen hier jetzt keine Namen. Aber wir nennen das Kind so, wie es sich verhält: Es geht um Lobbyarbeit. Und da ich gern und öffentlich dazu stehe, diese keineswegs per se zu verabscheuen sondern sogar für recht sinnvoll zu halten, bin ich natürlich gern dabei. Ich habe also ein hochseriöses Schreiben an den besagten Herren in diesem Amt verfasst. So sieht es aus:

Sehr geehrter Herr in dem besagten Amt,

gern nutze ich heute die Gelegenheit, Ihnen endlich mal zu schreiben, um mich dafür zu bedanken, dass Sie und Ihre Kollegen vor nunmehr über zehn Jahren die wundervolle Idee hatten, den Untertage-Marathon in Sondershausen dadurch zu unterstützen, dass Sie ihn einfach ermöglicht haben. Das war eine sehr gute Idee. Sie haben damit geholfen, etwas ganz wundervolles zu schaffen, dass besonders ist, ausgefallen, charmant, interessant und durchaus auch ein wenig verrückt.

Das ist doch genau das, was so ein Bergwerk ausmacht, oder? Es ist schon etwas Besonderes, was Sie da haben. Es ist auch durchaus ausgefallen, so ein Bergwerk direkt im Ort vorhalten zu können. Es ist charmant, das Sie es auch neben der reinen Bergwerksarbeit zu nutzen wissen. Für die Besucher, die so zu Ihnen finden, zeigt es sich als interessant. Es wäre doch verrückt, wenn Sie das alles aufgeben.

Denn wissen Sie was? Dieses Im-Kreis-Rennen der Marathonläufer weckt Interesse. Zum Beispiel bei den beiden Kindern hier im Haus. Sie haben mich im letzten Jahr sehr oft gefragt, wann ich denn nun endlich ins Bergwerk fahre zum Laufen. Sie haben sich nachher nicht nur die Bilder angesehen, sondern auch stolz meine Medaille um den Hals geworfen. Sie haben auch ihren Freunden davon erzählt. Sondershausen wurde zum Thema in Kita und Schule.

An dieser Stelle erspare ich Ihnen jetzt die Rede darüber, dass Kinder unsere Zukunft sind. Aber dass Bergwerksbegeisterte so leicht nachwachsen, dass ist doch faszinierend. Insbesondere, wenn wir uns klar machen, dass unter-10-jährige noch gar nicht selbst in den Schacht dürfen.

Jetzt verrate ich Ihnen noch, dass ich gar nicht nur meinen Kindern von den Spaß bei Ihnen erzählt habe. Es steht auch in meinem Blog. Und zur gegebenen Zeit ging es auch angemessen durch die diversen Social Media-Kanäle. Social Media, das wissen Sie sicher, ist derzeit der total angesagte Weg, um etwas Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Hier haben wir Läufer, aber auch Interessierte, die dieses Mal gar nicht live vor Ort waren, Werbung für den Marathon, das Bergwerk und Sondershausen gemacht. Das war aber nicht nur Werbung, das hat richtig Spaß gemacht. Es hilft jedoch, wenn es diese Veranstaltung überhaupt gibt. Ansonsten gestaltet sich das mit dem Berichten etwas holprig.

Daher habe ich jetzt eine Bitte an Sie: Geben Sie sich einen Ruck und dem Untertage-Marathon eine Chance, weiter bestehen zu können. Sondershausen hat es verdient und Sie mit ihrem Team ganz sicher ebenfalls.

Oberirdisch freundliche Grüße,
Señor Rolando

Das hat jetzt fast so viel Spaß gemacht, wie das Laufen im Bergwerk selbst. Leider nur fast.