Küsschenwache, revised

Wir sind gerade wieder für ein paar Tage draußen gewesen, frische Luft tanken, im Norden, am Wasser. Einfach mal durchpusten lassen. Das ist gut für den Kopf. Einfach mal in Ruhe Boote zählen. Das schadet meist auch nicht. Mittendrin im derart vollgepackten Aktivurlaub stellt der Sohn auf einmal recht trocken fest, dass er glaubt, die Küsschenwache heißt wohl eigentlich gar nicht so. Das hätte ich ihm nur eingeredet. Da steht streng genommen etwas ganz anderes dran, an den Booten. Küstenwache zum Beispiel.

Ich antworte ihm darauf erst einmal nicht. Ich gucke nur interessiert. Man möchte schließlich nicht lügen. Als Vater sieht man sich ja auch in einer gewissen Vorbildrolle. In Gedanken weine ich ihnen natürlich trotzdem nach, den schönen Zeiten. Das ist jetzt die Zeit zum sentimental werden. In Momenten wie diesem kann man es gehörig anprangern, wie schnell sie doch groß werden, die Kinder. Man kann sich fragen, was das soll. Und man kann sich fragen: Haben wir denn schon genug geküsst? Wohl kaum.

Während ich kurz davor bin, mich völlig meinen Gedanken hinzugeben, rührt sich der Sohn wieder. Er stellt fest, dass gerade wieder ein Boot vorbeigefahren sei. So eines mit den Streifen an der Seite. Ich wüsste doch wohl schon, was das heißt. Und er guckt ganz erfreut.

Tja, was soll ich sagen? Die Kinder, sie werden so schnell groß. Er zumindest hat dieses Spiel jetzt verstanden. Und die guten Zeiten, sie gehen wohl noch eine Weile.