Was von 2014 bleibt

Da geht doch glatt ein Jahr zur Neige. Meine Güte, wie die Zeit vergeht. Aber immerhin ist auch etwas passiert. Es zieht also nicht spurlos davon, dieses Jahr. So wird der Sohn zum Beispiel nicht müde, bei allen möglichen Gelegenheiten anzumerken, dass wir ja immer noch Weltmeister sind. Das scheint ihn wirklich arg geprägt zu haben, dieses Fußballereignis. Es bleibt mir ein wenig schleierhaft. Aber insgeheim bin ich einfach froh, dass es den Spaß nur alle vier Jahre gibt. Wäre die Frequenz höher, würde meine komplette Ahnungslosigkeit zum Thema wohl irgendwann auffallen und nicht einfach als Coolness durchgehen.

Viel faszinierender als das reine Ballgeschiebe sind natürlich die diversen Begleiterscheinungen. So sind wir zwar Weltmeister, aber deswegen noch lange nicht die Tollsten. Auch das verrät einem der Sohn bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Die Brasilianer zum Beispiel, sie waren schon fünfmal Weltmeister. Wir nur viermal. Tja, der junge Mann hier kam dieses Jahr auch in die Schule. Seitdem rechnet er auf faszinierend vielfältige Art und Weise vor, wie viel toller Fünfmal im Vergleich zu Viermal ist.

Trotzdem bringt so ein Weltmeistertitel durchaus seine Vorteile. So ist’s ja nun auch wieder nicht. Man kann ruhig selbst ein wenig feiern, auch wenn andere noch viel toller sind. Das geht sogar ganz problemlos. Auf diese Weise ist zum Beispiel unsere Flagge durchaus wieder salonfähig geworden. Es ist jetzt nicht so, dass wir jemals erwägen würden, diese an irgendwelche Gefährte zu hängen. Es ist auch nicht so, dass wir Winkelemente schwingend durch die Straßen ziehen. Aber es kann durchaus vorkommen, dass sich die Kinder ihre Frühstücksbrötchen als Flaggen dekorieren. Und hierbei steht die einheimische recht hoch im Kurs. Die klassische Gestaltungsform sieht dabei ein möglichst gleichwertiges und sortenreines Auftragen von Nutella, Erdbeerkonfitüre sowie Honig auf dem Brötchen vor. Aber mal ganz ehrlich: Wer isst schon immer nur dasselbe? Eben. Das sehen auch die Kinder so. Und während die Tochter im Zweifel einfach vollends auf die Schokocreme umschwenkt, bleibt der Sohn seiner Flagge treu, wandelt sie jedoch nach persönlichem Gutdünken ab. Das Glas mit der Schokolade könne sie ruhig behalten, bietet er seiner Schwester an. Auf meinen erstaunten Blick ob seiner neugewonnenen Großzügigkeit antwortet er mit dem lapidaren Hinweis, dass Erdnussbutter das neue Schwarz sei. So hat er das jetzt beschlossen. Die mag er eh lieber. Und ich doch auch. Erdnussbutter, verrät er mir mit einem Augenzwinkern, ist die Schokolade für Männer.

Abgesehen davon, dass Erdbeerkonfitüre und Honig auch weiterhin zu seinen Lieblingen zählen, muss ich dem Nachwuchs zugestehen, dass er schneller einen entspannten Umgang mit Nationaldevotionalien entworfen hat, als andere von uns ihren ersten Kaffee des Tages hinter die Binde kippen.

Wenn sich das Jahr mal nicht gelohnt hat. Auf ein ebenso feines Neues!