Lernen im Akkord

Der Sohn wurde in dieser Woche eingeschult. Wir hatten das hier ja schon. Und was soll ich sagen? Es waren bereits ein paar aufregende Tage. Obwohl bisher alles noch relativ ruhig ist. Alle gewöhnen sich aneinander. Also die Kinder an die Schule. Umgekehrt aber ebenfalls. Da kann man nicht gleich mit vollem Tempo einsteigen. So gab’s am ersten Tag neben etwas Schulerkundung nur etwas Probeunterricht zum Kennenlernen. Der Sohn hat das im Nachhinein recht prägnant zusammengefasst: “War gut. Aber wir hatten keine Pause!”

Auf die Pausen hat er sich gefreut. Seine Kumpels, die schon ein Jahr vor ihm in die Schule kamen, haben davon erzählt. Pausen sind ganz toll. Es gibt große, es gibt kleine. Manche sind drinnen, in manchen geht man nach draußen. Und für andere kann man Kritik ernten, wenn man während ihnen zu lange auf der Toilette sitzt. Das reizt. Das lockt. Davon träumen kleine Jungs.

Jetzt ist er selbst in der Schule und hat gleich am ersten Tag gelernt: Das mit den Pausen ist alles Quatsch. Offenbar gibt es gar keine. Das sind alles nur Urban Legends. An so einer Schule wird stattdessen im Akkord geschafft. Man sieht ihm an, was diese Erkenntnis auslöst; seine Augen werden ganz groß. Aber er beruhigt sich schnell wieder. Kinder sind offenbar doch leidensfähiger, als wir es manchmal annehmen.

Immerhin wirft er jedoch nicht gleich alle alten Sitten über Board. So darf ich ihm zum Beispiel weiterhin am Abend noch etwas vorlesen. Er lässt diese Großzügigkeit aber nicht ganz selbstverständlich so im Raum stehen, sondern erklärt sie gleich noch. Den Spaß gönnt er mir schließlich nur, weil er selbst noch nicht lesen könne. Das muss er doch in der Schule erst lernen. Das dauert wohl noch ganz lange.

Aber ich soll ihn nächste Woche noch einmal fragen. Vielleicht kann er es ja dann.